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Gut besuchte Anlaufstelle

Seit 20 Jahren Hilfe und Beratung für Asylbewerber im Asyl-Café

In den Räumen in der Reutlinger Metzgerstraße fällt sofort die herzliche Stimmung auf: Es wird viel gelacht, Gruppen junger Männer sind bei einem Kaffee oder Tee in Unterhaltungen vertieft, andere besprechen sich mit einem der ehrenamtlichen Mitarbeiter.

30.06.2012
  • Markus Winkle

Reutlingen. Seit 20 Jahren ist das Asyl-Café eine Anlaufstelle bei Problemen rund um Asylverfahren, bei Schwierigkeiten im Alltag, oder wenn es darum geht, Deutsch zu lernen. Bis zu zehn Ehrenamtliche engagieren sich regelmäßig.

„Das Asyl-Café bietet vielfältige Beratungsmöglichkeiten. In enger Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten kann über die Folgen von Ablehnungs- und auch Anerkennungsbescheiden gesprochen werden“, sagt Günter Jung, einer der Initiatoren der Anlaufstelle. „Wir geben hier aber auch Hilfestellung bei allgemeinen Fragen wie der Familiennachführung oder auch in der Verständigung mit den Behörden.“

In vielen Fällen müssen neben den bürokratischen Hürden auch Traumata überwunden werden. Verantwortlich für die Seelsorge ist Pfarrerin Susanne Haag. In vertraulichen Gesprächen wird das Erlebte aufgearbeitet. „Viele Gespräche drehen sich um die zurückgelassenen Familien. Wir besprechen hier aber auch Zukunftsfragen und Fragen rund ums Asylverfahren“, beschreibt Haag die Gesprächsthemen. Dabei sollen nicht nur ernste Themen diskutiert, sondern es soll auch miteinander gelacht werden. „Man merkt, dass ein sehr tiefes Vertrauen herrscht“, freut sich Haag.

Ebenso vielfältig wie das Angebot des Asyl-Cafés sind die Gründe, die Einrichtung aufzusuchen. Reshat (die Asylbewerber wollten nicht mit ihren Nachnamen genannt werden) schätzt zum Beispiel die rechtliche Beratung. „Beim ersten Besuch war das ein merkwürdiges Gefühl“, gesteht der 29-Jährige, „aber dann wurde ich sehr positiv überrascht. Ich bin hier herzlich willkommen geheißen worden.“

Für Ishaq etwa ist auch der angebotene Deutschkurs äußerst wichtig. „Außerdem ist das Café eine willkommene Abwechslung zum oftmals tristen Alltag in der Betzinger Unterbringung.“ Mahad lobt besonders die Hilfestellung im Umgang mit den Ämtern und bei monetären Fragen. Seiner Ansicht nach entstehen Probleme für Asylbewerber oftmals aus Verständigungsschwierigkeiten heraus. „Das kann schnell zu Ärger führen“, erzählt er aus eigener Erfahrung.

Ein zentrales Gesprächsthema des Asyl-Cafés ist die Unterbringung in Betzingen. Jung beschreibt das Verhältnis zur Leitung als relativ gut. „Sonst würden wir unser Jubiläum auch nicht dort feiern“, unterstreicht er seine Einschätzung. Allerdings merkt man auch, dass die Einrichtung langsam in die Jahre kommt. Haag erklärt, warum die Unterbringung zu Konflikten führen kann: „In einem Zimmer leben vier bis sechs Personen. Insgesamt haben wir hier 230 Menschen aus 20 Nationen. Die Menschen befinden sich aufgrund ihrer Schicksale an ihrer psychischen Grenze.“ Etwas Entlastung soll künftig die neue Unterbringung in Münsingen bringen, die Platz für 25 Flüchtlinge bietet.

Seit 20 Jahren Hilfe und Beratung für Asylbewerber im Asyl-Café
Johanna Schank, Praktikantin des Asyl-Pfarramts, im Gespräch mit Besuchern des Reutlinger Asyl-Cafés. Im Hintergrund Günter Jung, einer der Initiatoren der Einrichtung, in ein Beratungsgespräch vertieft.

Am heutigen Samstag feiert das Reutlinger Asyl-Café sein 20-jähriges Bestehen – aber nicht in seinen Räumen in der Metzgerstraße, sondern in der Betzinger Unterbringung Carl-Zeiss-Straße 17. Dort sind ab 15 Uhr „Spaß und Solidarität“ angesagt. Mit Unterstützung der Asylbewerber gibt es Kaffee, Kuchen und Grillspezialitäten. Umrahmt von einem musikalischen Unterhaltungsprogramm und einem Kinderprogramm wird ein Rückblick auf die 20 Jahre der Einrichtung geboten. Die ehrenamtlichen Helfer wollen mit Besuchern und Flüchtlingen den Geburtstag des Reutlinger Asyl-Cafés feiern.

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30.06.2012, 12:00 Uhr

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