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Trauer

Sein letzter Applaus

Abschied von einer Zirkus-Legende: Der russische Clown Oleg Popow ist mit 86 Jahren an Herzversagen gestorben.

04.11.2016
  • KNA/DPA

Rostow am Don. Während in den Tagen vor Halloween „Horrorclowns“ vielerorts für Angst und Schrecken sorgten, ist es in den vergangenen Jahren um die freundlichen Vertreter der Zunft still geworden. „Die Könige der Clowns“, etwa der Schweizer Grock oder der Spanier Charlie Rivel, sind lange tot. Nun ist ihnen auch Oleg Popow gefolgt. Die letzte große Ikone der Zunft starb am Mittwochabend während einer Tournee in Rostow am Don an Herzversagen. Er schlief vor dem Fernseher friedlich ein. Popow wurde 86 Jahre alt.

Geboren in Moskau als Sohn eines Arztes, erhielt der junge Oleg sein erstes Engagement mit Mitte 20 beim Moskauer Staatszirkus. Schnell feierten Zuschauer und Presse den Pantomimen, Seiltänzer und Jongleur. Kurz nach seinen ersten Auftritten, Anfang 1959, widmete ihm der „Spiegel“ eine Titelgeschichte.

Schon damals galt Popow als „der Welt bester Clown“, der sich kaum in die hergebrachten Gruppen von Spaßmachern eingruppieren ließ. Traditionell gibt es den Teppichclown, der viel stolpert und nicht spricht, den Reprisenclown, der die Pausen zwischen den Nummern füllt, und den Entreeclown, der einen eigenen Auftritt gestaltet.

Popow, schrieb der „Spiegel“, trete zwar als Reprisenclown auf, biete jedoch „neue Verwandlungen des ewigen Spaßmachers“. 1969 wurde er als „Volkskünstler der Sowjetunion“ ausgezeichnet, 1982 erhielt er den „Goldenen Clown“ beim Zirkusfestival von Monte Carlo, so etwas wie den Oscar der Zirkuswelt. Er trat stets im selben Kostüm auf: karierte Mütze, schwarzes Samtjackett, schwarz-rot gestreifte Hose, rote Schuhe, wenig Schminke. Diese Figur des Iwanuschka entspricht etwa dem deutschen Hans im Glück. In seiner Heimat war Popow ein Star; zum 80. Geburtstag gratulierte ihm Präsident Wladimir Putin.

Nach dem Fall der Sowjetunion war Popow nach Deutschland gezogen, er lebte mit seiner zweiten Frau Gabriela, einer 32 Jahre jüngeren Deutschen, im fränkischen Egloffstein. Mit der deutschen Sprache tat er sich nach eigenem Bekunden schwer, liebte aber die traditionelle Küche wie Eisbein mit Sauerkraut.

Bei seiner Arbeit spielte Sprache keine Rolle – Popow setzte auf Gesten. „Es kommt gar nicht gut an, wenn man versucht, russische Witze einfach ins Deutsche zu übersetzen“, sagte er. Den pantomimischen Humor von Charlie Chaplin dagegen verstehe man weltweit. Ein Clown zeichne sich durch mehr aus als eine rote Nase. Um zu überzeugen, brauche er drei Dinge: „Den Geist eines Schriftstellers, das Herz eines Dichters und den Körper eines Athleten. Das Wichtigste für einen Clown aber ist es, ein sympathischer und guter Mensch zu sein.“ Diesen Dreiklang mit Leben zu füllen, machte sich Popow stets zur Aufgabe und knüpfte damit an uralte Traditionen an. Schon indianische Kulturen kannten entsprechende Figuren; Schamanen, die als Mittler zwischen dem eigenen Stamm und den Gottheiten galten – oder Schelme, die mit Provokationen für befreiendes Gelächter sorgten. Diese beiden Elemente vereinen die Clowns und Narren aller Kulturkreise in sich. Oleg Popow blieb seiner Berufung bis zuletzt treu. Noch 2011 bekräftige er in einem Interview: „Wenn ich noch mal von vorn anfangen müsste, würde ich wieder Clown werden.“

Der große Künstler wird seine letzte Ruhe in seiner Wahlheimat finden, die Witwe will ihn in Egloffstein beerdigen lassen. Aus russischen Artistenkreisen hieß es, Popow habe gewollt, dass er in seinem Clowns-Kostüm beigesetzt wird.

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04.11.2016, 06:00 Uhr

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