Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Die große Schlacht um K 8

Showdown im Reutlinger Gemeinderat um das mittlerweile abgespeckte Bauprojekt

Einen heftigen Schlagabtausch wegen des Bauprojekts K 8 hat sich am Donnerstag der Reutlinger Gemeinderat geliefert.

26.07.2014
  • Matthias Reichert

Reutlingen. Die SPD streite für den Erhalt der historischen Altstadt, sagte Fraktionschef Helmut Treutlein. Das Eckhaus Nummer 10 sei das „unverwechselbare Gebäude, das gibt es kein zweites Mal.“ Teile der CDU wollten hingegen mit dem Abrissbagger Politik machen. „Die Altstadtsatzung ist unser Grundgesetz“, erklärte Treutlein. Das bisherige Projekt sei übers Ziel hinausgeschossen. Die Eigentümer hätten am Telefon geäußert, sie hätten großes Interesse an der Erhaltung und der Weiterentwicklung der historischen Situation.

Die SPD habe nur versucht, auf der Welle der Kritik am Bauprojekt mitzuschwimmen, um bei der Kommunalwahl zu profitieren, kritisierte CDU-Chef Andreas vom Scheidt: „Sie begeben sich wie eine Splitterpartei auf die Straße und sammeln Unterschriften.“ Jetzt könnten die Eigentümer das Gebäude abreißen. „Sie haben nichts geschützt, Sie haben nur die Neugestaltung verhindert.“

Altstädte verkauften sich gut, glaubte RSÖ-Sprecher Peter Hörz mit Blick auf Tübingen – als „Mehrwert zu gesichtslosen Outlet-Städten“. Nach dem Rückzug des Investors ziehe Vernunft ein. Hagen Kluck (FDP) sprach hingegen von einem schweren Schlag fürs Projekt und verwies auf die „unerträgliche Hinterhofsituation“ in der Hofstattstraße. Er verstehe nicht, wie die SPD das als Sieg verkaufen könne: „So machen wir unsere Stadt nicht zukunftsfähig.“

Kritik an der Bürgerbeteiligung

Joachim Schempp (SPD) erklärte: „Wir sind bei den Leuten.“ Der CDU warf er eine „gewisse Arroganz“ gegenüber den Bürgern vor. „Ihr rennt mit rotem Teppich für alle Investoren durchs Land und teilt kräftig aus.“ Für die Äußerung, die SPD schade der Stadt, sollten sich die Christdemokraten „schämen oder entschuldigen“. Wie beim einst per Bürgerentscheid gescheiterten Kultur- und Kongresszentrum mache die CDU Politik, ohne mit den Leuten zu reden.

Die SPD habe den Geschichtsverein instrumentalisiert, warf ihr Rainer Löffler (CDU) vor. Und: „Immer, wenn Ihnen nichts einfällt, bemühen Sie den Bürgerentscheid zur Stadthalle.“

Der Leidtragende sei der Investor, fand Gabriele Janz (Grüne). Er sei wie die Bürger schlecht informiert gewesen. Der Rat habe die Hausaufgaben nicht gemacht: „Wir müssen wohl neue Formen finden, dass Investoren nicht so große Schleifen fahren müssen.“ Etwa einen Gestaltungsbeirat, nötig sei auch eine Erhaltungssatzung für Haus 10. Janz war froh, dass der Platzcharakter erhalten bleibe, und dachte an ein Biosphärenkaufhaus für regionale Produkte.

Jürgen Fuchs (FWV) verwies auf die abgewendete ECE-Mall auf dem Postareal: „Wir wollten integrierten Einzelhandel in der Altstadt, und gleich beim ersten Projekt hat’s uns auf die Nase gehauen.“ Fuchs fürchtete, Reutlingen mache sich zum Gespött der Nachbarstädte. Auch sein Fraktionskollege Hans Hubert Krämer sah im Ensemble einen städtebaulichen Missstand. Er verstehe das „städtebauliche Schaulaufen“ nicht, sagte Krämer. „Dann lässt man’s eben stehen und plant neu.“

Baubürgermeisterin Ulrike Hotz verwies auf den bisherigen Ratsbeschluss für K 8. Die Fakten seien von Anbeginn auf dem Tisch gelegen, inklusive Altstadt-Rahmenplan und Erhaltungssatzung. „Wir wollten keine Konkurrenz auf der grünen Wiese“, so Hotz. Der Rahmenplan schreibe nicht zwingend den Erhalt historischer Gebäude vor, sekundierte Stefan Dvorak, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Vermessung. Und das Gebäude Nummer 10 sei nicht als erhaltenswert eingestuft gewesen.

„Man hat das nicht in der Bevölkerung kommuniziert“, legte Janz nach. „Wir haben uns damals einen ganzen Abend dafür Zeit genommen“, verwahrte sich OB Barbara Bosch. Und Hotz sagte: „Bei jedem Schritt haben wir Bürgerbeteiligung durchgeführt. Was hätte man denn tun sollen?“ So entspann sich noch eine Debatte über den Sinn und die Möglichkeiten von Bürgerbeteiligung, außerparlamentarischer Meinungsbildung und Entscheidungsrecht des Rats.

Die Stuttgarter „Sepa K 8 aktiv GmbH“ wollte in der Katharinenstraße 6 bis 10 ein neues Wohn- und Geschäftsquartier mit 4500 Quadratmetern Verkaufsfläche und 14 Wohneinheiten bauen. Nur SPD und Grüne stimmten im Rat dagegen. Auch der Geschichtsverein sprach sich für die Erhaltung des nicht denkmalgeschützten Ensembles aus. Eine Bürgerinitiative sammelte hunderte Unterschriften. Zwei Sprecherinnen äußerten im Bauaussschuss vehemente Kritik. Darauf trat der Investor vom Kauf des Eckhauses 10, der ehemaligen Knödlerschen Buchhandlung, zurück. Nun muss der Bebauungsplan neu aufgerollt werden. Die CDU-Ratsfraktion griff darauf die SPD heftig an.
Siehe auch Besitzer des Hauses Katharinenstraße 10 plädieren für eine verbesserte Sepa-Planung: Erben mit begrenzten Mitteln 31.07.2014Kommentar : Bereit zur nächsten Wende 31.07.2014Abschied vom Kreisbrandmeister: Mit Lobreden und Zapfenstreich endete Karl Hermanns Amtszeit – Feuerwehrfest begann 26.07.2014Die große Schlacht um K 8: Showdown im Reutlinger Gemeinderat um das mittlerweile abgespeckte Bauprojekt 26.07.2014Das Eckhaus bleibt erhalten: Bürgerinitiative begrüßt Änderung des Bauprojekts Katharinenstraße als Teilerfolg 12.07.2014Kommentar: In die Verlängerung mit K 8 und Hotel 09.07.2014Der Kopfbau in der Katharinenstraße soll bleiben: Neue Vorlage zum K8-Bauprojekt wird vorgestellt 07.07.2014Klarstellung zu K8: Die Gerüchteküche um das Bauprojekt brodelt 27.06.2014Wozu die Fußball-WM gut ist: Der Wahnsinn hat Methode 20.06.2014Kommentar: Die Beteiligung kommt zu spät 06.06.2014Projekt K8 bleibt umstritten: Anwohner wiederholen Kritik im Bauausschuss / Über 1500 Unterschriften gegen Pläne 06.06.2014Das Stadtbild ist mehr als ein Fall für die Denkmalpflege: Geschichtsverein präsentierte Erkenntnisse über die drei Häuser, die in der Katharinenstraße abgerissen werden sollen 19.02.2014Klares Votum fürs K 8-Projekt: Nur SPD und Grüne stimmen gegen einen Neubau in der Katharinenstraße 31.01.2014Mit List durchs Jubiläumsjahr: Geschichtsverein feiert 125-jähriges Bestehen und 225 Jahre List 16.01.2014Wie viel Neues darf es sein?: Reutlinger Bauprojekt K8 erhitzt die Gemüter 04.12.2013Blick in die historische Tiefe: Sanierung der Katharinenstraße rechtzeitig vor Weihnachten vollendet 17.11.2013

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

26.07.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball