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Sein Bruder

Einer der ehrlichsten Filme über den Kampf mit Krankheit und Tod.

Einer der ehrlichsten Filme über den Kampf mit Krankheit und Tod.

SON FRERE
Frankreich

Regie: Patrice Chéreau
Mit: Bruno Todeschini,Eric Caravaca,Nathalie Boutefeu

- ab 0 Jahren

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24.11.2015
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Patrice Chéreaus „Son frère“ ist weniger ein Film über das Sterben, als, wie der Regisseur selbst sagt, einer über die „Degradierung eines Körpers“. Thomas (Bruno Todeschini), der an einer unheilbaren Blutkrankheit leidet, sucht nach einem Rückfall den Kontakt zu seinem Bruder, der sich ihm schon lange entfremdet hat. Nicht ohne Skrupel lässt sich Luc (Eric Carvaca) hinreißen, dem Bruder in seinem Kampf mit dem Tod beizustehen: durch Fürsorge am Krankenbett und einen letzten gemeinsamen Sommer im Haus ihrer Kindheit.

Chéreau hat diese Geschichte nach einem Roman von Philippe Besson ohne jedes sentimentale Beiwerk gefilmt. Hier wird nicht das Sterben mythisch überhöht oder mit Sinn gefüllt, sondern ein körperlicher Verfall und die Hilflosigkeit beim Krepieren in ihrer ganz gewöhnlichen Grausamkeit gezeigt. Schonunglos gegenüber dem Zuschauer fährt die Hand-Kamera über geschundene Haut, blaue Flecken, Narben, Geschwülste, Schläuche und Infusionsapparaturen. Einmal sehen wir minutenlang die entwürdigende Prozedur einer Ganzkörperrasur vor einer Operation.

Emotionales Gegengewicht zu dieser fast klinischen Schilderung des Siechtums ist die komplizierte Annäherung der Brüder. Bei Thomas, der von den Ärzten in einem Wechselbad aus Angst und Hoffnung gehalten wird, ist der Hilferuf zunächst nur ein Akt der Verzweiflung. Luc wiederum lässt sich anfangs eher widerwillig von einem diffusen Pflichtgefühl leiten. Nur ganz langsam, mehr von kleinen Gesten als von großen Worten angestoßen, finden die beiden Brüder auch in ihren Gefühlen wieder zueinander.

Doch selbst in diesen Szenen von großer Zärtlichkeit scheut Chéreau, der Regisseur von „Intimacy“, jede Melodramatik. Musik kommt im ganzen Film überhaupt nur zwei Mal vor. Dann aber, wenn Marianne Faithfull mit brüchiger Stimme den Song „Sleep“ intoniert, wird es wirklich erschütternd.

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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