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Serge Gnabry, der Volltreffer
Entschlossen ging Serge Gnabry in San Marino zur Sache. Die Initialzündung für die Karriere des ehemaligen VfB-Jugendspielers waren die Olympischen Spiele dieses Sommers in Brasilien. Foto: Ulmer
Nationalmannschaft

Serge Gnabry, der Volltreffer

Der VfB Stuttgart könnte theoretisch die halbe DFB-Auswahl aufbieten, hätten nicht sieben Nationalspieler den Verein verlassen. So wie Joachim Löws dreifacher Torschütze in San Marino.

14.11.2016
  • GEROLD KNEHR

Was haben Sami Khedira, Mario Gomez, Joshua Kimmich, Sebastian Rudy und Bernd Leno gemeinsam? Sie alle sind in Baden-Württemberg geboren – und aktuelle Fußball-Nationalspieler. Und: Alle spielten einst beim VfB Stuttgart, haben ihn irgendwann einmal aber verlassen. Entweder weil sie dem einstigen schwäbischen Fußball-Stolz einen dicken Batzen Geld einbrachten. Oder weil sie dort schlichtweg verkannt wurden.

Mit Timo Werner, im Sommer vom Cannstatter Wasen zu RB Leipzig gewechselt, steht ein weiterer ehemaliger VfB-Profi auf dem Sprung in Joachim Löws Auswahl. Ihm zuvor kam jedoch Serge Gnabry. Er feierte beim 8:0-Erfolg in San Marino sein Debüt in der DFB-Eliteauswahl. Und das auf furiose Art und Weise. Drei Tore beim Länderspiel-Debüt – das schaffte letztmals vor 40 Jahren Dieter Müller. Und auch Fritz Walter begann seine Länderspiellaufbahn mit drei Treffern. Der eine wurde 1976 Vize-Europameister, Walter 1954 gar Weltmeister. Fürwahr keine schlechte Ahnengalerie, in die sich Gnabry nun eingereiht hat.

Auch Serge Gnabry, vor 21 Jahren in Stuttgart als Sohn eines Ivorers und einer Schwäbin geboren, spielte fünf Jahre beim VfB Stuttgart – von der U-12-Jugendmannschaft bis zur U 17. Nach der Saison 2010/11 in der B-Junioren-Bundesliga, wo er an der Seite von Kimmich, Werner und Rani Khedira spielte, meldete sich der englische Spitzenklub FC Arsenal London bei Gnabry. Dieses Angebot ließ sich der damals 16-Jährige nicht entgehen. 100 000 Euro bekam der VfB als Ausbildungs-Entschädigung für sein abwanderungswilliges Talent.

Obwohl er bereits mit 17 Jahren einen Profivertrag bekam, verlief die Zeit in England für Gnabry sehr unglücklich. Hin- und hergeschoben zwischen diversen Jugendmannschaften, erster und zweite Mannschaft und zwischenzeitlich ausgeliehen an Westbromwich Albion, bekam er kaum Spielpraxis.

Die Wende erfolgte mit dem olympischen Fußball-Turnier. Dort verhinderte er zunächst in letzter Sekunde mit seinem Freistoßtor zum 3:3 gegen Südkorea in der Vorrunde das vorzeitige Aus. Fünf weitere Treffer trugen wesentlich dazu bei, dass das Team von Horst Hrubesch ins Finale kam, das im Elfmeterschießen gegen Brasilien verloren ging.

Am Freitag nun also Gnabrys heißes Debüt im eiskalten Dauerregen von Serravalle. Natürlich war der dreifache Torschütze bei seinem Debüt mehr motiviert als beispielsweise Gomez („ein widerliches Spiel“), ging weitere Wege und viel energischer zur Sache als die Etablierten. Doch Gnabry ist trotz seiner Jugend erfahren genug, das Spiel richtig einzuschätzen. „Klar kann ich zufrieden sein. Aber das war jetzt mein erstes Spiel gegen einen Gegner, der jetzt nicht gerade Italien ist. Deshalb denke ich, dass man nicht zu viel daraus machen sollte“, sagte er und trollte sich in den warmen Mannschaftsbus.

Dennoch lieferte selbst dieses Spiel Fingerzeige, dass Gnabry in die Nationalelf passt. Er ist einer der wenigen Spieler, die sich in Eins-gegen-Eins-Situationen wohlfühlt, der den vom Bundestrainer proklamierten Zug zum Tor hat. Zudem waren die Tore zwei und drei technisch durchaus anspruchsvoll erzielt. Außerdem gab er noch vier Vorlagen zu weiteren Torschüssen. „Er hat es super gemacht. Serge hat schon im Training angedeutet, dass er sehr gefährlich und im Abschluss gut ist. Die drei Tore sind gut für seine Entwicklung und sein Selbstvertrauen“, sagte Löw. Gut möglich, dass er sich auch morgen (20.45 Uhr) im Testspiel gegen Italien beweisen darf.

So oder so, Gnabry ist nach langem Anlauf in den letzten vier Monaten durchgestartet. Auch in der Bundesliga bei Werder Bremen, wohin er nach seinem starken Olympia-Turnier wechselte – möglicherweise mit Hilfe des FC Bayern München, der eine Option auf den 21-Jährigen hat. Der VfB Stuttgart trauert nicht nur Gnabry nach. Er könnte bei einer anderen Personalpolitik inklusive Timo Werner sieben (mögliche) Nationalspieler in seinen Reihen haben – und mit ihnen statt in der zweiten Liga um die Meisterschaft spielen.

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14.11.2016, 06:00 Uhr

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