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Segen für Frieda, Fanny und Tosha
Pfarrer Heiko Merkelbach segnet Tosha. Foto: Tilman Baur
Tiergottesdienst

Segen für Frieda, Fanny und Tosha

Im Werben um Gläubige geht die katholische Hedwigskirche in Stuttgart-Möhringen neue Wege.

11.10.2016
  • Tilman Baur

Stuttgart. Eigentlich sei sie ja Mitglied in einer anderen Gemeinde, gesteht Lea Knobloch. Die 70-jährige steht am Sonntagnachmittag an der Seite ihres Mannes Günter (70) vor dem Eingang der Katholischen Hedwigskirche. Heute gehe sie sozusagen fremd. Denn nur hier, in dieser Kirche in Stuttgart-Möhringen, gebe es jedes Jahr Tiersegnungen, sagt Knobloch. Mitgebracht hat das Ehepaar die Border-Collie-Mischlinge Fanny und Frieda. Frieda kläfft – ist sie nervös, weil ihr großer Tag bevorsteht? „Das ist schon etwas ganz Besonderes heute“, sagt Günter Knobloch.

Auch Karin Scheunemann, 67, wartet gespannt auf den Gottesdienst. Sie lässt heute ihre Tosha segnen, einen ungarischen Hirtenhund. Gut zwei Dutzend Menschen haben sich mit ihren Tieren eingefunden. Pfarrer Heiko Merkelbach tritt mit einem breiten Lächeln aus der Sakristei heraus und begrüßt die Gemeinde, allen voran die Tiere. „Ja, wer bist Du denn?“, fragt er die Hündin Frieda und krault sie. Routiniert schreitet er die Reihen ab, tätschelt hier und da ein Hundeköpfchen. „Einmal im Jahr feiern wir die gesamte Schöpfung“, sagt er und erklärt den Hintergrund: Über den Heiligen Franziskus von Assisi werde gesagt, „er habe sogar den Vögeln gepredigt“.

Bald wird es spannend für Fanny, Frieda und Tosha: Die Einzelsegnungen beginnen. Der Reihe nach führen die Herrchen ihre Tiere nach vorne zu Pfarrer Merkelbach, der sie mit seinem Aspergill mit Weihwasser besprengt. Pfarrer und Herrchen sind glücklich. Die Gesegneten selbst teilen die Begeisterung nur eingeschränkt. Tosha zum Beispiel zieht ihren Kopf ruckartig zurück; vielleicht hat sie der Trubel eingeschüchtert. Andere Hunde nehmen das Ereignis langmütig hin.

„Es war schön, irgendwie beruhigt es mich“, sagt Günter Knobloch nach der Segnung. „Der Pfarrer macht das auch ganz toll“, pflichtet ihm Karin Scheunemann bei. Der Gelobte selbst sieht die Tiersegnungen pragmatisch: „Damit erreichen wir ein Publikum, das sonst nicht unbedingt den Gottesdienst besuchen würde.“ Und zwar nachhaltig: „Ich habe durchaus schon Gesichter im Gottesdienst gesehen, die nur durch die Tiersegnung zu uns gekommen sind“, sagt Merkelbach. Tilman Baur

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11.10.2016, 06:00 Uhr

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