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Seit 25 Jahren wird das Stadtarchiv hauptamtlich betreut
Peter Ehrmann
Heute ein Haus der Geschichte

Seit 25 Jahren wird das Stadtarchiv hauptamtlich betreut

25 Jahre ist es jetzt her, dass die bis dahin schon Jahrhunderte lange Geschichte des Stadtarchivs Rottenburg quasi zum zweiten Mal begann: Erst seither nämlich werden die Bestände hauptamtlich betreut.

28.12.2011
  • willibald ruscheinski

Rottenburg. „Mit Sicherheit gab es schon früher Vorschriften, wie die wichtigsten Urkunden bei Feuerkatastrophen zu retten waren“, sagt Kulturamtsleiter Karlheinz Geppert: „Man hat sie in Behältnisse gelegt und im Brandfall über die Stadtmauer geworfen.“ Nur so lasse sich erklären, dass trotz zweier verheerender Stadtbrände 1644 und 1735 überhaupt noch Archivgut aus vorherigen Zeiten erhalten ist – insgesamt allein rund 1000 Urkunden auf Pergament.

Allerdings bleibt die Überlieferung bis dahin spärlich, während sie fürs Rottenburger Spitalarchiv schon vom 16. Jahrhundert an in ganzer Breite einsetzt. „Mein Lieblingstraum“, sagt der heutige Archivar Peter Ehrmann, „ist es deshalb, mal vier Wochen im Tiroler Landesarchiv in Innsbruck zu verbringen, wo früher die übergeordnete Dienststelle für Vorderösterreich war. Und in dieser Zeit ganz viele Archivalien fotokopieren zu können.“

Im 20. Jahrhundert litt das Rottenburger Stadtarchiv eher unter seiner häufigen Umquartierung: Das „Metzgerstüble“ im Rathaus (heute Bürgerbüro), die ehemalige Arrestzelle im Zwischengeschoss dort, der Kreuzlinger Hof (heute Polizeiwache) – alles Orte, an denen das papierene Gedächtnis der Stadt schon einmal Station machte. Dabei ging auch immer wieder der Überblick verloren.

Studienrat Franz Haug etwa, ehrenamtlicher Betreuer in den 1930er Jahren, hatte bereits ein Verzeichnis der Bestände aufzubauen begonnen. Weil er die Archivalien selbst aber nicht signierte, war seine Arbeit beim nächsten Umzug kriegshalber wieder wertlos.

Im Krieg Vergessenes wiederentdeckt

Als Kultur- und Erziehungswissenschaftler Karlheinz Geppert 1984 seine Tätigkeit als Stadtarchivar aufnahm – zunächst noch per Werkvertrag, zwei Jahre später als Teilzeit-Hauptamtler –, bestand seine Hauptaufgabe darin, die auf verschiedenste Plätze verteilte Archiv-Habe zusammenzubringen. „Erst ab da haben wir die Chance gehabt festzustellen, was alles rausgeworfen worden war“, sagt er im Rückblick. „Aber es gab auch positive Überraschungen. Wir entdeckten Kisten wieder, in denen Archivgut während der Zeit des Zweiten Weltkriegs verwahrt worden war.“ Zum Beispiel ein komplettes Fotoalbum des Sülchgauer Altertumsvereins aus dem Jahr 1906, das inzwischen als Bildband erschienen ist.

Seither hat Geppert in der Alten Welt, bei deren Renovierung in den 1970ern gleich Platz für ein zeitgemäßes Großmagazin mit eingeplant worden war, ein vierköpfiges Team aufgebaut. Als heutige Abteilung IV des Kulturamts kümmert es sich ums Sumelocenna-Museum, die Synagoge Baisingen und den Sülchgauer Altertumsverein, dabei auch immer wieder eigene Ausstellungen produzierend. Mitbetreut und sukzessive weiter geordnet werden von der Alten Welt aus die 17 Ortsarchive der Stadtteile, die aber auf den Rathäusern geblieben sind. Immer zu anstehenden Dorfjubiläen hat das Stadtarchiv inzwischen zehn Stadtteil-Geschichtsbücher produziert.

Fürs Publikum, sagt Ehrmann, „sind wir in Rottenburg das Haus der Geschichte“. Dessen größte Kundschaft, erzählt er, machen mittlerweile private Ahnenforscher aus. Aber auch immer mehr Menschen, die die Vergangenheit eines Hauses recherchieren wollen, oder Schüler, die Hausarbeiten anfertigen, nutzen das Angebot in der Alten Welt.

Weil Rottenburg keine Stadtbücherei hat, kommt der Bibliothek des Stadtarchivs mehr Bedeutung als anderswo zu. Zum einen, sagt Ehrmann, ist sie Präsenzbibliothek fürs Archiv selbst und dessen Benutzer. Zum anderen sammelt sie aber auch systematisch – Rottenburgica überhaupt, dazu Bücher aus Rottenburger Verlagen des 19. und 20. Jahrhunderts und natürlich alles rund um Josef Eberle.

Auch ausgebildet wird in der Alten Welt: Archivinspektorenanwärter von der Fachhochschule Marburg verbringen hier ihr Praxissemester, angehende Archivfachangestellte, die ihren Theorieunterricht in Calw und Karlsruhe bekommen, sind sogar ihre gesamte dreijährige Ausbildungszeit über da.

Papier bleibt das Medium Nummer eins

Werden sie es eines Tages statt Tonnen Papiers, die inzwischen auch schon wieder zwei ausgelagerte Außenmagazine nötig machen, irgendwann nur noch mit digitalisierten Daten zu tun haben? Behördenintern nimmt der Anteil der Verwaltungsvorgänge, die gar kein Papier mehr produzieren, mit der Einführung von Datenmanagement-Systemen klar zu. Und natürlich bemühe sich das Archiv darum, seine wichtigsten Dokumente durch digitale Back-Ups und per Mikroverfilmung laufend zu sichern, sagt Peter Ehrmann, seit 1992 im Stadtarchiv tätig.

Generell aber setzt der Stadtarchivar derzeit weiter auf Papier. Ganz einfach, weil dieser herkömmliche Datenträger länger hält als Floppy Discs, CDs und Festplatten zusammen. Und, weil er zum Lesen keine technischen Hilfsmittel braucht. „Andere“, so Ehrmann. „kopieren ihre kompletten Bestände alle paar Jahre auf das jeweils neueste Speichermedium um. Aber das kann es nicht sein.“

Bilder: Sommer, Privat

Seit 25 Jahren wird das Stadtarchiv hauptamtlich betreut
Auch das gehört zur Arbeit des Stadtarchivs: Herauszubekommen, was historische Fotos wie das obige (es stammt aus einem privaten Nachlass) eigentlich zeigen. In diesem Fall ist nur klar: Zu sehen ist ein Motivwagen bei der Fasnet, wohl in den 1950er Jahren, vorm Rathaus. Wer mehr weiß, kann sich gern melden. Bild: Stadtarchiv

Seit 25 Jahren wird das Stadtarchiv hauptamtlich betreut
Karlheinz Geppert

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28.12.2011, 12:00 Uhr

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