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Kommentar

So wie Rainer kann‘s keiner

Es war einmal ein kleiner Landkreis… So begann OB Peter Rosenberger in der Bürgerversammlung am Donnerstag ein Märchen, in dem er von wachsenden Klinik-Defiziten, Ärztemangel und einer schwierigen Zusammenarbeit der Krankenhäuser berichtete, wovon eines letztlich schließen musste. Seine Geschichte handelte jedoch nicht vom Landkreis Freudenstadt, sondern vom Raum Staßfurt in Sachsen-Anhalt. Von den dortigen 2000 Patienten pro Jahr bekamen die anderen drei Kliniken der Region Salzland offenbar nur 600, die anderen wanderten ab. Ameos hat im Jahr 2011 alle vier Standorte übernommen und 2012 Staßfurt wieder eröffnet – ein in dieser Form einmaliger Vorgang in Deutschland, wie Ameos-Managerin Dr.

15.12.2012

Von Andreas Ellinger

Marina Martini sagte. Die Innere Abteilung des 170-Betten-Hauses wurde auf Lungenerkrankungen spezialisiert. Hinzu kommt ein ambulantes OP-Zentrum, das um ein Kurzlieger-Chirurgie ergänzt werden soll. Zudem ist eine Innere Medizin mit Geriatrie, ein „Qualifizierter Entzug“ und der Ausbau einer psychiatrischen Tagesklinik geplant.

Den Rest des Märchens würde Rosenberger allerdings nicht gerne im Kreis Freudenstadt wiederholt sehen: Gegen den Landrat in der Region Salzland sei eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht worden und es werde geklagt.

Sollte der Freudenstädter Kreistag auf Empfehlung von Landrat Dr. Klaus Michael Rückert jedoch einen ähnlichen Fehler wie der Nachbarlandkreis Rottweil machen, das heißt Ameos abweisen und lieber ein Krankenhaus schließen, dann scheint alles möglich.

Joachim Patig von der Bürgerinitiative „Pro Krankenhaus Horb“ hielt in Vertretung von Daniel Wochner, der aus gesundheitlichen Gründen kaum reden konnte, ein Referat über die Landesentwicklungs- und Regionalplanung, die nahelegen, dass ein Mittelzentrum wie die Stadt Horb eine Akutklinik haben sollte und vor allem ein bestehendes Krankenhaus nicht verlieren sollte, nachdem schon die Kaserne geschlossen wurde. Ein Fazit: Würde der Kreistag das Hospital schließen, würde er Horb als Mittelzentrum infrage stellen. Rechtliche Schritte könnten die Konsequenz sein, wenn der Landrat am Montag die Hospital-Schließung durchgesetzt kriegen sollte.

Die Rolle des Märchenprinzen wird der Landrat allerdings selbst im Falle einer (verspäteten) Kehrtwende nicht mehr bekommen. Nachdem er anders als sein Vorgänger betontermaßen mit dem Anspruch angetreten ist, transparent und vertrauenswürdig zu arbeiten, hat er sich nach gut zwei Amtsjahren in eine Position manövriert, in der er noch unglaubwürdiger wirkt als sein Vorgänger.

Der jüngste kreiskrankenhauspolitische Coup: Der Fragenkatalog des Firma CMK, die im Horber Auftrag das Gutachten des Deutschen Krankenhaus-Instituts prüft, wird größtenteils so beantwortet, dass die Fragen bereits in einem früheren Gespräch geklärt oder im DKI-Gutachten selbst beantwortet worden seien. Wenn dem so wäre, hätte die KLF-Führung die angeblich mündlich gegebenen Antworten nur schriftlich wiederholen zu brauchen, um für Transparenz zu sorgen – hat sie aber nicht.

Ein anderes Märchen hat unterdessen im Kreis Ravensburg begonnen, wo Ex-KLF-Boss Rainer Schmidhuber nach Berichten der „Schwäbischen Zeitung“ in CMK-Manier vor einer Schließung der Kliniken Isny und Leutkirch warnt: „Wenn die Krankenhäuser einmal raus sind, gehen sie nie mehr ans Netz.“ Eine leere Klinik sei „kein brauchbarer Ort“ für ein Medizinisches Versorgungszentrum. Generell berge die Schließung Risiken. Der Förderverein „Pro Krankenhaus Leutkirch“ dankt es Gutachter Schmidhuber. Als seine KLF-Vergangenheit zur Sprache kam, nahm ihn Leutkirchs OB Hans-Jörg Henle, der früher in Haiterbach bürgermeisterte, laut „Schwäbischer“ in Schutz: „Schmidhuber ist elf Jahre in Freudenstadt betriebswirtschaftlich erfolgreich gewesen“ – er sei nur im Streit um die Kliniken in Horb und Freudenstadt „zwischen die Fronten geraten“. Und wenn er nicht wieder Geschäftsführer ist, begutachtet er noch heute…

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Erstellt:
15. Dezember 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Dezember 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Dezember 2012, 12:00 Uhr

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