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Schwerpunkt Ahldorf

Seit drei Jahren gibt es vermehrt Fälle von Anschlägen auf Autos durch gelöste Radmuttern in Horb

In den vergangenen Tagen gab’s bei der Horber Polizei wieder vermehrt Anzeigen wegen gelöster Radmuttern an Autos. Hier die zehn wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

22.08.2014

Müssen Autofahrer in Horb und Umgebung künftig vor jeder Fahrt kontrollieren, ob ihre Radmuttern locker sind?

Insbesondere in betroffenen Wohngegenden, etwa in Ahldorf, rät die Polizei durchaus dazu. Vor allem bei Autos, die im Freien stehen und nicht in einer Garage. Außerdem, wenn das Auto längere Zeit gestanden ist. Pressesprecher Michael Aschenbrenner von der für Horb zuständigen Polizeidirektion in Tuttlingen empfiehlt, vor der Fahrt an den Rädern zu rütteln.

Wo gab es in der Vergangenheit Fälle in der Horber Gegend?

In diesem Jahr waren es bislang fünf Fälle an Pkw, davon vier in Ahldorf und einer in Talheim. Zudem wurden in Haiterbach im Landkreis Calw die Radmuttern an einem Traktor gelockert. Vergangenes Jahr waren es in Horb elf Fälle davon fünf in Nordstetten und drei in Ahldorf. Zudem gab es eine Anzeige in Empfingen und zwei in Eutingen. In Eutingen galten die Anschläge mehreren Lastwagen einer Spedition, die auf dem Firmenplatz abgestellt waren. In Eutingen gab es im Juli 2013 auch einen Verkehrsunfall ohne Verletzte, der wohl auf gelöste Radmuttern zurückzuführen ist. Der Täter oder die Täter blieben unentdeckt. 2012 wurden im Stadtgebiet Horb insgesamt neun Fälle von gelösten Radmuttern an Pkw registriert, davon sechs im Stadtteil Ahldorf.

Wie groß ist die Gefahr, Opfer eines solchen Anschlags zu werden?

In Relation zu den zugelassenen Autos im Raum Horb ist die Zahl der manipulierten Autos verschwindend gering. „Aber das sowas eine gewisse Beunruhigung der Bevölkerung nach sich zieht ist ja klar“, sagt Polizeisprecher Aschenbrenner. „Aber die Gefahr ist trotz allem relativ klein.“

Wie viele besorgte Bürger haben sich schon bei der Polizei gemeldet?

Es melden sich immer wieder Betroffene bei der Polizei, was durchaus hilfreich ist für die Beamten, die so mehr Anhaltspunkte sammeln und sich eher ein Bild des oder der Täter machen können.

Kommen solche Anschläge auch anderswo vor oder ist das ein spezielles Horber Phänomen?

Absichtlich gelöste Radmuttern an Autos gibt es unabhängig von der Gegend immer wieder. In den zurückliegenden zwölf Monaten hat die Polizei landesweit 112 Fälle aufgenommen, davon 22 im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Tuttlingen. Mit acht Fällen bildet der Raum Horb dabei einen Schwerpunkt. Wenn die Polizei die Täter nicht schnappt, ist es häufig der Fall, dass die Fälle mit der Zeit nachlassen, weil auch der Kick nachlässt.

Gibt es eine Systematik beim Vorgehen des Täters?

Eine besondere Zielgruppe innerhalb der Geschädigten hat die Polizei bislang nicht festgestellt. Es gibt auch keine Erkenntnisse über konkrete Tatzusammenhänge. Die Tatzeiten sind in der Regel schwer feststellbar. Meistens schlug der Täter nachts zu und zwar an unterschiedlichen Wochentagen. Die Tatorte lagen dabei in Wohngebieten. Die Autos waren von verschiedenen Marken – ausgenommen die Fälle im Jahr 2013, in denen die Anschläge Lkw galten.

Was sind mögliche Motive für diese Anschläge?

Die Spanne reicht von Tätern, die persönlich Rache nehmen wollen, über Menschen mit Profilneurosen bis hin zu Tätern, denen es einen Kick bringt, wenn sie Herr über Leben und Tod spielen können. Außerdem gibt es Nachahmungstäter. Im Horber Fall will sich wohl jemand wichtig machen, sagt Polizeisprecher Aschenbrenner. „Aber eine genaue Analyse ist schwierig. Wir sind ja keine Psychologen.“ Er erinnert sich auch an einen Fall im Landkreis Konstanz: „Da waren besonders Mercedes-Fahrzeuge betroffen. Vielleicht hatte da irgendeiner einen Hass auf Mercedes-Fahrer.“

Geht die Polizei von einem oder mehreren Tätern aus?

Eine Antwort darauf ist schwierig. „Das wäre Spekulation“, sagt Polizeisprecher Aschenbrenner. Die Polizei ist sich jedenfalls sicher, dass der oder die Täter im eigenen Wohnort zuschlagen.

Was unternimmt die Polizei?

Wegen der Häufung der angezeigten Delikte begibt sich die Polizei seit dem Jahr 2012 in den besonders betroffenen Stadtteilen verstärkt auf Streife – und zwar erkennbar mit Funkstreifenwagen und auch in zivil. Zeitweise sogar mit Unterstützung von Beamten der Bereitschaftspolizei. Konkrete Hinweise auf die Täter brachte das allerdings bislang nicht. Bei den festgestellten Verdächtigen blieb es beim Verdacht. Die Aufklärungsquote bei solchen Vergehen ist generell sehr niedrig.

Mit welcher Strafe haben Täter zu rechnen?

Das Lösen von Radmuttern an Fahrzeugen wird von der Polizei als „Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr“ gemäß Paragraf 315 b Strafgesetzbuch angezeigt. Dem Täter drohen bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe. Außerdem sind führerscheinrechtliche Maßnahmen möglich. Sollte es zu einem Verkehrsunfall kommen oder gar Verkehrsteilnehmer verletzt werden, wird wegen eines Verbrechenstatbestandes ermittelt und der Täter muss in jedem Fall mit einer Haftstrafe rechnen. Vincent Meissner

Seit drei Jahren gibt es vermehrt Fälle von Anschlägen auf Autos durch gelöste Radmuttern in Horb
So oder so ähnlich könnte es aussehen, wenn sich Unbekannte in böswilliger Absicht über fremde Radmuttern hermachen. Bild: Kuball

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22.08.2014, 12:00 Uhr

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