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Separatismus neu entflammt
Demo in Barcelona gegen die Verhaftung des ehemaligen katalanischen Ministerpräsidenten Carles Puigdemont. Foto: Lluis Gene/afp

Separatismus neu entflammt

27.03.2018
  • MARTIN DAHMS

Barcelona. Am Sonntag hatte Albert Rivera noch die ganz große verbale Keule hervorgeholt und sich darüber gefreut, dass „die Flucht des Putschisten Puigdemont“ ein Ende gefunden habe. Am Montagvormittag trat der Vorsitzende der liberalen Ciudadanos dann im spanischen Parlament vor die Presse – und erwähnte den katalanischen Expräsidenten mit keinem Wort. Stattdessen sprach er über die Einigung seiner Partei mit der Volkspartei von Ministerpräsident Mariano Rajoy über den Haushaltsentwurf für das laufende Jahr. Das Leben geht weiter. Spanien hat noch andere Sorgen als die katalanische Herausforderung. Kapitel abgeschlossen?

Nicht wirklich. Spanien redet seit fast einem Jahr über kaum etwas anderes als über Katalonien, was andere große Themen an den Rand gedrängt hat. In den vergangenen Wochen hatte das Interesse an dem Konflikt mit der rebellischen Region etwas nachgelassen, die Lage war verfahren, aber ruhig. Mit einem Schlag ist das vorbei. Die Festnahme von Carles Puigdemont in Schleswig-Holstein hat die separatistischen Geister geweckt. Solch lautstarken und teilweise gewalttätigen Protest wie am Sonntagabend gab es in Katalonien seit Anfang November nicht mehr. Das Katalonien-Kapitel ist noch nicht abgeschlossen.

Am Montagmorgen sagte die Fraktionschefin der Ciudadanos im katalanischen Parlament, Inés Arrimadas, in einem Interview: „Die Unabhängigkeitsparteien müssen die Realität anerkennen.“ Doch ihre guten Wünsche wurden nicht erhört. Im Gegenteil: Die Separatisten wollen ihr Ziel nun mit doppelter Energie verfolgen. Elsa Artadi, die Sprecherin des Puigdemont-Wahlbündnisses Junts per Catalunya, kündigte an: „Man muss sehen, wie wir Puigdemont zum Präsidenten machen. Nicht nur symbolisch, sondern zum wirklichen Präsidenten.“

Schwer vorstellbar, wie das gehen soll. Der Ende Oktober abgesetzte Ministerpräsident hatte seinen Anspruch auf Wiederwahl vor kurzem aufgegeben, weil er auf der Flucht keine Chance sah, wieder ins Amt zu kommen. Mit der Festnahme in Deutschland sieht es für ihn noch dunkler aus: Sollte er ausgeliefert werden, wartet Untersuchungshaft auf ihn. Mit der Anklage wegen „Rebellion“ sind ihm alle öffentlichen Ämter versperrt. Martin Dahms

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27.03.2018, 06:00 Uhr

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