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Sehnsucht nach Kongressen
Die Heidelberger Uni-Bibliothek ist altehrwürdig, doch Kongresse sind in der Stadt bisher unmöglich. Foto: Universität
In Heidelberg soll endlich ein passender Veranstaltungsort entstehen

Sehnsucht nach Kongressen

Eines der größten Probleme der Heidelberger Kommunalpolitik steht vor einer Lösung. Mit jahrzehntelanger Verspätung wird der Bau eines als dringend notwendig erachteten Kongresszentrums wahrscheinlich.

15.04.2016
  • HANS GEORG FRANK

Heidelberg. Bei Touristen steht Heidelberg hoch im Kurs. 2015 kauften über eine Million Besucher eine Eintrittskarte für die Schlossruine, den internationalen Inbegriff für deutsche Romantik. Immer mehr Chinesen fuchteln mit Selfiestangen herum, wo sich schon halb Japan geknipst hat. Während der Andrang der Urlauber Heidelberg zu Zahlen wie in besten Zeiten verhilft, muss jener Teil der Weltbevölkerung, der seinen Wissenshorizont erweitern möchte, einen Bogen um die Stadt machen: Es gibt keine Heimatstätte für herausragende Tagungen. Dabei gilt Heidelberg dank Universität, Deutschem Krebsforschungszentrum und etlichen Instituten als bedeutender Wissenschaftsstandort.

Der Bau eines Kongresszentrums ist eines der heißesten Eisen der Kommunalpolitik. Seit Jahrzehnten wird nach einer Patentlösung gesucht. 2010 schien der Erfolg greifbar nah. Aus einem Wettbewerb ging als Sieger ein Quader aus rotem Sandstein, Glas und begrüntem Dach hervor. Der Klotz für 26 Millionen Euro sollte neben der 100 Jahre alten Stadthalle gebaut werden. Für Oberbürgermeister Eckart Würzner passte die Tagungsstätte bestens "in den Kontext der historischen Bebauung". An der Bedeutung des Vorhabens ließ der parteilose OB keine Zweifel zu: "Es geht um die Zukunft unserer Stadt." Eine Allianz aus Krämern, Hoteliers, Wirten, Unternehmern, Architekten hatte er auf seiner Seite. Sie beklagten den "gravierenden Bedeutungsverlust als Tagungsziel und Einkaufsstadt".

Doch Gegner des Projekts sahen das gänzlich anders. Sie fürchteten den Kahlschlag von Bäumen, wollten die Zerstörung des traditionellen Stadtbildes verhindern. Weil der "Monsterbau" das "liebenswerte Bild mit verwinkelten Gassen und lauschigen Plätzchen" störe, sei der "Charme von Alt-Heidelberg" dahin. Der "Verlust von Heimat" sei "politischen Träumen" geschuldet.

Ein von den Widerständlern angezettelter Bürgerentscheid fiel sehr deutlich aus. 26 309 Wähler votierten gegen das Projekt, 12 902 dafür. Ursache dieser Abfuhr war die mangelnde Berücksichtigung der Bürger. Sie hatten kaum Mitspracherecht, wurden meist mit vollendeten Tatsachen konfrontiert. "Ich hatte die Verunsicherung der Menschen unterschätzt", gab Würzner danach zu. Was hat er daraus gelernt? "Dass man noch früher die Bevölkerung einbinden und alternative Wege aufzeigen muss."

Zwei Jahre später wurde ein neuer Anlauf gestartet. Seither können sich die Heidelberger mit Ideen und Wünschen einbringen. Fünf potenzielle Standorte für das Zentrum mit einem Saal für 1800 Plätze wurden ausgesucht. Davon wird nun ein Bauplatz in der Bahnstadt favorisiert. Dort werden bereits neue Formen der Stadtentwicklung erprobt, die eigentlich uralt sind - das Nebeneinander von Wohnen und Arbeiten. Auf dem Baufeld T 1, wo vorher ein Bordell stand, hätte das Konferenzzentrum Platz, dessen Realisierung auf 65 Millionen Euro geschätzt wird. Das verkehrsgünstige Areal ist ab 2017 verfügbar. Der Gemeinderat wird am 28. April entscheiden, bei den Fraktionen zeichnet sich eine Mehrheit ab. Die Beiträge der Bürger fließen in die Beschlussvorlage ein. Im Rathaus ist von einem "großen Mehrwert für die Stadt" die Rede. Auch Albertus Bujard vom Verein "Bürger für Heidelberg" ist zufrieden. Die Bürgerbeteiligung, von der Frage der Notwendigkeit eines Kongresszentrums über Standortsuche bis zur Standortwahl, habe sich "in vollem Umfang bewährt".

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15.04.2016, 06:00 Uhr

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