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US-Wahl

Sieg eines Populisten

Donald Trump wird neuer Präsident der USA. In Europa sind viele etablierte Politiker entsetzt, die Rechtspopulisten wollen das US-Ergebnis für sich nutzen.

10.11.2016

Von DPA/AFP/KPR

Triumph eines unwahrscheinlichen Wahlsiegers: In seiner Dankesrede am frühen Mittwochmorgen betonte Donald Trump, er wolle die USA wieder einen.

Washington. Der Überraschungssieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl versetzt Amerika und das Ausland in Aufruhr. Mit seinem Triumph über Hillary Clinton widerlegte der als Außenseiter ins Rennen gegangene Populist die meisten Umfragen. Er regiert von Januar an die größte Wirtschafts- und Militärmacht der Welt. Dank des Doppelsiegs seiner Republikaner in beiden Kongresskammern kann er politische Vorhaben voraussichtlich ohne politische Gegenwehr durchsetzen.

In seiner Dankesrede sagte Trump vor Anhängern in New York, er wolle das tief gespaltene Land nun einen. Den Menschen anderer Länder biete er die Partnerschaft der USA an. „Wir werden gemeinsame Grundlagen anstreben, nicht Feindseligkeit“, versprach der 70-Jährige. Amerika gehe aber vor.

Die unterlegene demokratische Kandidatin Hillary Clinton räumte ihre Niederlage ein. „Das ist schmerzhaft und wird es für lange Zeit sein“, sagte sie gestern in New York. „Unser Land ist tiefer gespalten, als wir dachten“, fügte sie hinzu. „Doch unsere Demokratie verlangt unsere Mitarbeit, und das nicht nur alle vier Jahre.“ US-Präsident Barack Obama gratulierte seinem Nachfolger. Beide wollten sich am heutigen Donnerstag treffen, teilte Obama mit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bot Trump eine enge Zusammenarbeit an. Zugleich erinnerte sie ihn an dessen künftige Verantwortung. „Wer dieses große Land regiert, mit seiner gewaltigen wirtschaftlichen Stärke, seinem militärischen Potenzial, seiner kulturellen Prägekraft, der trägt Verantwortung, die beinahe überall auf der Welt zu spüren ist“, sagte Merkel im Kanzleramt. Im Wahlkampf hatte Trump Merkels Politik als „totales Desaster“ bezeichnet.

Die Präsidenten des EU-Rats und der EU-Kommission luden Trump in einem Glückwunschschreiben zu einem baldigen Gipfeltreffen in Europa ein. Bei einem Sondertreffen wollen die EU-Außenminister am Sonntagabend in Brüssel über die neue Lage beraten.

Die meisten europäischen Politiker erwarten schwierigere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Viele macht ein US-Präsident frösteln, der Russlands Präsident Wladimir Putin für einen „großen Staatsmann“ hält und von Rechtspopulisten in Frankreich, Holland, Großbritannien und Belgien bejubelt wird. Denn auf die EU kommen Abstimmungen zu, bei denen die etablierte Politik mit dem Rücken zur Wand steht: Österreich (Präsidentschaft), Italien (Verfassungsreferendum), 2017 dann Holland (Parlament), Frankreich (Präsidentschaft, Parlament), Deutschland (Bundestag). Überall erhofft sich eine nationale Rechte vom Erfolg des System-Zertrümmerers Trump zusätzlichen Schub.

Rechtspopulisten quer durch Europa sehen in Trumps Sieg ein Aufbruchsignal. Der „historische Wahlerfolg“ des Republikaners sei ein Zeichen, „dass die Bürger in der westlichen Welt einen klaren Politikwechsel wollen“, sagte die stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Beatrix von Storch. Auch Geert Wilders aus den Niederlanden, Marine Le Pen aus Frankreich und Nigel Farage aus Großbritannien begrüßten den Wahlsieg.

Anleger weltweit zeigten nach dem ersten Schock Gelassenheit. Anders als im Juni nach dem überraschenden Ja der Briten zum Brexit stabilisierten sich die Kurse nach anfänglichen Abschlägen weitgehend wieder und stiegen teilweise sogar an. dpa/afp/kpr

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Foto: SWP GRAFIK

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Erstellt:
10. November 2016, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
10. November 2016, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. November 2016, 06:00 Uhr

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