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„Er war der gute Nachbar“

Sexuelle Nötigung: Zwei Jahre Haft auf Bewährung für 56-Jährigen

Weil er seine 14-jährige Nachbarstochter sexuell genötigt hat, wurde ein 56-Jähriger gestern vom Amtsgericht zu zwei Jahren Haft verurteilt. Die Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

10.06.2015
  • uk

Reutlingen. Noch bevor die Glaubwürdigkeitsgutachterin Ursula Gasch gesprochen und der Schilderung des Opfers eine hohe Wahrscheinlichkeit bescheinigte, hatte der Angeklagte am ersten Verhandlungstag alle Vorwürfe eingeräumt (wir berichteten). Dies sei eine ausgesprochen „gute Idee“ gewesen, meinte Staatsanwältin Rotraud Hölscher in ihrem Plädoyer. Für ihn selbst, vor allem aber für das Opfer, das nun nicht abermals aussagen müsse. Aufgrund der Aussagen der Familienhelferin und der Gutachterin müsse man jedoch davon ausgehen, dass es vor dem Tattag im Dezember bei den Massagen durch den Angeklagten „bereits strafrechtlich relevante Berührungen“ gab. Die habe das Mädchen ausgehalten, weil er ja „der gute Nachbar war“, dem der Vater vertraut habe.

Mit dem Übergriff am 15. Dezember sei jedoch eine Grenze überschritten worden – anschließend wandte sich die 14-Jährige hilfesuchend an ihren älteren Bruder. Weil der Angeklagte bei der Tat mit einem Finger kurz in die Scheide der 14-Jährigen eindrang, sei sie als Vergewaltigung zu ahnden, im Strafrahmen allerdings an der untersten Grenze. Zugunsten des Angeklagten wertete Hölscher sein Geständnis, dass er bislang unbescholten war und auch, dass er von sich aus von dem Mädchen abließ. Nachteilig wirke sich aus, dass es sich um einen „ganz massiven Vertrauensbruch“ gehandelt habe. Ihr Fazit: Eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Zudem schlug sie ein Schmerzensgeld in Höhe von 2000 Euro vor, das dem Mädchen zum 18. Lebensjahr ausbezahlt werden solle, sowie eine Geldbuße für einen gemeinnützige Einrichtung. Die Nebenklagevertreterin Andrea Sauter schloss sich den Ausführungen der Staatsanwältin an.

Verteidiger Steffen Kazmaier hob ebenfalls das Geständnis seines Mandanten sowie dessen positive Prognose hervor. Er bat zu prüfen, ob es sich nicht doch um einen „minder schweren Fall“ handle. Ein bis zwei Jahre, ausgesetzt zur Bewährung, hielt er für angemessen. Das Schöffengericht verurteilte den 56-Jährigen schließlich zu der von der Staatsanwaltschaft vorgeschlagenen Strafe, ging beim Tatbestand aber nicht von einer Vergewaltigung, sondern einer „sexuellen Nötigung nicht im unteren Bereich“ aus.

Strafverschärfend, so Amtsrichter Eberhard Hausch, sei hinzu gekommen, „dass sie erst knapp über vierzehn war“. Neben dem Schmerzens- und dem Bußgeld verhängte das Gericht ein „Abstandsverbot“ für den Angeklagten. Das heißt, wenn das Mädchen, das mittlerweile in einer Pflegefamilie lebt, ihren Vater besuchen möchte, muss sich der Angeklagte unverzüglich entfernen.

Info Amtsrichter: Eberhard Hausch, Schöffen: Claudia Beck, Martin Rupp, Staatsanwalt: Rotraud Hölscher, Nebenklagevertreter: Andrea Sauter, Verteidiger: Steffen Kazmaier, Gutachterin: Dr. Ursula Gasch.

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10.06.2015, 12:00 Uhr

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