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Seinen Einstieg in die Journalistenlaufbahn beschreibt Felix Huby in seinem neuen Buch „Lehrjahre“
Als junger Journalist wurde Felix Huby nach Blaubeuren geschickt. Die Lesung aus seinem Buch „Lehrjahre“ ist eine amüsante Rückschau. Bild: Faden
Pointen aus der Zeit der Patriarchen

Seinen Einstieg in die Journalistenlaufbahn beschreibt Felix Huby in seinem neuen Buch „Lehrjahre“

Ein Heimspiel hatte der gebürtige Dettenhausener Felix Huby bei seiner Lesung am Freitag. Eingeladen hatte das Dettenhäuser Fleckatheater. Für die hatte Huby immerhin bereits selbst auf der Bühne gestanden. Und er hat ihnen ein Theaterstück auf den Leib geschrieben.

31.10.2016
  • Werner Bauknecht

„Heimatjahre“ heißt Hubys erstes autobiographisches Buch, dem mit „Lehrjahre“ nun der zweite Teil der Geschichte von Hubys Alter Ego, Christian Ebinger, nachfolgt. Dieser Ebinger wird nämlich Knall auf Fall, gerade 21-jährig, vom unvollendeten Volontariat zum Redakteur der Schwäbischen Donau-Zeitung in Blaubeuren abkommandiert. Tiefste Provinz, und deshalb, mutmaßt Ebinger, wollte da keiner hin. Er schon, und so kommt er im Frühjahr 1962 in den Flecken mit dem Blautopf.

Sein Mit-Redakteur dort, Christian Sommer, ein alter Hase kurz vor der Rente, klärt ihn gleich mal auf, wie der Hase läuft. Köstlich, diese Rückschau in die Medienzeit der Adler-Schreibmaschine, der Akten und der Lexika in den Regalen. Redaktion und Geschäftsstellenleitung sind in einer Hand. Wenn er mal auf Recherche gehe, so Sommer, vertrete ihn seine Frau. Er hänge dann ein Schild vor die Tür: „Bin bald zurück.“ Aber so eine Recherche könne doch Stunden dauern. „Ich bin schnell“, sagt da Sommer. Und was das alles mit Journalismus zu tun habe? „Nichts.“

Huby ist ein gelöster Vorleser. Es macht ihm ganz offensichtlich Spaß, seine Geschichten unter die Leute zu bringen. Knitz lächelt er selbst immer wieder, wenn er eine seiner Pointen vom Stapel lässt. „Und des isch älles authentisch“, sagt er lächelnd über manche Szene. Skurril auch die erste Begegnung des neuen Schreiberlings mit dem Bürgermeister. Der ist ein Patriarch, der seinen Flecken in der Hand hat. Ratssitzung war, nichtöffentliche. Ein schönes Bild von Huby: Ebinger kommt rein, der Bürgermeister steht mit dem Rücken zu ihm, die Hände verschränkt, und beginnt dem Journalisten den Text zu diktieren. Aber der will das nicht, und der Bürgermeister ist eingeschnappt. „Das lief hier immer so“, macht er dem Nachwuchs klar. Und gibt dann schmollend nichts mehr preis.

Nach der Lesepause mit Fingerfood und Getränken folgt im zweiten Teil eine Szene, die aus einem Lehrbuch für Drehbuchautoren stammen könnte. Ebinger hat mit den Kollegen und Bekannten die Nacht durchgesoffen. Ganz früh am Morgen steht ein Mann vor der Tür und vor dem verratzten Journalisten und fragt aufgeregt nach der Todesanzeige, die er wegen seines Vaters aufgegeben hat. Die kam nämlich nicht. Warum das, fragt er. Da fällt es Ebinger siedenheiß ein: Er hat es bei der ganzen Trinkerei einfach vergessen. „Kann man die Beerdigung nicht verschieben?“, fragt er den Sohn. Der ist natürlich außer sich. Vor allem weil der Verstorbene einer der Honoratioren war. Staatssekretäre werden erwartet, hohe Würdenträger und Politiker – und jetzt das. Das kann man auch pragmatisch sehen. So wie der Bürgermeister, bei dem der Sohn sich beschwert. „Wenn nicht alle kommen, wird es billiger.“ Köstlich auch die Wendung, wie es Ebinger doch noch gelingt, das Ruder herumzureißen und sein Versagen zu einem unerwarteten Erfolg zu machen. „Alles authentisch“, sagt da Huby bloß.

Die Geschichten, die der Autor liest, fesseln. Man will wissen, wie es weitergeht. Dabei fasziniert tatsächlich das Erzählte, großes Brimborium darum zu machen, ist Hubys Sache nicht. Aber es wird deutlich, dass er vom Film, vom Fernsehen, vom Drehbuch kommt. Seine Literatur spricht in Bildern. Und der Mann, der da vorne auf der Bühne im Sessel sitzt, lächelt bloß hintergründig, wenn die Zuschauer sich vor Lachen auf die Schenkel klopfen.

Erst Journalist, dann Tatort-Autor

Felix Huby ist unter dem Namen Eberhard Hungerbühler im Dezember 1938 in Dettenhausen geboren. Nach erfolgreicher Journalistenlaufbahn, unter anderem bei der heutigen „Südwest Presse“ und beim „Spiegel“, startete er ab 1981 eine außerordentlich erfolgreiche Karriere als Drehbuchautor für das Fernsehen. Er schrieb das erste Drehbuch für die Tatort-Figur Schimanski, erfand den Kommissar Bienzle und kreierte Serien wie „Oh Gott, Herr Pfarrer“ oder „Zwei Bayern auf Rügen.“ Seinem Geburtsort

Dettenhausen blieb er immer verbunden trotz seines Wohnorts Berlin. Im Jahr 2000 schrieb er fürs Fleckatheater das Stück „Ein Auftrag für den König“ und war dadurch mitverantwortlich für die Gründung des Vereins. Im Jahr 2015 spielte das Theater das Stück an sechs Abenden vor ausverkauftem Haus – inklusive Huby als Schauspieler auf der Bühne.

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31.10.2016, 01:00 Uhr

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