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Mit Engelszungen

So gefährlich wie ein Marsriegel

Sie verstopfen das Flusensieb der Waschmaschine, verteilen sich frech in jeder Fugenritze und sind selbst nach fast drei Monaten Winterpause noch im Bad verstreut. Granulat-Kugeln.

16.11.2016
  • Maik Wilke

Und nun auch noch das: Die kleinen schwarzen Autoreifen-Überreste, die auf Kunstrasen-Plätzen liegen, verunreinigen nicht nur die Wohnung – sie sollen sogar krebserregend sein.

In den Niederlanden wurden deshalb vor einigen Wochen etliche Granulatplätze gesperrt, die Fußballer setzten aus. Der Erreger, vor dem Toxikologen warnten: Styrene Butadiene Rubber (SBR) – der Kautschuk, der sich tonnenweise über die Sportplätze verbreitet hat. In ihm tummeln sich polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) – und diese sollen den Experten nach krebserregend sein.

Natürlich gaben etliche andere Experten bereits Entwarnung: Die Dosis, bei der tatsächlich Gefahr drohe, werde bei Fußballern niemals erreicht. Eine gute Nachricht, bei der hunderte Kreisliga-Kicker heftig durchatmeten. Noch etwas scheu sollen auch die zahlreichen Fußballer in Stadt und Landkreis Reutlingen, die alle auf Kunstrasen spielen, diese Woche wieder trainiert haben.

Doch die anderen Gefahren auf dem Fußballplatz sind damit keineswegs gebannt. Kommt ein Spieler beim Rutschen über die Außenlinie mit billiger Kreide in Kontakt, könnte dem Körper Magnesium entzogen werden – Nervosität und Krämpfe drohen. Außerdem sind die Torpfosten schmerzhafte Prellböcke, wenn die Grätsche mit gespreizten Beinen zu spät abgebremst wird. Stärkt sich ein Fußballer vor dem Anpfiff noch mit einem Mars-Riegel, droht dank kleiner Plastikteile sogar Erstickungsgefahr.

Doch für all diese Gefahren gibt’s einfache Lösungen. Mit einer 7-ner Packung Dextro-Energie vor dem Spiel dürfte der Haushalt an Erdalkalimetallen ausreichend gefüllt sein. Um die harten Pfosten zu entschärfen, reichen Schaumgummi-Polster und statt Schokoriegel gibt’s vor Spielbeginn eben einen Frucht- und Nussriegel von Alnatura.

Kurzum: Die Diskussion um gesundheitsschädliches Granulat wird geführt, seit die Sportvereine mehr Kunst- als Naturrasen bauen. Ohne Ergebnis, ohne Auswirkungen. Dass sich niederländische Forscher über Plastikpfeifen für Schiedsrichter im Amateursport aufregen, wird sicher noch kommen. Zumal die Unparteiischen diese fast schon fahrlässig auch noch in den Mund nehmen.

Einen Vorteil hat die Diskussionen über krankheitserregendes Granulat allemal: Die Gefahr durch die krankheitserregenden schwarzen Gummischnipsel im Hinterkopf, bereitet die Blutgrätsche, die der Gegner liebevoll auf Kniehöhe angesetzt hat, schon deutlich weniger Schmerzen.

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16.11.2016, 01:00 Uhr

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