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Kauf Dir Liebe – mitten in Horb

Seit Monaten wird in der Neckarstraße ein Prostitutionsgewerbe betrieben

Bordelle sind laut Prostitutionsverordnung nur in Städten mit mehr als 35 000 Einwohnern erlaubt. Doch die Neckarstraße entwickelte sich in den vergangenen Monaten zu einem Mini-Rotlicht-Bezirk. Ein Haus spielt dabei die zentrale Rolle. Verschiedene Frauen verkaufen hier seit Monaten ihre Körper.

18.07.2015
  • Benjamin Breitmaier

Horb.Es ist kurz nach zehn am Abend, die Sonne hat sich verabschiedet. In der Horber Neckarstraße steht ein Wagen mit Rottweiler Kennzeichen. Zwei Männer sitzen darin – vermutlich im Alter zwischen 50 und 60. Sie steigen aus dem Fahrzeug: „Jetzt, wie sieht‘s aus?“, fragt einer der beiden. „Es sind wirklich tolle Weiber.“ Die beiden stehen vor einem etwas heruntergekommen Haus. Über die Profession der, von dem Herrn als „Weiber“ bezeichneten Frauen, beschweren sich mittlerweile eine ganze Reihe von Anwohnern der Neckarstraße. Für sie scheint sicher: Hier befindet sich ein Bordell.

Im Februar hat es angefangen: Teure Autos stehen am Straßenrand, fremde Männer gehen ein und aus. Es gibt Lärm, der manchmal bis fünf Uhr morgens reicht. „Ich wohne nicht mehr gerne hier“, erklärt eine Anwohnerin aus der weiteren Umgebung. Sie möchte anonym bleiben. In den Zimmern des obersten Stockwerks sollen verschiedene Prostituierte ihrer Arbeit nachgehen.

Seitdem gab es immer wieder Zwischenfälle: Autos mit fremden Kennzeichen stellen Einfahrten zu. Mutmaßliche Freier verwechseln Eingangstüren. Die Polizei wurde zweimal aktiv. Angeblich wurde eines der Mädchen verprügelt. Die Polizei nahm verschiedene Frauen mit, um sie zu vernehmen. Der letzte Einsatz ist gerade einmal drei Wochen her. Der erste soll im April gewesen sein.

Freier kommen aus Dornstetten, Nagold und sogar Freiburg

Sieben Monate sind bereits vergangen. Dass es in der Neckarstraße Prostitution gibt, zeichnet sich auch auf einschlägigen Seiten im Internet ab. Die Profile mehrerer Damen wurden Anfang des Jahres erstellt. Kurz darauf wurden die ersten Vorgänge in der Neckarstraße von Anwohnern bemerkt. „Am Anfang waren es zwei Frauen, sie waren bis März da“, erinnert sich ein Anwohner.

Auf ihren Profilen im Internet geben die Prostituierten eine Liste mit angebotenen Dienstleistungen an, eine Telefonnummer und ihren „Vollzugsort“: die Horber Neckarstraße. Auf den Seiten sind die Rezensionen der Freier zu lesen. Was auffällt: Alle Frauen sind ungarischer Abstammung. Die Freier kommen derweil aus der näheren Umgebung: aus Dornstetten, Nagold, Haigerloch. Aber auch Herren aus Baden-Baden oder Freiburg mit Namen wie „Fickegern74“ hinterließen Kommentare auf den Profilseiten der Frauen. Die Angebote der Prostituierten reichen vom „15-Minuten-Quikie“ für 50 Euro bis zu 500 Euro für eine ganze Nacht. Die Profile sind bereits wieder inaktiv. Die Damen sind weitergezogen. „Nach einiger Zeit kamen andere Frauen“, sagen auch die Anwohner: „Es gab einen ständigen Wechsel.“

Laut Erfahrungsbericht kommen die mutmaßlichen Freier meistens mit Telefon am Ohr zum Haus. Anwohner berichten, dass sie direkt hergelotst werden. Zu Hochzeiten sollen die Freier fast im Stundentakt zum Haus gekommen sein. Besonders die Anfangsphase im Februar „war extrem“. „Bereits um 11 Uhr ging es los“, heißt es.

Nach dem ersten Polizeieinsatz im April wurde es ruhiger. Doch die Ruhe hielt nicht lange. Nach einigen Wochen kamen die Männer wieder. „Wir würden es begrüßen, wenn das endlich aufhört“ – so fasst ein Bewohner der Neckarstraße die Meinung der Anwohner zusammen. Denn: Die Straße ist gleichzeitig Schulweg. Jeden Tag passieren dutzende Schüler aus dem Martin-Gerbert-Gymnasium das Haus. „Wir haben Angst, dass es auch innerhalb des Milieus zu Auseinandersetzungen kommen könnte“, sagt eine besorgte Mutter.

Die Prostitutionsverordnung des Landes Baden-Württemberg aus dem Jahr 1976 verbietet den Betrieb einer bordellartigen Einrichtung in Gemeinden mit weniger als 35 000 Einwohnern. „Zum Schutze der Jugend und des öffentlichen Anstandes“, heißt es hier zur Begründung. Das Prostitutionsgesetz aus dem Jahr 2001 hat an diesem Sachverhalt nichts geändert, wie das Verwaltungsgericht in Stuttgart in einem Urteil aus dem Jahr 2009 bestätigte.

Prostitution ist keine Seltenheit bei einer Stadt in der Größe Horbs

Der Stadt Horb ist der Sachverhalt bekannt. Doch der Verwaltung wären weitgehend die Hände gebunden. Bürgermeister Jan Zeitler bestätigt aber: „Wir sind ordnungsrechtlich tätig.“ Für strafrechtliche Ermittlungen sei aber die Kriminalpolizei zuständig. Aus Polizeikreisen ist weiterhin zu hören, dass die Steuerbehörde eingeschaltet wurde. Für eine Stadt in der Größenordnung Horbs sei es keine Seltenheit, dass Prostitution auftritt: „Wir haben regelmäßig Situationen, dass jemand versucht, ein Bordell einzurichten.“ Offiziell ist das Gebäude nur an Privatpersonen vermietet. Auch Jan Zeitler ist keine Gewerbeanmeldung in dem Gebäude bekannt.

Einige Anwohner kritisieren dennoch das langsame Vorgehen der Kriminalpolizei: „Es sind schon Monate und es ist nichts passiert.“ Die zuständige Polizeibehörde hält sich aufgrund der laufenden Ermittlungen bedeckt. Hier gibt es keinen Kommentar. Fest steht nur, dass noch ermittelt wird. Auffällig ist auch, dass seit einigen Tagen die dem Haus zuzuordnenden Profile der Prostituierten im Internet verschwunden sind.

Der vergangene Donnerstag: Die Luft über der Neckarstraße flimmert in der Hitze. Alles ist ruhig, nur einige Schüler gehen Richtung Martin-Gerbert-Gymnasium. Die Fenster im zweiten Stock des Hauses sind geöffnet. Frage ist, wann der nächste Herr mit Telefon am Ohr zur Eingangstür geht.

Seit Monaten wird in der Neckarstraße ein Prostitutionsgewerbe betrieben
Problematisch: Die Neckarstraße, in der sich das mutmaßliche Gewerbe befindet, ist gleichzeitig Schulweg.Bild: bbm

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18.07.2015, 12:00 Uhr

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