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Förderverein sichert Betonrelief von Anton Geiselhart für das künftige Industriemuseum

Sinnbild der wirtschaftlichen Blüte

REUTLINGEN (wal). Für Hans Hubert Krämer ist es ein „Zeugnis der industriellen Blütezeit Reutlingens“. Deshalb will der Vorsitzende des Fördervereins das Betonrelief von Anton Geiselhart für ein künftiges Industriemuseum in Reutlingen sichern. Dabei helfen auch private Spender.

07.06.2004

Anton Geiselhart (1907-1973) war Handwerker und Künstler zugleich, leitete einen Malerbetrieb und malte Landschaftsbilder, gestaltete Kunst am Bau, entwarf Brunnen und Farbleitlinien. In und um Reutlingen schuf er zahlreiche Werke im öffentlichen Raum und an Privathäusern: das Sgraffito am Tübinger Tor, die Glasfenster in der Wolfgangskirche, die Wandmalereien am Gasthaus „Hischhönle“, der Betonguss an der Schule in Hayingen, das Wandbild im Tübinger SWR-Studio – um nur ein paar zu nennen.

In der Bauhaus-Tradition, sagt Tochter Monika Geiselhart, habe ihr Vater dem Handwerk eine künstlerische Note gegeben und die Architektur mit Kunst am Bau bereichert, technisches Verständnis mit gestalterischem Talent gepaart. Und ständig habe er neue Verfahren und Materialien erprobt, eben auch Beton.

1964 bekam Anton Geiselhart von der Papierfabrik Emil Adolff den Auftrag, ein Betonrelief für die Eingangshalle zu schaffen. Dazu schnitt oder ätzte er Formen in Hartschaummatrizen, die einzeln eingeschalt und mit einem Spezialbeton aus feinem Quarzsand und verschiedenen Zementarten ausgegossen wurden. Die Schalung wurde beim Entfernen zerstört, jeder Guss war ein Original. Die Platten wurden nach dem Aushärten mit Mörtel an der Wand befestigt: 130 Einzelplatten im Maß 23,7 mal 36 Zentimeter zeigen die Verarbeitung von Papier zu Hülsen für die Textilproduktion.

Geiselhart, der als Maler oft abstrakte Flächenbezüge bevorzugte, zeigt in dem Relief einen figurativ-konkreten Prozess voll schwungvoller Linien – auch ein Sinnbild für den industriellen Fortschrittsoptimismus. 1984 ging Emil Adolff in die Insolvenz, das in Teilen jetzt der Firma Betz gehörende Areal wurde für Existenzgründungen, Gewerbe und Freizeiteinrichtungen genutzt, kurzzeitig war auch die Stiftung für konkrete Kunst hier untergebracht.

Wo sich einst die Empfangshalle von Emil Adolff befand, ist heute ein Fahrradladen. Dort ist das Relief nicht nur schlecht präsentiert, sondern auch durch die (Um)Nutzung gefährdet. Und so trafen sich das Interesse des Fördervereins, ein Industriezeugnis zu sichern, mit dem Anliegen der Stiftung Geiselhart, das Werk Anton Geiselharts der Nachwelt zu erhalten. Die rund 4000 Euro Kosten werden aus dem Vereinsvermögen sowie durch Spenden von Firmen und Privatleuten gedeckt.

In der nächsten Woche beginnt das Bauatelier Geiselhart mit der Abnahme des Reliefs, das anschließend auf Paletten zwischengelagert wird. Es könnte ein Schmuckstück für das künftige Industriemuseums sein, das im alten Spritzenhaus untergebracht und dort endlich die im Depot schlummernden, eindrucksvollen Exponate der Reutlinger Wirtschaftsgeschichte zeigen soll.

Krämer und der seit elf Jahren existierende Förderverein sind optimistisch, OB Barbara Bosch habe versprochen, dass sich der Gemeinderat noch in diesem Jahr mit dem Projekt beschäftigen werde.

Die Umbaukosten werden auf drei bis fünf Millionen geschätzt, der Verein verfügt nach unseren Informationen über fast eine Viertel Million Euro für die Anschubfinanzierung.

Sinnbild der wirtschaftlichen Blüte
Anton Geiselharts 1964 entstandenes Betonrelief im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Firma Emil Adolff zeigt die Verarbeitung von Papier zur Hülsen in der Textilproduktion. Links wurden bereits zwei Platten zur Probe für die bevorstehende Sicherung abgenommen.

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07.06.2004, 12:00 Uhr

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