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Seichtigkeit
des Seins
endet tödlich
Starkes Ensemble: Nils Brück, Bettina Burchard und Paul-Louis Schopf. Foto: Thomas Braun
Uraufführung

Seichtigkeit des Seins endet tödlich

Das Theater Heilbronn bringt John von Düffels „Das Lied von Liebe und Tod“ bravourös auf die Bühne.

24.01.2017
  • HANS GEORG FRANK

Heilbronn. Noch vor der Pause ist Schluss mit lustig. Ein strammes „Heil Hitler“ ist der Vorbote der tödlichen Wirklichkeit. In seinem Budapester Restaurant muss der jüdische Besitzer erkennen, dass in Zeiten der Nazifizierung Ungarns auf einen deutschen „Freund“ kein Verlass ist. Endlösung statt Erlösung. In diesem beklemmenden Rahmen bewegt sich das Schauspiel „Das Lied von Liebe und Tod“, eine Auftragsarbeit des Dramaturgen John von Düffel für das Theater Heilbronn. Bei der Uraufführung gab es, völlig verdient, viele Bravos und noch mehr Beifall.

Von Düffel stützt sich auf das Drehbuch für den gleichnamigen Film (1999), der wiederum auf dem Roman „Das Lied vom traurigen Sonntag“ von Nick Barkow beruht. Wie schon bei der Bühnenfassung von Thomas Manns „Buddenbrooks“ gelang ihm ein großes Werk mit intensiven Passagen. Die Handlung ist fiktiv, das Lied ist echt. Der Pianist Rezs? Seress komponierte eine Hymne des Liebeskummers, die zum Soundtrack für Selbstmörder in aller Welt wurde. Unklar ist, ob der Text von László Jávor den Anstoß für „Szomorú Vasárnap“, so der ungarische Originaltitel von „Trauriger Sonntag“ gab, oder ob die Melodie zuerst existierte. Diese vertonte Jenseits-Sehnsucht wäre auch ohne NS-Barbarei ein eigenes Drama wert.

Die Theaterfassung konzentriert sich auf einen Raum, das Restaurant, wo das Lied entstand. Die Handlung, erzählt aus der Erinnerung der Kellnerin Ilona, spielt sich auf drei Zeitebenen ab als Menage à trois, die ein flexibler Deutscher stört. Zwischen Flügel und fünf Stehlampen wandelt sich die Seichtigkeit des Seins im Budapest der 1930er Jahre zum organisierten Grauen mit der „Sonderbehandlung“ in Auschwitz. Regisseurin Uta Koschel hat die Vorlage mit den beeindruckenden und bedrückenden Dialogen dank brillanter Schauspieler optimal umgesetzt. Nur das Titellied vom Totensonntag kommt etwas zu kurz. Dabei könnte Paul-Louis Schopf als Pianist Andras diesem akustischen Leitfaden ohne Playback zu mehr Bedeutung verhelfen. Hans Georg Frank

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24.01.2017, 06:00 Uhr

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