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Unternehmen

Sexy, frech & fair

„Warum sich Frauen so oft in einen Arsch verlieben“: Mit provokanten Sprüchen und sich lasziv räkelnden Models sorgt Mey Bodywear auf Plakatwänden, in Kalendern und Anzeigen immer wieder für Aufmerksamkeit. Dass das Familienunternehmen mit Sitz in Albstadt-Lautlingen als eines von wenigen die Zeiten der ehemals blühenden Textilregion überlebt hat, liegt aber in erster Linie am Konzept „made in Germany“ – und zwar vom Garn bis zur fertigen Ware. „Wir haben uns als Marke etabliert“, benennt Geschäftsführer Matthias Mey den Grund für den Unternehmenserfolg.

22.05.2015
  • TEXT: Birgit Pflock-Rutten | FOTOS: Ulrich Metz

An der Bundesstraße 463 zwischen Balingen und Ebingen fällt der Firmensitz der Firma Mey Bodywear ins Auge. Ein Gebäudekomplex in markanter Architektur, mit Produktionshallen, Outletcenter, großem Parkplatz: Alles deutet auf ein hochmodernes Produktionsunternehmen hin. Das ist auch so – aber anders, als mancher vielleicht vermutet.

An großen Rundstrickmaschinen wird der Stoff gestrickt, aus dem die Wäscheträume sind. Die Wäscheteile selbst werden aber zum großen Teil von Hand gefertigt. In einem riesigen Saal sitzen um die 100 Mitarbeiterinnen vor ihren Nähmaschinen und nähen Unterhemden, Shirts, Slips und Dessous, alles in unterschiedlichen Größen und zahlreichen Ausführungen.

Die Arbeitsplätze im Nähsaal sind ergonomisch eingerichtet. „Darauf legen wir größten Wert“, sagt Florian Mey, Produktionsleiter und Bruder des Geschäftsführers. Das war schon immer so. Als Franz Mey 1928 das Strickerei-Unternehmen gründete, „stand der soziale Aspekt weit mehr im Vordergrund als der ökologische“, erzählt Florian Mey. „Mein Großvater kannte den Begriff Nachhaltigkeit sicher nicht und trotzdem war ihm wichtig, dass es unseren Mitarbeitern gut geht, die Umwelt lebenswert bleibt und unser Unternehmen erfolgreich an die nächste Generation übergeben werden kann. Entscheidend ist für uns, dass sich unsere Kunden und Mitarbeiter wohl fühlen.“ Soziale Verantwortung und ökologische Produktion: Für viele Verbraucher heutzutage sind dies entscheidende Kaufkriterien. „Vielen Konsumenten und Kunden ist es aber nicht bekannt, dass Mey die komplette Wertschöpfungskette selbst abbildet und davon noch einen großen Teil in Deutschland fertigt«, sagt Matthias Mey. So entstand die Idee mit der Bio-Serie „Organic“ aus nachhaltiger Bio-Baumwolle. „Mit ‚Organic‘ möchten wir kommunizieren, was wir machen“, begründet Florian Mey die Entscheidung und weist gleich auf die Unterschiede im Begriff Bio hin: „Wussten Sie, dass nur zirka ein Prozent der Baumwoll-Produktion biologisch angebaute Baumwolle ist? Und in unseren Produkten setzen wir eines der feinsten und hochwertigsten Biobaumwollgarne ein, dieses steht dann im Promille-Bereich in Relation zur Gesamtproduktion von Baumwolle. Also nicht zu vergleichen mit Discounter-Biotextilien“. Überhaupt: „Bio“-Qualität, aber in Bangladesh produziert – da stelle sich die Frage, was wirklich zähle. Auch Mey hat ausländische Standorte – in Portugal und Ungarn. Hier gelten aber dieselben hohen Standards wie am regionalen Standort, das ist den Mey-Brüdern wichtig.

Global denken, lokal agieren

Die fair gehandelte Biobaumwolle bezieht Mey von Kleinbauern aus Indien. Gesponnen wird die Baumwolle dann in einer Spinnerei in Dietenheim bei Ulm, eine der modernsten Spinnereien der Welt. Gestrickt wird an den Standorten in Albstadt, veredelt bei Partnerbetrieben, beispielsweise in Mössingen, Tailfingen oder Burladingen. Anschließend kommt der Stoff zum Zuschnitt nach Lautlingen und wird dann in der Filiale in Dormettingen oder am Hauptsitz konfektioniert. Vom Logistikzentrum in Bitz begibt sich die Ware dann auf den Weg zum Kunden.

Der verantwortungsvolle Umgang mit den Ressourcen gilt nicht nur für die Bio-Serie. „Organic ist unser Leuchtturmprojekt, aber der Qualitätsanspruch und die Produktionsbedingungen gelten für alle unsere Serien. Deshalb setzen wir mit dem „bluesign“-System auf die weltweit strengsten Regeln für Umwelt- und Verbraucherschutz, achten auf ergonomische Arbeitsplätze oder helle Räume mit Blick in die Natur.“

Lohnt sich Verantwortung?

Sind die Kunden bereit, für eine verantwortungsbewusste Marke und am deutschen Standort gefertigte Produkte auch mehr zu bezahlen? „Diese Frage stellen wir uns ständig“, betont Matthias Mey. „Wir sind ja dazu verpflichtet, entsprechende Gewinne zu erwirtschaften, um unseren zukünftigen Erfolg sicherzustellen.“ Mey führt zwischenzeitlich rund 15 eigene Stores in Deutschland und im benachbarten Ausland. „Auch wir sind konfrontiert mit dem Innenstadtsterben, dem Sterben von Einzelhandelsgeschäften, und auch mit steigenden Forderungen an Konditionen der Großformate“, berichtet Matthias Mey. „Marke statt Masse“ ist daher die Devise des Unternehmens, das sich behutsames Wachstum auf die Fahnen geschrieben hat. „Wir sind nach wie vor der festen Überzeugung, dass sich unsere nachhaltige und langfristig orientierte Geschäftspolitik auch auszahlen wird“, bekräftigt Matthias Mey.

Der schwäbische Bumerang

Ein schlichter Plastikbügel unterstreicht die Philosophie des Unternehmens. „Unsere Bügel, die hauptsächlich im stationären Handel eingesetzt werden, durchlaufen ein von Mey entwickeltes Kreislaufsystem“, berichtet Florian Mey. „Nach dem Abverkauf werden diese vom Fachhändler gesammelt und von uns auf unsere Kosten zurückgeholt. Sie werden dann in einer ortsansässigen Behindertenwerkstatt aufgearbeitet und fließen wieder in den Kreislauf ein. So sparen wir rund 50 Tonnen Abfall pro Jahr ein. Dieses System ist einzigartig im Wäsche-Fachhandel.“ Rund fünf Millionen des „Schwäbischen Bumerangs“ sind im Umlauf, schätzt Mey. Das Rücklaufsystem bekam 1998 von der damaligen Umweltministerin Merkel den Umweltpreis verliehen.

Markenbildung mit Konzept

Das Image eines Markenprodukts hängt stark von seinem Werbeauftritt ab. Die frechen Kampagnensprüche stammen von der renommierten Agentur Jung van Matt. Und das schon seit über zwei Jahrzehnten, berichtet Marketingleiter Roland Geiger. Die damals noch junge Agentur wurde von Mey zu einem Pitch eingeladen – und fiel bei der ersten Präsentation glatt durch. Aber die Chemie stimmte wohl, Jung von Matt bekam eine zweite Chance – und überzeugte. Die Kreativen geben der Marke Mey bis heute ein unverwechselbares Gesicht. Beziehungsweise viel nackte Haut – und die Präsentation der Kollektion ist garniert mit Sprüchen, die gerne auch mal anzüglich sind. „Wir haben auch schon manchen Satz abgelehnt“, gibt Geiger zu, „aber grundsätzlich stehen wir im Hause Mey dazu, auch frech zu sein!“

Sexy, frech & fair
Mey Bodywear in Albstadt-Lautlingen

Sexy, frech & fair
Produktionsleiter Florian Mey (links) und Geschäftsführer Matthias Mey vor einer Großrundstrickmaschine.

Das Familienunternehmen Mey wurde 1928 von Franz Mey ursprünglich als Strickerei gegründet. 20 Jahre später erfolgte die Ausweitung des Geschäfts auf den Bereich Konfektion und 1959 schließlich die Spezialisierung auf Damenwäsche. 1984 wurde zusätzlich die Mey-Herrenwäsche eingeführt. Beim Award „Best Brands“ erreichte Mey im Jahr 2006 den zweiten Platz in der Kategorie „Wachstumsstärkste Produktmarke“ und 2009 gewann das Label diesen Preis. Ein Jahr später wurde Mey zur Topmarke des Magazins „TextilWirtschaft“ im Bereich Bodywear gekürt. 2012 wird Mey nach „bluesign“ zertifiziert. Am Hauptsitz in Albstadt-Lautlingen beschäftigt Mey 350 Mitarbeiter, im Konfektionsbetrieb in Dormettingen rund 45 Mitarbeiter und im Logistikzentrum in Bitz weitere 60 Mitarbeiter. Je einen weiteren Standort hat Mey in Portugal und Ungarn. Diese sind zu 100 Prozent in Unternehmensbesitz.

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22.05.2015, 12:00 Uhr

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