Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Leitartikel · Frankreich

Sieg des Unauffälligen

29.11.2016
  • PETER HEUSCH

Paris. François Fillon ist ein Phänomen. In kaum drei Wochen gelang dem Republikaner nicht nur der Sprung aus der zweiten Reihe zum Hoffnungsträger des rechten Lagers, sondern auch das Kunststück, die Karten der französischen Politik neu zu mischen. Der 62-jährige Präsidentschaftskandidat hat mit seinem wertkonservativen und wirtschaftsliberalen Programm einen Nerv getroffen.

Auf einmal wird den Franzosen eine Zukunftsperspektive aufgezeigt, die jenseits des abgewirtschafteten Sozialismus der Linken eine echte Alternative zu der nationalpopulistischen Versuchung des Front National darstellt. Denn Fillons „konservative Revolution“ kommt ohne die protektionistischen, islamophoben und fremdenfeindlichen Töne der Rechtsextremen aus.

Als bodenständig und geradlinig gilt der Polit-Profi. Zuvorkommend im Auftritt, aber hart in der Sache wirbt er für einen Machtwechsel, der mit ehrgeizigen Strukturreformen Frankreich aus der Wirtschaftskrise führen soll. Niemand wollte glauben, dass sich mit einem solchen Austerity-Programm Wahlen gewinnen lassen. Doch zur allgemeinen Verblüffung fehlten Fillon schon in der ersten Runde der Kandidatenkür nur sechs Prozent zur absoluten Mehrheit.

Fillon überzeugte, weil er klare Ansagen machte. Aber eben auch als Persönlichkeit. Jede Effekthascherei ist ihm fremd, seriös und abgeklärt vermittelt er eine unaufgeregte Entschlossenheit, die ein wohltuendes Gegenbild abgibt zu dem jovialen Zauderer im Elysée-Palast oder dessen selbstverliebten Haudrauf-Vorgänger Nicolas Sarkozy. Fillon macht den Eindruck, als könne er den hohen, in den letzten zehn Jahren immer wieder enttäuschten Idealvorstellungen seiner Landsleute von einem Staatspräsidenten recht nahe kommen.

In Berlin hatte man sich vermutlich Fillons gemäßigteren Stichwahl-Rivalen Alain Juppé als nächsten Präsidenten Frankreichs gewünscht. Die Aussicht, es künftig mit dem Euro-Skeptiker und Putin-Versteher Fillon zu tun zu bekommen, sorgt da für einige Besorgnis. Der aber ist nicht der unverbesserliche Reaktionär, als den ihn seine Gegner abzustempeln versuchen, sondern in erster Linie ein nüchterner Pragmatiker.

Wobei es stimmt, dass Fillon Putin, den er duzt, als einen wichtigen Partner ansieht. Fillon ist gegen die Russland-Sanktionen, weil er sie für nutzlos hält. Außerdem glaubt er, dass die Bemühungen um ein Ende des Kriegs in Syrien nur Erfolg haben, wenn man Putin als Verbündeten gewinnt. Allerdings beteuert Fillon auch, auf gar keinen Fall aus bestehenden Allianzen ausscheren zu wollen.

Skeptisch steht Fillon zudem bis heute weiterem nationalen Souveränitätsverzicht zugunsten Brüssels gegenüber. Aber auf strategisch wichtigen Feldern wie der Energie-, Sicherheits- und Migrationspolitik plädiert er für eine Verstärkung der Gemeinschaft.

Und die deutsch-französische Freundschaft? Er will sie verbessern, zumal seine wirtschaftspolitischen Vorstellungen beinahe deckungsgleich sind mit denen der Kanzlerin.

leitartikel@swp.de

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

29.11.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball