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Sheriff spielt
„Glücksrad“ mit Ganoven
Sheriff Wayne Ivey mit seinem Glücksrad. Foto: Screenshot Youtube
Kriminalität

Sheriff spielt „Glücksrad“ mit Ganoven

Ein Polizeirevier in Florida macht mit einer Spielshow im Internet Jagd auf gesuchte Verbrecher.

11.04.2017
  • PIA REISER

Titusville. Jeden Dienstag wird US-Sheriff Wayne Ivey zum Showmaster: Er dreht das „Wheel of Fugitive“, das Glücksrad der gesuchten Verbrecher. Das Rad entscheidet, welcher der zehn darauf gepinnten Tatverdächtigen in Iveys Revier an der Küste Floridas besonders intensiv gesucht wird.

Ivey stellt den vom Zufall erwählten Gesuchten, seine Verbrechen und seinen letzten bekannten Aufenthaltsort in einem kurzen Video vor – verbunden mit der Aufforderung an die Bevölkerung: Haltet die Augen offen und helft der Polizei, ihn hinter Gitter zu bringen. Aber der Sheriff spricht den jeweils Verdächtigen im Video auch direkt an und fordert ihn auf, sich zu stellen.

Tausende Nutzer sehen sich jede Woche die neue Folge des „Wheel of Fugitive“ in den sozialen Medien an. Es gab sogar schon eine „Ladies'-Night“-Variante, die Sheriff Ivey mit kreisenden Hüften anmoderierte.

Verdächtige stellen sich selbst

Der öffentliche Fahndungsdruck scheint Wirkung zu zeigen: 76 Prozent der Gesuchten werden innerhalb der ersten drei Tage gefasst, sagte der Sheriff in einem Interview mit dem Sender „Fox35“. Offensichtlich stellen sich viele der Gesuchten selber, sobald sie vom „Wheel of Fugitive“ auserwählt sind. Sheriff Ivey lobt dies, indem er erneut deren Bilder veröffentlicht, diesmal mit der Aufschrift: „Did the right thing“ – hat das Richtige getan.

Auf der Facebook-Seite des Polizeireviers fallen die Reaktionen auf die Aktion meist positiv aus. „Einfach brillant und sehr effektiv“, kommentierte eine Nutzerin, „eine großartige Idee“ eine andere. Doch Experten sind skeptisch. Der Kriminologe Jeffrey Butts sagte dem Sender CBS: „Es führt zu einer Hetzjagd in der Bevölkerung und verstärkt das Gefühl, dass Straftäter von der Gesellschaft ausgeschlossen werden.“

„Ich habe den Eindruck, so etwas ist eines Rechtsstaates nicht würdig“, sagt auch Prof. Jörg Kinzig, Direktor des Instituts für Kriminologie der Uni Tübingen. Ein öffentlicher Fahndungsaufruf sollte seiner Meinung nach insbesondere von der Schwere des Delikts abhängig sein und nicht per Zufall entschieden werden. Pia Reiser

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11.04.2017, 06:00 Uhr

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