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Toleranz für andere Herkunft

Seminar mit Sabine Schumann zur interkulturellen Sensibilisierung im Bürgersaal

Zur Frage „Was ist Kultur?“ gab es am Montagabend einen spannenden und lehrreichen Vortrag für viele interessierte Ehrenamtliche des Arbeitskreises „Flucht und Asyl“ durch Sabine Schumann. Die Sprachtrainerin referierte vor etlichen Zuhörern im Bürgersaal.

04.11.2015
  • margita manz

Sulz. Bei manchem Kontakt mit den Glatter Asylsuchenden war die Frage aufgekommen, wie viel Kultur die „typisch“ Deutschen haben und was von Menschen aus anderen Kulturkreisen erwartet wird. Höflichkeit, Freundlichkeit, Benehmen bei Tisch und in der Gesellschaft unterliegen oft der Wahrnehmung des Einzelnen. „Haben nur wir schützenswerte Kultur?“, stellte Sabine Schumann eine rhetorische Frage und gab zu bedenken, dass sich auch bei uns die Kultur ständig ändert, mit oder ohne Flüchtlinge.

Mit der Überlegung, was Kultur eigentlich ist, begann der interessante Abend. Kunst, Musik und Theater gehörte für alle zur nicht wertenden „Hochkultur“ der Menschen allgemein. Errungenschaften wie Müll und Umweltprobleme gehören ebenso zur jeweiligen Kultur. Grundwerte für das Miteinander sowie Feste und Familie zählen hierzulande ebenfalls wie die Geschichte des Landes und der Vorfahren zur Kultur, die sich in einem ständigen Wandel befindet.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass für Deutsche Kultur Normalität und Sicherheit bedeutet und sie zugleich viele Routinehandlungen vorgibt und erlaubt.

Interkulturelle Missverständnisse entstehen oft dadurch, dass Menschen eigenkulturelle Erklärungsmuster auf einen fremdkulturellen Kontext übertragen, in dem jedoch das eigene Erklärungsmuster nicht funktioniert. „Wir nehmen nur das als gut und richtig wahr, das wir kennen und das für uns einen Sinn ergibt“, verdeutlichte die Sprachtrainerin ein Grundproblem. Die Wahrnehmung ist erfahrungs- und erwartungsabhängig. Dies konnten die Teilnehmer an vielen Beispielen selbst sehen und bildlich erfahren.

Die Diskussionen waren lebhaft, und auf fast alles konnten die Männer und Frauen sich einigen. Nur ob Maultaschen in der Brühe mit Kartoffelsalat auch Kultur ist, konnte die „Nichtschwäbin“ Schumann mit einem Augenzwinkern nicht zuordnen.

„Wir haben nicht Kultur – wir sind Kultur“, lautete eine weitere These. Alle anderen Völker haben auch ihre eigene Kultur und leben diese bewusst auch in der Fremde. Wie viel Anpassungsvermögen die Einheimischen hierzulande erwarten und was die Flüchtlinge diesbezüglich erbringen können, steht oft in hartem Kontrast zur Wirklichkeit. Durch Kommunikation kann die Gemeinschaft vermittelt werden und Missverständnisse ausgeräumt oder abgeschwächt werden.

Am Beispiel der Anrede „Du“ und „Sie“ bei uns und in anderen Ländern konnte Schumann die Wertigkeit der Wahrnehmung – Freund, Kollege, Vorgesetzter – zeigen. Oft reagiert man aus einem „Bauchgefühl“ heraus, meistens sogar richtig, aber auch manchmal völlig daneben. Dies sollten allen Menschen zugestanden werden. Um Missverständnisse zu vermeiden, hilft es oft schon, sich mit den anderen Kulturen auseinanderzusetzen und sich darüber zu informieren. Glaubensrichtungen und Weltanschauungen können ein Nebeneinander vertragen, wenn der Einzelne weiß, was dem Anderen wichtig und unabdingbar ist. Interkulturelle Sensibilisierung ist auch unter den Helfern angesagt.

Info Der zweite Teil des Seminars ist am Dienstag, 17. November, um 20 Uhr im Bürgersaal. Auch zusätzliche Besucher sind willkommen. Weitere Informationen gibt es beim Arbeitskreis „Flucht und Asyl“. Bei Interesse ist Sabine Schumann auch bereit, weitere Termine anzubieten.

Seminar mit Sabine Schumann zur interkulturellen Sensibilisierung im Bürgersaal

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04.11.2015, 12:00 Uhr

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