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Beteiligung

Shopping, Sport und sichere Straßen

In der Entringer Zehntscheuer machten sich Ammerbucher Jugendliche Gedanken über Ammerbuchs Zukunft.

19.11.2016

Von Uschi Hahn

Ein Shopping Center auf dem alten Entringer Schulgelände, das wär’s, findet eine der Projektgruppen des Ammerbucher Jugendtags. Der 12-jährigen Hanna Schneider ist beispielsweise ganz wichtig, dass es dort dann auch einen Schreibwarenladen gibt. Bild: Sommer

Auch Kinder und Jugendliche müssen in Baden-Württemberg an kommunalen Entscheidungen beteiligt werden, von denen sie betroffen sind. So steht es seit knapp einem Jahr in der Gemeindeordnung. Das Wie hat der Gesetzgeber offen gelassen. Schon vor der Novelle gab es in Ammerbuche einen Jugendgemeinderat, der sich kommunalpolitisch eingebracht hat. Doch der ist passé. Die Wahlbeteiligung lag zuletzt bei zehn Prozent. Für die 16 Sitze fanden sich nur sieben Kandidaten. Seit einem Jahr liegt die Jugendbeteiligung in Ammerbuch komplett brach.

Die neue Jugendreferentin im Rathaus Laura Sennock will das ändern. Zum Auftakt hatte sie für Donnerstag alle Ammerbucher Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 20 zum Jugendtag in die Entringer Zehntscheuer geladen. Von 1300 Angeschriebenen kamen 27. Dabei hätte es eine Schulbefreiung gegeben. Auch Azubis hätten ihrem Arbeitgeber ein Entschuldigungsschreiben vorlegen können.

27 von 1300 also, vor allem aus der Altersgruppe zwischen zwölf und 15 Jahren. Sennock war dennoch zufrieden. Das sei, sagte sie, „ein guter Rücklauf“. Aber Quantität ist ja nicht immer Qualität. Und zumindest die Ergebnisse der Kritikrunden und Gedankenspiele lassen sich durchaus sehen. Das wurde klar, als die Jugendlichen selbst ihre Diskussionen aus den verschiedenen Projektgruppen nachmittags im Beisein von Ammerbuchs Bürgermeisterin Christel Halm und verschiedenen Mitarbeitern aus der Verwaltung vorstellten. Auch ein paar Gemeinderäte waren gekommen.

Ziemlich konkret sind zum Beispiel die Vorstellungen von einem Spielplatz, den sich die Kids neben der neuen Gemeinschaftsschule am Entringer Bahnhof wünschen: Eine Korbschaukel fänden sie toll, Fitnessgeräte, eine Kletterwand und einen Soccer-Park, ein eingezäuntes Gelände zum Fußballspielen also. Und freies WLAN.

Auf den Ammerbucher Straßen stören sich die Jugendlichen vor allem an den Rasern. Um die auszubremsen und die Straßen sicherer zu machen, schlagen sie Blitzer vor. Vom eingenommenen Bußgeld würden die Jugendlichen alle Straßenlampen in der Gemeinde auf LED umstellen, das sei gut für die Umwelt und spare auch noch Geld für Strom.

Auf öffentlichen Plätzen fehlt es dem Ammerbucher Nachwuchs an Bänken und Mülleimern. Sie wünschen sich „mehr Sauberkeit“ in den Dörfern und stören sich an glatten Wegen im Winter. Überall Streusalz, ist eine ihrer Anregungen.

Unzufrieden sind die Jungen und Mädchen auch mit den Zuständen in der Ammertalbahn und den Bussen, die die meisten für den Schulweg nutzen. Sie klagen über übervolle Züge, unfreundliche Busfahrer, Verspätungen und Ausfälle. Vor allem die Verbindung nach Breitenholz sei oft betroffen.

Und dann soll noch ein Shopping Center her. Und zwar in die Entringer Schule, die frei wird, wenn die neue Gemeinschaftsschule erst einmal fertig ist. Geträumt wird da von Fastfood-Läden, einem Kosmetik-Geschäft, einem Supermarkt. Auch ein Eiscafé und natürlich Klamotten wären super. Und, ganz wichtig: ein Schreibwarenladen fehlt in Entringen. Vor allem wegen der künftigen Schule für ganz Ammerbuch.

Aber wie soll es jetzt weitergehen mit der Jugendbeteiligung in Ammerbuch? Zum einen wollen sich die Projektgruppen weiter treffen, so die Jugendreferentin Laura Sennock. Und dann haben die Teilnehmer des Jugendtags auch eine neunköpfige Delegation gewählt. Die soll sich und die Vorschläge der Jugendlichen demnächst im Gemeinderat vorstellen. Weiter hat bisher noch niemand gedacht.

Aber immerhin war die Resonanz der kommunalen Entscheider am Donnerstag aufgeschlossen. So versprach Bürgermeisterin Christel Halm beispielsweise, die Anregungen für den Spiel- und Sportplatz an der neuen Schule zu prüfen und aufzunehmen in die Planung. Versprechen könne sie zwar nichts, sagte Halm. „Aber ich glaube, die Karten sind da gar nicht so schlecht.“ Überhaupt, so die Bürgermeisterin dem TAGBLATT gegenüber, sei es ihr „sehr ernst damit, dass wir die Kinder einbeziehen“. Die Frage bleibt halt nur, wie.

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Erstellt:
19. November 2016, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
19. November 2016, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. November 2016, 01:00 Uhr

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