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Sitzbänke werden zum Zankapfel
Die Rondelle an der unteren Königstraße sind zum Treffpunkt der Obdachlosenszene geworden. Foto: Ferdinando Iannone
Königstraße

Sitzbänke werden zum Zankapfel

Obdachlose und Trinker sammeln sich zum Unmut von Einzelhändlern an Rondellen.

26.11.2016
  • DOMINIQUE LEIBBRAND

Stuttgart. Wer an diesem Samstag in der Stuttgarter City shoppen geht, dürfte auf Aktivisten treffen, die in der Königstraße ein sogenanntes Sit-in veranstalten. Zu der Protestaktion hat die Fraktionsgemeinschaft SÖS-Linke-Plus aufgerufen, die damit für „Aufenthaltsqualität und gegen soziale Kälte“ demonstrieren möchte. Hintergrund ist ein Streit über die Anordnung der Sitzbänke an der Einkaufsmeile, der schon seit Wochen gärt. Konkret geht es um die vier Bankrondelle am unteren Ende der Königstraße, die zum Treffpunkt für Obdachlose, Trinker, Lagerer und Roma geworden sind. Nach Beschwerden von Händlern und Passanten sollen nun einzelne Sitze aus den Rondellen herausgenommen werden – so dass Grüppchen nicht mehr zusammensitzen können und auch niemand mehr auf den Bänken übernachten kann. Der Bezirksbeirat Mitte und der Sozialausschuss des Gemeinderats haben sich für diese Lösung ausgesprochen. Der Verwaltung obliege nun die Umsetzung, sagt ein Rathaus-Sprecher.

Bezirksvorsteherin in der Kritik

Das versucht SÖS-Linke-Plus mit der Protestaktion zu verhindern. Mit dem Abbau nehme man Menschen die Gelegenheit, „sich ohne Konsumzwang im öffentlichen Raum setzen und ausruhen zu können“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Mitte, Veronika Kienzle (Grüne), ist in der Diskussion in die Kritik geraten, weil sie sich für den teilweisen Abbau engagiert hatte. Zu Unrecht, wie Kienzle selbst sagt. Sie habe sich im Bezirksbeirat sogar dafür eingesetzt, dass die Gesamtzahl der Sitze erhalten bleibe, es solle nur eine Entzerrung stattfinden.

Und dazu steht Kienzle nach wie vor: Der untere Teil der Königstraße sei der Eingang zur Stadtmitte und die dortige Ballung von teils schwierigem Klientel ein Problem für Anrainer und Passanten. Grundsätzlich sei sie der Überzeugung, dass auch eine solche Szene zu einer Stadt dazugehöre, und wer nur dort sitzen wolle, dürfe das natürlich auch. Schwierig seien vor allem jene Personen mit Suchtproblemen, Alkoholiker, die Passanten anpöbelten und Flaschen schmissen oder Bettler, die ausfällig würden, wenn sie kein Geld bekämen. Man müsse die Szene in Bewegung halten, um eine Ballung und die Bildung eines Kriminalitätsschwerpunkts zu verhindern.

Die Chefin der Stuttgarter City-Initiative, Bettina Fuchs, springt der Bezirksvorsteherin bei. Ihre Erfahrung: „Besucher und Gäste fürchten sich, und ältere Personen, die dringend einen Platz zum Sitzen benötigen würden, oder Mütter mit Kinderwagen fühlen sich in einem solchen Umfeld nicht unbedingt sicher und wohl und verzichten dann auf einen Besuch in der Stadt.“ Ein vernünftiges Konzept zu finden, sei daher sinnvoll. Wie das genau aussehen soll, darauf hat man sich noch nicht festgelegt. Entweder wird aus den Rondellen jeder zweite Sitz herausgenommen und an einem anderen Ort wieder angebracht. Kostenpunkt: 13 500 Euro. Oder die Rondelle werden komplett abgebaut und als Einzelsitze wie auf der restlichen Königstraße wieder aufgestellt. Das würde mit 40 000 Euro zu Buche schlagen. Dominique Leibbrand

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26.11.2016, 06:00 Uhr

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