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Ein Märtyrer ganz gewiss

Seligsprechung von Eugen Bolz steht auf der Agenda des Bischofs

Kommenden Sonntag jährt sich der Todestag von NS-Gegner Eugen Bolz zum 66. Mal. BfH/Linke-Stadtrat Albert Bodenmiller hat aus diesem Anlass OB und Gemeinderat dazu aufgefordert, mit einer Resolution für die Seligsprechung „des größten Sohnes der Stadt“ einzutreten.

20.01.2011
  • willibald ruscheinski

Rottenburg. „Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger können nicht verstehen, dass der makellose Katholik und Märtyrer Eugen Bolz noch nicht seliggesprochen ist“, sagte Bodenmiller in der Sitzung vom Dienstag. Nicht nur Katholiken, „sondern auch evangelische Mitchristen und konfessionslose Mitbürger“, schlicht jeder, der „den Nationalsozialismus ablehnt und sein Gedankengut bekämpft“, wünsche, dass Rom Bolz „zu einem leuchtenden Glaubenszeugen erhebt.“

Dagegen sei etwa Josemaría Escrivà, der Gründer des antidemokratischen Geheimbundes Opus Dei, bereits 2002 heiliggesprochen worden, kritisierte der BfH-Stadtrat. Offenbar habe Rom dem Zentrumspolitiker und württembergischen Staatspräsidenten Bolz „nicht verziehen“, dass dieser das Reichskonkordat ablehnte, das der Vatikan im Juli 1933 mit NS-Deutschland schloss. „Gerade der Papst aus Deutschland“, so Bodenmiller, müsse jetzt „dieses Hindernis beseitigen“.

„Ich glaube nicht, dass da die förmliche Abstimmung in einem politischen Gremium viel bringt“, kommentierte OB Stephan Neher gestern Bodenmillers Vorstoß. In der Sache aber stehe die Stadt dahinter. „Wir können unterstützend tätig werden“, sagt der Oberbürgermeister und verweist auf die Eugen-Bolz-Stiftung, in deren Vorstand die Stadt wie auch die Diözese Rottenburg-Stuttgart vertreten sind.

Vorrang hat im Moment dort aber noch der Bekenner-Bischof Joannes Baptista Sproll, der die NS-Machthaber als erster katholischer Bischof in Deutschland öffentlich zu kritisieren wagte und 1938 gezwungen wurde, Rottenburg zu verlassen. Wie Stiftungsrats-Vorsitzender Klaus Tappeser auf Nachfrage mitteilt, wird derzeit geprüft, den Nachlass Sprolls auf Kosten der Stiftung auswerten zu lassen.„Eins nach dem andern“, so Tappeser, könne sie dann auch etwas für die Beförderung von Eugen Bolz in den Rang eines Seligen tun.

Damit hält sich die Stiftung offenbar an Prioritäten, die Bischof Gebhard Fürst gesetzt hat. Auf seinem Neujahrsempfang für die Bediensteten der Kurie erwähnte er auch die anstehenden Seligsprechungsverfahren. Vorrangig zu behandeln sei demnach die Sache des „guten Paters“ Philipp Jeningen aus Ellwangen, eines Volksmissionars der Barockzeit – ganz einfach deswegen, weil sich dieses Verfahren schon am längsten hinzieht. Ebenfalls in einer „sehr akuten Phase“ ist laut Bischofs-Sprecher Thomas Broch das in Rottenburg seit Jahren geforderte Verfahren zur Beatifikation von Sproll.

Mehr werde aber erst bekannt gegeben, wenn wichtige Personalfragen geklärt sind. So verlangt das Kirchenrecht, dass ein so genannter Aktor die Seligsprechung nicht nur beantragt, sondern das Verfahren insgesamt trägt und auch das Geld dafür besorgt. Ein von ihm beauftragter Postulator, der die nötige kirchenrechtliche und theologische Sachkenntnis mitbringt, muss die Causa dann dem zuständigen Diözesanbischof vortragen. Ihm gegenüber soll ein „Promotor justitiae“ (Kirchenanwalt) etwaige Gründe vorbringen, die einer Seligsprechung entgegenstehen.

Anhand des vorliegenden Materials muss der Bischof dann akribisch prüfen, ob der zu beurteilende „Diener Gottes“ die Voraussetzungen erfüllt. Kriterien sind unter anderem, ob er sich den „Ruf der Heiligkeit“ – siehe Johannes Paul II. – durch Wundertätigkeit erworben oder gar als Märtyrer sein Leben für den Glauben gelassen hat.

Letzteres scheint im Falle von Eugen Bolz, der als Widerständler von den Nazis gehenkt wurde, keine Frage zu sein. Auch seine Beatifikation, sagt Thomas Broch, stehe deshalb auf der Agenda des Bischofs, und zwar an Stelle drei. Keine Chance hingegen hat, was Rottenburgs Alt-OB Winfried Löffler schon seit langem anregt: Sproll und Bolz als NS-Gegner gleichen Geistes gemeinsam seligzusprechen. „Das“, sagt Broch, „lässt das Kirchenrecht nicht zu.“

Dass sich gleich eine ganze Stadt für einen der Ihren einsetzt, hält der Bischofs-Sprecher zumindest nicht für hinderlich . Immerhin gehe es im Verfahren ja auch darum, festzustellen, wie stark ein Seliger in spe vor Ort verehrt wird.

Seligsprechung von Eugen Bolz steht auf der Agenda des Bischofs
Zumindest in dem nach ihm benannten Rottenburger Gymnasium, wo seine Büste steht, kennt die Vita von Eugen Bolz jedes Kind. Im Vatikan, wo letzten Endes über eine Seligsprechung entschieden wird, sieht das aber ganz anders aus, fürchtet Alt-Oberbürgermeister Winfried Löffler.

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20.01.2011, 12:00 Uhr

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