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Sir Rock 'n' Proll
Er kann's nicht lassen: Rod Stewart ist wieder auf Tour und Touren. Foto: Magdi Aboul-Kheir
Rod Stewart on Tour

Sir Rock 'n' Proll

Seit fast 50 Jahren steht Rod Stewart erfolgreich auf der Bühne. In der Schleyerhalle zeigt er, warum er sich schon so lange so gut hält.

07.11.2016
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

Stuttgart. Ein silbergrauer Rolls Royce fuhr vor vier Wochen am Buckingham Palace vor, und es stieg ein 71-jähriger Mann aus, dem es nicht in die Wiege gelegt worden war, zum Ritter geschlagen zu werden. Geradezu diebisch freute sich Rod Stewart über die Ehre, aber es ist auch keine geringe Sache für einen Typen, der einst mit 15 von der Schule abgegangen war, um Fußballer zu werden, dann auf der Bühne landete und dort eine der längsten, erfolgreichsten und auch schrillsten Karrieren überhaupt hinlegte.

Yes, Sir, am 10. Oktober wurde Rod Stewart von Prince William für seine „Verdienste um Musik und Wohltätigkeit“ zum „Ritter Ihrer Majestät“ geschlagen – und das Rock-Idol ist so stolz darauf, dass er an diesem Freitagabend in der Schleyerhalle noch immer strahlt und ein Video der royalen Prozedur zeigt, während er „Rhythm Of My Heart“ singt.

Seit fast 50 Jahren steht Stewart auf der Bühne, mit dem Stuttgarter Konzert – ein Nachholtermin für die Anfang Juni ausgefallene Show – startet er mal wieder eine neue Tour. Nach zwei Monaten Pause seien er und die Band wieder „frisch“, entsprechend gut gelaunt legt er los. Er weiß ja: „Some Guys Have All The Luck“.

Er strawanzt und scharwenzelt

Nach wie vor ist er ein schillernder Typ, und das ist wörtlich zu nehmen. „You Wear It Well“: schwarzes Glitzerhemd, Sakko im Leopardenfellmuster, dunkle Skinny Jeans und silberne Schuhe – die sind aber neu, drücken, und so fegt er schließlich barfuß über die Bretter. Er mag vielleicht nicht mehr von einem Bühnenende zum anderen hetzen, doch noch immer strawanzt und scharwenzelt er herum, krabbelt auch mal auf dem Boden, schäkert und charmiert, lässt die Hüften kreisen und die Funken sprühen.

Keines seiner Markenzeichen fehlt, schon gar nicht die Frisur, dieser graublonde Struwwelpeter-Wischmob, den nur Rod Stewart tragen kann, ohne albern zu wirken. Bei ihm geht das alles zusammen: Chauvie und Süßholzraspler, Sex-Symbol und Sportskanone, Gentleman und Proll.

„Tonight's The Night“, da kann man sich im Publikum mal einen Abend wieder jung fühlen. Oder vielleicht gerade alt? Auf jeden Fall gut. „Are you ready to rock?“, fragt er, und das mag nun keiner im Rund der bestens gefüllten Halle verneinen.

„Hits 2016“ heißt die Tour, Stewart hat zwar erst vergangenes Jahr ein neues Album herausgebracht, aber davon spielt er kaum etwas, er greift lieber in die prallgefüllte Kiste mit den Hits: „Maggie May“, „Baby Jane“, „Someone Like You“, „I Don't Want To Talk About It“. Schließlich hat dieser Mann mehr Best-Of-Scheiben herausgebracht als andere überhaupt Alben gemacht haben.

Die Band macht ordentlich Druck, und es gibt so viele Saxophon-Soli, dass man sich in den 80ern wähnt. Die Balladen werden von zwei Geigerinnen und einer Harfenistin versüßt, und zur Verstärkung hat Stewart fünf Sängerinnen dabei.

Seine eigene Stimme? Ist noch immer unverkennbar, etwas tiefer als früher, eher Sandpapier als Reibeisen, leicht rau, manchmal brüchig – aber dieser Mann war vor gut 15 Jahren an Schilddrüsenkrebs erkrankt, hat das Singen neu lernen müssen. Nicht perfekt, aber voller Überzeugung bringt er seine Lieder – und bittet das Publikum, nicht irgendwelchen Leuten Geld zu zahlen, die auf der Bühne nur zum Playback den Mund auf und zu machen.

Kommt ein BH geflogen

Er punktet bei der Masse noch immer mit seinem Mix aus Rock ‘n‘ Roll, Pop, folkloristischen Einsprengseln, auch etwas Soul und, pardon, Schlagerhaftem. Aber Rod Stewart singt halt auch eine Schnulze wie „Downtown Train“ so hingebungsvoll und schön, dass man es ihm nie übel nehmen könnte.

Und wenn er auch selbst einer seiner liebsten Songwriter ist, wie er witzelt – kaum einer hat sich Lieder anderer Künstler so zu eigen gemacht wie er. Klar, „The First Cut Is The Deepest“ ist ein Cat-Stevens-Song. Er ist aber auch ein Rod-Stewart-Song.

„You're In My Heart“: Er geht auf Tuchfühlung mit den Fans; die in den grün-weißen Trikots seines Lieblingsvereins Celtic Glasgow haben es ihm besonders angetan. Als dann mal ein BH angeflogen kommt, freut er sich doch sehr – der 71-Jährige ist ein legendärer Blondinenjäger, hat acht Kinder von fünf Frauen.

Vielleicht ist auch das ein Erfolgsgeheimnis: Dieser Rod Stewart ist eben mindestens so sehr Straße und Pub und Fußballplatz wie Buckingham Palace. Schließlich erklingt „Sailing“, alle stehen und singen und schmachten, und es ist überhaupt nicht peinlich. Rod Stewart wünscht den Fans dann schon mal „a merry christmas und a happy new year“.

Zu „Stay With Me“ kickt er Bälle ins Publikum, bei Kartenpreisen von bis zu 175 Euro muss man den Fans schon etwas bieten, es folgt ein Luftballonregen und die Frage aller Fragen: „Da Ya Think I'm Sexy?“ Offenbar ja, noch immer.

„Enjoy Yourself“: Nach gut 20 Songs und eindreiviertel Stunden ist Schluss – leider geht einfach der Vorhang runter. Keine Zugaben, kein echtes Finale, keine letzte Verbeugung. Dieser Abgang war eines Sirs nicht ganz würdig – aber selbst das nimmt man Rod Stewart nicht krumm.

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07.11.2016, 06:00 Uhr

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