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Söder stellt sich gegen seinen Parteichef
Wer sagt, wo es lang geht? Horst Seehofer und Markus Söder sind sich uneins. Foto: fOTO. DPA
München

Söder stellt sich gegen seinen Parteichef

Horst Seehofer strebt an, den Vorsitz der Christsozialen vom Amt des bayerischen Ministerpräsidenten zu trennen. Sein ehrgeiziger Finanzminister widerspricht.

18.10.2016
  • PATRICK GUYTON

München. In der CSU ist ein offener Streit ausgebrochen über die Frage, mit welcher Aufstellung die Partei in die Bundestagswahl 2017 und in die bayerische Landtagswahl 2018 zieht. Bayerns Finanzminister Markus Söder widersprach gestern in einem Interview dem Parteichef und bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und sagte, die Kraft der CSU liege in der „Vereinigung der Spitzenämter“. Gemeint sind die Ämter des Parteivorsitzenden und des Regierungschefs in München.

Das ist ein Affront gegenüber Seehofer. Denn der strebt an, dass 2017 der Parteichef auch als starker Minister im Bundeskabinett vertreten ist – entweder vor oder nach der Bundestagswahl. Das heißt aber, dass der Vorsitzende nicht Ministerpräsident in Bayern sein kann. Seehofers Äußerungen werden als Angriffe gegen Söder gewertet. Er möchte offenkundig verhindern, dass der ehrgeizige Franke beide Ämter erhält.

Söder hingegen sagt: „Meine Mission ist Bayern.“ Schon seit Jahren lässt er keinen Zweifel daran, dass er beide Ämter anstrebt. Fleißig sammelt er in der CSU-Landtagsfraktion Sympathien und versucht, Unterstützer zu gewinnen. Er hat dort eine starke Stellung – auch weil er als Gegenpol zum allmächtigen Seehofer gesehen wird, dessen Alleingänge und Kursänderungen die Parlamentarier mitunter vor den Kopf stoßen. Söder beruft sich auch auf den CSU-Übervater Franz-Josef Strauß und meint, die Parteivorsitzenden seien „Titanen der CSU“. Das Amt werde nur demjenigen gegeben, „der die Unterstützung der Parteibasis hat“. Das darf durchaus auch als Drohung gegenüber anderen Aspiranten gewertet werden. Nun muss sich Söder, wenn es drauf ankommt, entweder gegen Seehofer stellen oder sich der Vorgabe fügen, dass die Ämter künftig getrennt werden.

Soll Herrmann nach Berlin?

Wenn sich Seehofer durchsetzt, dann wäre Bayerns Innenminister Joachim Herrmann eine Alternative für den Parteivorsitz und einen Ministerposten in Berlin. Seehofer würde dann wie geplant bis 2018 in München bleiben und könnte dann an Söder oder an jemand anderen übergeben. Infrage käme auch Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, der man den Job in München ganz gut zutrauen würde, nicht aber eine herausragende Position in Berlin. Dort würde es ihr an der nötigen Verhandlungshärte fehlen, um sich immer wieder mit SPD und CDU anzulegen.

Den CSU-Parteitag in zweieinhalb Wochen dürfte der Führungsstreit noch nicht wesentlich belasten. Offen ist aber, inwieweit es zu Auseinandersetzungen oder Kampfkandidaturen bei einem möglichen Sonderparteitag im Frühsommer 2017 kommt. Dieser wäre nötig, wenn Seehofer sich zurückzieht. Als nicht ganz undenkbar gilt indes auch die Variante, dass er als Parteichef noch einmal verlängert und selbst ins Bundeskabinett einzieht.

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18.10.2016, 06:00 Uhr

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