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Oper

Sentas geliebter Kinoheld

Kay Metzger zeigt den „Fliegenden Holländer“ am Theater Ulm als ein Spiel mit Träumen und Realitäten.

23.03.2019

Von JÜRGEN KANOLD

Top: Dae-Hee Shin als Holländer. Foto: Kerstin Schomburg

Ulm. Der „Fliegende Holländer“ erzählt viele Geschichten, nicht nur ein Schauermärchen mit „Hojotohe“-Matrosenchor. Auch jene von Senta, die unter schwerem Realitätsverlust leidet. Sie glorifiziert das Bild ihres Traummannes, dem sie ewige Treue schwören will, der aber auch ihr Erlöser sein soll. Kay Metzger zeigt am Theater Ulm jetzt eine Senta, die zu viele Hollywood-Filme anschaut. Immer wieder geht sie rein in „Fluch der Meere“, und sie wird es tun bis ans Lebensende. Da kann man irre werden, Wirklichkeit und Fiktion verwechseln.

Schauplatz ist das Foyer eines alten Kinos, und plötzlich entsteigt der Held dem Plakat. Sentas Traum wird wahr, ist aber immer noch ein Traum. Es ist ein Spiel mit Realitäten. Metzger zeigt das konsequent, durchdacht, mit vielen Details als Psychogramm. Die Mädchen in der Spinnstube: ein Chor geklonter Sentas, die hektisch Strampelanzüge stricken; Senta schaut auf ihr zwanghaftes, unglückliches Ich in vielfacher Ausführung. Auch der ausgezeichnet singende Chor aus Barkeepern, die manisch Gläser putzen: Was sich alles abspielt, zeigt Sentas Verstörung.

Eigentlich will sie gar nicht ausbrechen in die exotische Ferne. Denn kaum hat der Holländer sie als seinen „Engel“ erwählt, domestiziert sie ihn, zieht ihm die Strickweste an. Was dieser gerne mit sich geschehen lässt, denn auch der Holländer hat einen Lieblingsfilm: „Der Ruf der Heimat“. Das ist intelligente Regie – leider aber unterbricht eine Pause den Handlungsfluss.

Das Kino-Setting passt trefflich zu Richard Wagner, nicht nur, weil dessen dramatisch-malerische Musik ein Urvorbild der Hollywood-Komponisten ist. In Premiere freilich spielten die Philharmoniker unter der Leitung Timo Handschuhs nicht so traumhaft. Es klapperte, es fehlte die Klangbalance, es mangelte an Wagner-Routine. Schade, denn das Sängerensemble ist top. Dae-Hee Shin ist ein großartiger Holländer, der auch an großen Häusern landen kann: Fast zu nobel ist sein Bariton fürs Outlaw-Image, eine tolle Stimme, perfekte Deklamation. Susanne Serfling glänzt mit blitzsauberer Attacke in der Holländer-Ballade.

Jürgen Kanold

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Erstellt:
23. März 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
23. März 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. März 2019, 06:00 Uhr

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