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Bahn frei für die Badewanne

Seifenkistenrennen war große Gaudi für alle

Nicht nur in Hockenheim waren am Sonntag Boliden unterwegs, auch Reusten bot ein rasantes Rennen: Mit Seifenkisten ging es den Kapfweg hinunter.

24.07.2012
  • Fabian Ziehe

Rasante Renner in Reusten: in Seifenkisten den Kirchberg hinab

© Ziehe 01:59 min

Reusten. „Nur Gegenwind.“ Ronny Waldeck hadert mit dem Schicksal. Tochter Nathalie hat die 350-Meter-Strecke gut gemeistert. Doch der Flitzer bietet zu viel Luft-Angriffsfläche. Waldeck hat das Gefährt am Computer entworfen: geneigte Hinterräder, Plexiglas-Verdeck, Hupe, Tacho, ein edles Geschoss. Sechs Monate hat die Familie aus Bartholomä (Ostalbkreis) an der Seifenkiste gebaut. „Schwarzer Panther“ heiß sie, weil im Januar ein Mann in der Heimatgemeinde eine solche Großkatze gesehen haben will. „Nun hat Bartholomä gesichert einen Panther“, sagt Waldeck und grinst.

Nicht die einzige interessante Namenswahl unter den 36 Gefährten, die den Kapfweg hinunter schießen. „Gift“ heißt eine Seifenkiste aus Kayh wegen der giftgrünen Bemalung. Die Kirchengemeinde Reusten, die Gastgeber des Rennens des Evangelischen Jugendwerks des Bezirks Herrenberg ist, haben für den Lauf die „Rennsau“ gebaut. Und passend rosafarben angemalt.

Seifenkistenrennen war große Gaudi für alle
Strecke frei für die Seifenkiste „Radioaktiv“ aus Öschelbronn beim Rennen den Reustener Kapfweg hinunter.Bild: Ulmer

Die „Rennsau“ wird am Ende von einer Jury zur zweitschönsten Seifenkiste gekürt. Nur die „Badewanne“ aus Breitenholz ist hübscher – apropos interessante Namenswahl. Aber eigentlich geht es ja darum, die Strecke drei Mal möglichst fix zu bezwingen. Nur die schlechteste von vier Abfahrten wird aus der Wertung gestrichen. Vier Klassen gibt es: Bausatz-Kisten, Bausatz-Fahrwerke, luftbereifte Gefährte und eine offene Kategorie.

So sausen die Kisten den Kirchberg hinab, gesäumt von Getreidefeldern, gesichert von Hunderten Strohballen. Gut zweihundert Zuschauer verfolgen das Rennen, sofern sie sich nicht bei den Schuppen mit Wurst und Cola versorgen. Johannes Bauer kommentiert per Mikrofon das Geschehen und hält die Leute vom Queren der Trasse ab, wenn sich ein Bolide nähert.

Erika Oettinger steht an der Strecke. Die Jugendreferentin, der „Seifenkistenrat“ und die Reustener haben den Wettkampf geplant. „Das Rennen hat Tradition, das gibt es alle zwei Jahre an wechselndem Ort.“ Jungschar-Gruppen bauten monatelang an den Kisten. „Die Strecke hier ist optimal“, sagt Oettinger. Nicht zu steil mit Blick übers Land. Die Schuppen dienen als Garagen und für den Seifenkisten-TÜV. Vor dem Rennen feierten die Teilnehmer vor Ort einen Gottesdienst vor Gäu-Kulisse.

Die Kisten hört man schon heranrollen, bevor sie in die Zielgerade einbiegen. Die Zeit wird elektronisch gestoppt. Gerade angekommen ist Aaron aus Mötzingen. 55,5 Sekunden, der Elfjährige und sein Vater Jan Mauer finden das okay, aber steigerbar. Ihre Kiste hat einen edlen Holz-Look, obwohl es nichts gekostet hat. „Wir haben benutzt, was ums Haus herum lagt“, sagt Maurer. Ein alter Schuh dient als Bremse.

Einen Oldtimer fahren abwechselnd die Schwestern Deborah (19), Sarah(16) und Hanna Kölz (14) aus Nufringen: eine Kiste im Stil eines Cabrios, wie sie Hollywood-Stars der 60er-Jahre fuhren. „Das Auto stand lang im Schuppen. Wir wollten wieder damit fahren“, erklärt Deborah. Deswegen heißt das Auto „Phönix“, wie der Phönix aus der Asche eben. „Das fährt sich lässig wie ein Auto, nur eben ohne Gas“, sagt Hanna. Pönix wird am Ende übrigens zur drittschönsten Kiste gekürt.

Den Rennausgang bestimmten andere. „Gift“ (Kayh) war Top- Bausatz vor „Lighting McQueen“ (Reusten) und „Blue Shark“ (Kayh). Mit Bausatzrädern dominierte „P 07“ (Kayh) vor „Blue Flame“ und „White Flash“ (beide Nufringen). Bei den Luftbereiften siegte „RaceTec“ (Schwalldorf) vor „KVS 2“ (Holzgerlingen) und „Woody„ (Rottenburg). Die freie Kategorie beherrschte „Die besten Fans der Welt“ aus Öschelbronn vor „Fahrschul-Racing-Team“ (Rottenburg) und „Oldtimer“ (Kayh).

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24.07.2012, 12:00 Uhr

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