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Die Kleinverleger Sundermeier und Weidle plauderten bei Gastl

Sex bei Mühsam

Der Berliner Verbrecher-Verlag ist eines der unabhängigen kleineren Häuser, die Bücher herausbringen, ohne auf den sicheren Verkaufserfolg zu schielen. Bekannt wurde der Verlag mit der aufwendigen Edition der Tagebücher von Erich Mühsam. Mittlerweile gebe es zwei Lesergruppen, sagte Verleger Jörg Sundermeier am Mittwochabend in der Tübinger Buchhandlung Gastl.

13.11.2015
  • dhe

Tübingen. Die einen kauften die Mühsam-Tagebücher aus politischem Interesse, die anderen wegen der freizügigen Notate. Der bärtige Anarchist soll auch sexuell sehr aktiv gewesen sein und allerlei Affären vermerkt haben, „mit bis zu drei Frauen pro Tag“.

Erich Mühsam wurde am 10. Juli 1934 im Konzentrationslager Oranienburg ermordet. Sein postumer Verlag wurde im vergangenen Jahr mit dem von der Bundesregierung finanzierten Kurt-Wolff-Preis ausgezeichnet, berichtete der 45-jährige Sundermeier: „Dafür, dass wir das sozialistische und anarchistische Erbe hochhalten.“ Die Mühsam-Ausgabe ist noch nicht abgeschlossen. Band 15 soll im Herbst 2018 erscheinen.

Doch der Verbrecher-Verlag bewegt sich nicht nur in der Vergangenheit. Autorin Anke Stelling war mit ihrem desillusionierenden Prenzlauer-Berg-Roman „Bodentiefe Fenster“ für den Deutschen Buchpreis nominiert. Unter anderem geht es darin um die eigenartige Beziehung zwischen Isa und Tom (und Konstellationen aus deren Umfeld), in der Tom sich einfach aus allem ausklinkt mit der Begründung, die beiden Kinder habe ja Isa gewollt. Das Ganze entlarvt die angebliche Idylle des neuen Prenzlauer Berg und seiner Baugruppen.

In der vormaligen deutschen Bundeshauptstadt ist Stefan Weidles gleichnamiger Weidle-Verlag zu finden. Den gebürtingen Gerlinger hatte es zum Studium nach Bonn verschlagen. Bei der Verlagsgründung 1994 konzentrierte er sich auf Manuskripte von Emigranten, die Nazi-Deutschland hatten verlassen müssen. Auf einen dieser Autoren sei er durch einen Hinweis des alten, schon fast blinden Hans Sahl gekommen: Hermann Borchardt. Befreundet mit Bertolt Brecht, schrieb Borchardt die Verse für „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“. 1936 wurde er im Konzentrationslager Esterwege interniert, später in Sachsenhausen und Dachau. Aufgrund von Misshandlungen verlor er sein Gehör und einen Finger, berichtete Weidle. Zum Länderschwerpunkt Indonesien der diesjährigen Frankfurter Buchmesse brachte der Verleger den Roman „Pulang – Heimkehr nach Jakarta“ von Leila S. Chudori heraus.Dorothee Hermann

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13.11.2015, 12:00 Uhr

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