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Der erste seiner Art

Seit 50 Jahren: Tübinger Studiengang Biochemie

Zwei Nobelpreisträger hat der Tübinger Studiengang Biochemie bereits hervorgebracht, dabei gibt es ihn erst seit 50 Jahren. Lange Zeit konnte man das moderne Fach überhaupt nur hier studieren.

12.10.2012
  • Ulrike Pfeil

Tübingen. Die Tübinger Biochemie hat eine Tradition, die weit hinter den Anfang des Studiengangs zurückreicht: Georg Carl Ludwig Sigwart und Julius Eugen Schlossberger bereiteten dem Fach den Weg, das Felix Hoppe-Seyler als „Physiologische Chemie“ in Tübingen begründete. Nach ihm ist die Straße benannt, an der sich seit 1964 das Institutsgebäude befindet, auf dem Schnarrenberg, etwas abseits vom naturwissenschaftlichen Campus auf der Morgenstelle.

Auch Friedrich Miescher wäre unter den Vätern zu nennen, der in der Tübinger Schlossküche die Nukleinsäure entdeckte, und der Nobelpreisträger Adolf Butenandt, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Tübingen wirkte. 1962, im selben Jahr, als der Nobelpreis für die Aufklärung der DNA-Struktur an Watson, Crick und Wilkins vergeben wurde, gründete Günther Weitzel in Tübingen den deutschlandweit, möglicherweise sogar weltweit ersten eigenständigen Studiengang für Biochemie.

Er war bis in die 1970er Jahre ein Alleinstellungsmerkmal der Universität und zog hoch motivierte Studierende von weither an. Die Tübinger Ausbildung genoss einen ausgezeichneten Ruf, der noch dadurch gefestigt wurde, dass zwei Nobelpreisträger in Tübingen studiert hatten: Hartmut Michel (Nobelpreis 1988) und Christiane Nüsslein-Volhard (1995), heute Direktorin am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie.

Warten auf den Neubau des Instituts

Inzwischen haben 1724 Absolventen das Institut mit dem Diplom verlassen; es gibt auch bereits die ersten 35 Abschlüsse im Bachelor-Studiengang, der 2009 eingeführt wurde. Zum beginnenden Wintersemester 2012 wurde die Zahl der Bachelor-Studienplätze erheblich ausgeweitet: von bisher 60 auf 90.

Auf Bundesebene steht derzeit die Entscheidung über einen Institutsneubau mit Exzellenzmitteln an, der an das neue Zentrum für die Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP) angedockt werden soll. Das ebenfalls bald 50 Jahre alte Institutsgebäude des Münchner Architekten Peter von Seidlein steht als regionales Beispiel der Architekturmoderne in der Tradition Mies van der Rohes zwar unter Denkmalschutz, es hatte jedoch von Anfang an als Laborgebäude funktionale Mängel. (Der Atriumbau war ursprünglich ein Wettbewerbsbeitrag für den Neubau des Landtags.) Es ist damit zu rechnen, dass es nach dem Umzug der Biochemiker (voraussichtlich 2017/18) abgerissen wird.

Die Tübinger Biochemiker begehen das Jubiläum mit
einem Dinner-Empfang am heutigen Freitag, 12. Oktober, im „Museum“, und mit einem wissenschaftlichen Symposium im Interfakultären Institut für Biochemie am morgigen Samstag, 13. Oktober.
Feier und Symposium werden gleichzeitig zu einem Wiedersehen ehemaliger Tübinger Biochemie-Absolventen. Den Festvortrag über „50 Jahre Biochemie in Tübingen“ hält Leopold Flohé, einer er ersten Diplomanden des Studiengangs.
In den Vorträgen am Samstag geht es unter anderem um die Übertragung von Influenza-Viren vom Tier auf den Menschen, um innovative Tumortherapien, um „Pflanzen im Stress“, Hefe als Modell-Organismus und um den programmierten Zelltod Apoptose.

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12.10.2012, 12:00 Uhr

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