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T-Shirts unter Druck

Siebdruckwerkstatt im „M“: Jugendliche können coole Motive auf Stoff und Co. bannen

Shirts, Pullis oder Taschen eigenhändig professionell bedrucken: Das können Jugendliche seit kurzem im Mössinger Jugendhaus „M“. Die Siebdruckwerkstatt gibt Teenagern die Möglichkeit, sich kreativ auszutoben.

30.07.2014
  • Amancay Kappeller

Mössinger. Coole Prints und Sprüche zieren die Shirts, die die Teilnehmer der beiden bisherigen Siebdruck-Workshops 2014 entworfen haben: Tigerköpfe, kunstvoll verästelte Bäume, Eulen, und Ampelmännchen prangen auf den Textilien. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt: Was gefällt, das kann auf Stoff oder auch auf andere Materialien gebannt werden. Daniel Stumfol von der Stadtjugendpflege leitet die Workshop-Teilnehmer an; sie werden zu „Siebdruck-Mentoren“ ausgebildet. Dabei wird Wissen rund um den Handsiebdruck vermittelt – zunächst theoretisch, dann praktisch. Das Erstellen der digitalen Entwürfe gehört ebenso zum Arbeitsprozess wie das Belichten der Siebe oder der eigentliche Druckvorgang von Hand.

Die Jugendagentur Tübingen hat die Anlage, ein vierfarbiges „Siebdruckkarussell“, das jetzt im „M“ im Kreativraum steht, mitfinanziert. Sie gehört dem Jugendforum Oberes Steinlachtal, die Stadtjugendpflege nutzt sie mit. Es sei eine gemeinsame Idee gewesen, sagt Stumfol, der seit zwei Jahren in Mössingen für die Offene Jugendarbeit zuständig ist. Der 31-Jährige hat in Freiburg Sozialpädagogik studiert. In seiner Freizeit macht er Musik. Über diese Schiene ist er selber zum Drucken gekommen: Für seine Bands gestaltet er T-Shirts. Privat hat sich Stumfol eine Ausrüstung zugelegt. In der Anfangszeit hatte er zu Hause „einen kleinen Siebdrucktisch mit Klemmen dran“. Anstatt eines Waschbeckens benutzte er eine alte Duschkabine; die Belichtung bekomme man auch mit Baulampen hin, erklärt der 31-Jährige: „Wenn man bastelfreudig ist, kann man viel improvisieren.“ Holzrahmen, mit Stoff bespannt, können zu Sieben umfunktioniert werden.

Ein Ziel der Siebdruckwerkstatt ist es, Jugendlichen Kreativität und handwerkliche Fähigkeiten nahe zu bringen – eventuell auch schon im Hinblick auf den späteren Beruf. „Ab der sechsten Klasse wird es schwierig, die Jugendlichen in handwerkliche Workshops zu locken“, so Stumfols Erfahrung. Von der Druckwerkstatt erhofft sich der 31-Jährige so etwas wie einen Aha-Effekt: Handwerkliche Arbeit kann auch Spaß machen, cool sein. Noch gibt es keine festen Zeiten, zu denen gedruckt werden kann; eine offene Werkstatt soll es einmal werden. Bands aus dem Güterschuppen haben auch schon Hand an das Druckkarussell gelegt; Shirts für Freizeiten, Turniere oder Abschlussklassen wurden bedruckt.

Das Motiv wird am PC entworfen; es kann auch von Hand auf Folie gemalt werden, etwa mit einem Lackstift. In der Theorie sei „alles bedruckbar“, erläutert Stumfol: Es muss nur flach sein. Das Material, bislang vor allem Stoff, wird auf einen Tisch aufgespannt. Gearbeitet wird mit einem feinmaschigen Siebgewebe, das auf einen Rahmen aufgespannt ist. Mit Hilfe von Textilfarbe und einem sogenannten „Rakel“, einem wischerähnlichen Werkzeug, wird Farbe aufgebracht. An denjenigen Stellen, an denen dem Motiv entsprechend keine Farbe gedruckt werden soll, werden die Maschenöffnungen des Gewebes durch eine Schablone farbundurchlässig gemacht.

Es gibt zwei Arbeitsgänge, erklärt Stumfol: Zunächst wird das Sieb mit wasserbasierter Farbe geflutet; im zweiten Schritt wird die Farbe dann durchgedrückt. In Mössingen wird meist noch mit ein bis zwei Farben experimentiert - je mehr Farben, desto komplizierter. Der Druck auf dunklen Textilien ist schwieriger als der auf hellen. Getrocknet wird anschließend unter einem Heizstrahler. Das Feedback bei den Workshops war gut, freut sich Stumfol. Bei ausreichend Resonanz wird im Herbst vielleicht noch ein Kurs angeboten. Für „Bandleute“ würde der Sozialpädagoge gerne „was in Richtung Cover und Plakate“ machen.

Bislang müssen Jugendliche, die im „M“ drucken wollen, nur die Materialkosten übernehmen; die Teenager bedrucken das, was gewünscht ist, selber. Stumfol schließt nicht aus, dass künftig eventuell auch Aufträge angenommen werden könnten: So etwas wie eine Übungsfirma schwebt ihm vor. Anfragen gab es bereits. In trockenen Tüchern ist aber noch nichts.

Siebdruckwerkstatt im „M“: Jugendliche können coole Motive auf Stoff und Co. bannen
Daniel Stumfol erklärt Jenny Merz die Kunst des Siebdrucks. Bild: Franke

Jugendliche, die Lust haben, die Siebdruckwerkstatt im M auszuprobieren, können sich bei Daniel Stumfol per E-Mail melden: jugendhausm@yahoo.de – oder einfach vorbeikommen, wenn das Haus geöffnet ist. Man bekommt dann eine Einweisung. Gleiches gilt für in der Jugendarbeit beschäftigte Erwachsene. Am Samstag, 2. August findet die Monokultur-Summer-Jane statt; dann ist auch im „M“ Tag der offenen Tür. Nachmittags wird es unter anderem Siebdruck-Demonstrationen geben: Jugendliche bedrucken Taschen, Interessierte können zuschauen.

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30.07.2014, 12:00 Uhr

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