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So glücklich war ich noch nie

Nach seiner "Hochstapler"-Doku blickt Regisseur Alexander Adolph nun in den seelischen Abgrund eines fiktiven Betrügers.

Nach seiner "Hochstapler"-Doku blickt Regisseur Alexander Adolph nun in den seelischen Abgrund eines fiktiven Betrügers.

Deutschland

Regie: Alexander Adolph
Mit: Devid Striesow, Nadja Uhl, Jörg Schüttauf, Floriane Daniel

- ab 12 Jahren

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23.11.2015
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Sein ganzes erwachsenes Leben hatte Frank Knöpfel nur eins im Sinn: leichtgläubigen Menschen mit kleinen Tricks und großem Nepp das Geld aus der Tasche zu ziehen. Vier Jahre saß er deswegen hinter Gittern. Frisch entlassen, will der notorische Bauernfänger jetzt in die Ehrbarkeit durchstarten. Bei seinem Bruder (Jörg Schüttauf) findet er ein Zimmerchen, bei der Firma Blitzputz einen Job. Aber schon bald schimmert durch: einer wie Frank kann so nicht leben.

Vor drei Jahren porträtierte Regisseur Alexander Adolph in seinem Dokumentarfilm „Die Hochstapler“ vier Männer, die den Betrug zum Beruf gemacht und dabei höchstes handwerkliches Geschick entwickelt haben. Nun spinnt er das Thema anhand einer fiktiven Figur fort, die sichtlich von seinen damaligen Gewährsleuten inspiriert ist. Zusammen mit dem famosen Hauptdarsteller Devid Striesow („Yella“) unternimmt er nunmehr den Versuch, einem solchen Menschen noch ein bisschen tiefer in die Seele zu blicken.

Der Befund: Der Reichtum, dem ihm seine Betrügereien einbringen, spielt für Frank eine nachrangige Rolle. Mit dem ergaunerten Geld weiß er nicht viel mehr anzufangen, als es gleich wieder auszugeben, es zu verschenken oder in den nächsten Coup zu investieren. Als er beim Putzen ein prall gefülltes Portemonnaie findet, empfände er einen Diebstahl als weit unter seiner Würde.

So glücklich war ich noch nie

© null 02:04 min

Vielmehr ist es eine tiefe innere Leere, die ihn ständig antreibt, über sein eigenes kleines Ich und das Grau des Alltags hinauszuwachsen. So zwanghaft wie lustvoll schlüpft er aus seiner als schäbig empfundenen Haut in die Identität eines Fremden. Meist gelingt ihm das so überzeugend, dass ihm seine Beutetiere, deren Sehnsüchte und Schwächen er intuitiv erspürt, blindes Vertrauen schenken.

Nebenbei erzählt der unaufdringlich mit tragischen und komischen Momenten jonglierende Film auch eine Liebesgeschichte. Frank verknallt sich in eine Hure und inszeniert, um sich selbst nicht öffnen zu müssen, sogleich das übliche Lügengespinst. Doch im Gegensatz zu seinen von Gier verblendeten Standardopfern lässt sich diese beruflich mit Schmierenkomödie vertraute Frau (Nadja Uhl) nicht aufs Glatteis führen. Ihr Beharren auf Aufrichtigkeit könnte Frank einen Weg aus dem Teufelskreis des (Selbst-)Betrugs weisen. Am Ende ist er jedenfalls, auch wenn ihn die Polizei schon fast wieder am Wickel hat, so glücklich wie noch nie.

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23.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 21.07.2009, 12:00 Uhr

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