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Skepsis nach Zuckerbergs Entschuldigung
Damals lief es für ihn noch deutlich entspannter: Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf einer Innovationskonferenz 2016. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Datenskandal

Skepsis nach Zuckerbergs Entschuldigung

Die Einlassungen des Facebook-Gründers bringen keine Ruhe in die Debatte. Grünen-Politikerin Künast fordert sogar eine Zerschlagung des Netzwerks.

23.03.2018
  • MICHAEL GABEL

Berlin. Trotz der Entschuldigung von Facebook-Chef Mark Zuckerberg im Skandal um den Missbrauch von Nutzerdaten bezweifeln Experten, dass das Unternehmen ernsthaft Konsequenzen ziehen will. Der frühere Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung, Peter Schaar, sagte, mit Einsicht habe die zur Schau gestellte Zerknirschtheit nichts zu tun. Den Hauptgrund für den Gang Zuckerbergs an die Öffentlichkeit sieht er darin, dass die Aktie „innerhalb von weniger als zwei Tagen mehr als 50 Milliarden Dollar an Wert verloren“ habe.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Renate Künast forderte drastische Konsequenzen. Geschäftsbereiche wie Whatsapp und Instagram sollten von Facebook abgespalten werden, sagte sie der SÜDWEST PRESSE. „Das würde einen Marktmissbrauch auch strukturell verhindern.“ Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) teilte mit, dass sie Manager von Facebook Europe für die kommende Woche einbestellt habe, um zu erfahren, wie das Unternehmen auf den Skandal reagiere.

Zuvor hatte Mark Zuckerberg in einem Fernsehinterview zu Berichten Stellung genommen, nach denen das Unternehmen Cambridge Analytica über die App-Funktion persönliche Informationen von 50 Millionen Facebook-Mitgliedern abgeschöpft und daraus Persönlichkeitsprofile für den US-Wahlkampf angefertigt habe. Er sei „letztlich dafür verantwortlich, was auf unserer Plattform geschieht“, räumte er ein.

Sein Unternehmen habe Fehler begangen und das Vertrauen seiner weltweit rund zwei Milliarden Nutzer missbraucht. Man wolle aber „aus dieser Erfahrung lernen“. So will Facebook die Datenabschöpfung durch Apps erschweren. Die Nutzer sollen eine deutlich sichtbare Funktion bedienen können, die ihnen anzeige, welchen Apps sie die Verwendung ihrer Daten erlaube.

Ministerin Barley gehen solche Maßnahmen nicht weit genug. Facebook-Mitglieder sollten künftig vollständig selbst entscheiden können, wie viel sie von sich preisgeben, sagte sie. Klar sei, dass Nutzer von sozialen Netzwerken für die an sich kostenlosen Dienste mit ihren Daten bezahlen. „Das heißt aber nicht, dass das uferlos geschieht.“

Eine Verbesserung erhofft sie sich vom ab Mai geltenden neuen EU-Datenschutzrecht, das in extremen Fällen Strafen in Milliardenhöhe vorsieht. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) kündigte darüber hinaus an, dass eine „in Kürze“ einzusetzende Ethikkommission auch in Deutschland ein modernes Datenrecht erarbeiten soll. Michael Gabel

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23.03.2018, 06:00 Uhr

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