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Fliegen mit dem Flow

Skispringen: Weltcupgewinner Severin Freund mit neuen Zielen

Olympiasieger, Weltmeister und Gesamtweltcupgewinner ist Severin Freund schon. Nur ein Erfolg bei der Vierschanzentournee fehlt dem besten deutschen Skispringer noch in seiner Sammlung.

20.11.2015
  • MANUELA HARANT

Ulm Ruhig, und immer noch fast ein wenig schüchtern wirkt es, wenn Severin Freund vor der Journalistenschar steht, die ihn vor dem Start in die Skisprung-Saison über Vergangenheit und Zukunft ausfragt. Der 27-Jährige ist der stille Held der vergangenen Wintersaison. Erst als Dritter nach Jens Weißflog und Martin Schmitt gelang es dem smarten Niederbayern, den Gesamtweltcup im Skispringen nach Deutschland zu holen. Hauchdünn, punktgleich mit dem Slowenen Peter Prevc, gewann Freund die große Kristallkugel aufgrund der höheren Anzahl an gewonnenen Einzelwettbewerben.

Statt anschließend wie Vorgänger Schmitt zum Werbe- und Medienstar aufzusteigen, machte Freund erst einmal eines: Urlaub. Weit weg von allem, in Thailand und Myanmar. "Ich habe vielleicht ein bisschen mehr Zeit gebraucht als die Jahre zuvor, um das sacken lassen zu können und nicht von Termin zu Termin zu hetzen, um dann im Sommer festzustellen: Jetzt bin ich durch, ich bräuchte noch eine Pause", sagt der beste deutsche Skispringer seit Sven Hannawald.

Denn Severin Freund ist kein Senkrechtstarter wie Schmitt und Hannawald, deren Karrieren ebenso steil nach oben wie nach unten gegangen sind. Freund ist gekommen, um zu bleiben, und so hat er sich alles hart erarbeitet: Vom ersten Weltcup-Sieg 2011 in Sapporo über den WM-Titel im Skiflug 2014 bis zum Mixed- und Einzel-Gold bei der WM in Falun in der vergangenen Saison machte der Vorzeigespringer des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) jedes Jahr einen Schritt nach vorne.

Und trotzdem kann Severin Freund noch besser werden, das weiß er selbst: "Gerade wenn es sehr gut gelaufen ist, darf man sich nicht darauf verlassen, das zu wiederholen. Sondern man muss sich neue Ziele suchen", sagt der Rastbüchler, und zielt dabei in der neuen Saison, die an diesem Wochenende mit dem Team- und Einzelspringen in Klingenthal startet, auf eines ab: die Vierschanzentournee, eine Art "Angstwettbewerb" von Severin Freund in den vergangenen Jahren. Von Tiefstapelei bis Kampfansage hat es der DSV-Adler, der für Bundestrainer Werner Schuster ein "Riesengeschenk" ist, mit allen möglichen Herangehensweisen versucht, das Ergebnis war immer dasselbe: Freund gelang es nie, seine gute Frühform in die Weihnachtsferien zu retten.

Deshalb hat Severin Freund für sich erkannt: "Man kann vieles im Sport kontrollieren, aber eben nicht alles. Du kannst das Gefühl haben: Heuer bin ich wirklich zehn Schritte weiter, und es geht im ersten Wettkampf schlechter als das Jahr zuvor." Auch wenn ein Tournee-Erfolg neben dem Olympiasieg noch der einzige Einzeltitel ist, der Severin Freund fehlt, werde er nicht sein Glück davon abhängig machen. Stattdessen hat er dieses Gottvertrauen, dass harte Arbeit auch irgendwann belohnt wird: "Wenn du in der Form bist und wenn die Zeit reif ist, dann wird's auch passieren."

Die Erfahrung lehrt den Ausnahmekönner: "Man muss in den Flow kommen. Je öfter man in dem Flow war, desto einfacher ist es, auch dahin zurückzufinden." Und Flow-Zustände hatte Severin Freund zuletzt ja einige. Sie zu konservieren und auf die Schanze zu bringen gilt es vom heutigen Freitag an, wenn er zum ersten Mal wieder fliegen wird - der Ruhepol aus Rastbüchl.

Skispringen: Weltcupgewinner Severin Freund mit neuen Zielen
In der Ruhe liegt die Kraft: Severin Freund ruht vor dem Auftakt in die Skisprung-Saison in sich. Foto: dpa

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20.11.2015, 12:00 Uhr

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