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Lotto-Multimillionär

So ein Geldsegen bringt „einen kurzen Kick“

Ein Tipper aus dem Schwarzwald hat 90 Millionen Euro gewonnen. Experten sagen, welche Chancen und Risiken mit solch einem Gewinn verbunden sind.

17.10.2016
  • ANTONIA LANGE, DPA

Stuttgart. Ein Haus, ein Auto oder einen Karibikurlaub – von einem Lottogewinn kann man sich vieles leisten. Ein Tipper aus dem Schwarzwald kann sich jetzt 100 Häuser, einen ganzen Fuhrpark und eine Karibikinsel leisten und hätte noch Geld übrig. Er oder sie hat 90 Millionen Euro im Lotto gewonnen. Verkraftet man so einen Gewinn? Und wie?

„Da ist das Entscheidende: Bleibt er auf dem Boden?“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler und Politologe Max Höfer. Er hat an dem Glücksatlas mitgearbeitet, der jedes Jahr vorgestellt wird, und kennt die Kriterien, die glücklich machen. „Geld verbessert nur bis zu einer gewissen Mindestgröße die Lebenszufriedenheit.“ Bei 90 Millionen Euro sei die längst überschritten, auch wenn man das Geld mit Mittippern teilen müsste.

60 000 Euro im Jahr seien der Betrag, bis zu dem Geld tatsächlich glücklich machen kann, sagt Höfer. „Jeder zusätzliche Euro bringt kaum mehr Lebenszufriedenheit.“ Überhaupt bedeute ein unverhoffter Geldsegen nur „einen kurzen Kick“. Danach gewöhne man sich an das vermeintliche Glück.

„Man muss damit umgehen können“, sagt Höfer. So ein hoher Betrag sei „Fluch und Segen.“ Man könne „den Fehler machen“, sein gewohntes Umfeld zu verlassen – Familie, Freunde, Kollegen. Unter Freunden werde sich „ein gewisser Neideffekt einstellen“. Und wer aufhöre zu arbeiten, dem fehle unter Umständen der tägliche Sinn. Aber das würde einer Umfrage zufolge eh nur jeder Siebte tun.

Die Lotto-Gesellschaft kennt solche Probleme und bietet Großgewinnern Hilfe an. Dabei geht es nicht um die beste Kapitalanlage, sondern um das Verhalten nach dem geknackten Jackpot.

„Die meisten Gewinner sind sehr bodenständig“, sagt Mathias Yagmur, der Sprecher von Lotto Baden-Württemberg. Für die erste Zeit rate man ihnen: „Behalten Sie Ihr Geheimnis für sich, so lange es geht.“ Auch mit dem Kauf von Luxusgütern solle man warten und sich erst einmal überlegen, was man tun könnte und will.

„Geld schafft eine gewisse Freiheit“, sagt der Glückforscher Karlheinz Ruckriegel von der Technischen Hochschule Nürnberg. „Aber die muss man auch nutzen.“ Ein Ehrenamt etwa sei für viele Menschen sehr glücksstiftend, ebenso Zeit für soziale Beziehungen und dafür, etwas für seine Gesundheit zu tun. Wer das Geld dafür nutze, könne sehr davon profitieren.

Auch Ruckriegel rät, zu schweigen. „Ich würde die Information nicht rausposaunen, sondern erst überlegen, wie ich mit dem Geld umgehe.“ Antonia Lange, dpa

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17.10.2016, 06:00 Uhr

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