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Deutschland gibt sich die Bohne

Soja-Anbau boomt, muss aber noch ausgeweitet werden - China kauft Markt leer

Nicht Veganer essen hierzulande die meisten Sojabohnen, - sondern Tiere. Agrarexperten sind sich einig: Der Anbau muss ausgeweitet werden.

14.11.2015
  • DPA

Hannover Der Messestand von Florian Büttner ist gut besucht. Minütlich bleiben Interessierte stehen und betrachten fachsimpelnd die Sojapflanzen, die links und rechts neben dem Infostand aufgebaut sind. "Die Nachfrage vonseiten der Landwirte bei uns ist sehr gut", erklärt der Unternehmer aus der Nähe des bayerischen Schweinfurt.

Büttner verkauft Soja-Saatgut. Bei der Agrartechnikmesse "Agritechnica" in Hannover möchte er Kunden gewinnen. Denn in Deutschland boomt derzeit der Anbau der Sojapflanzen, Nutztiere brauchen die Eiweißquelle.

Nachdem 2012 bundesweit auf rund 5000 Hektar Soja angebaut wurde, stand die Sojabohne in diesem Jahr mit 17 000 Hektar auf mehr als dem Dreifachen dieser Fläche. In Form von Sojaschrot fressen vor allem Hühner und Schweine den Großteil der importierten Hülsenfrüchte.

Deutschland führt laut der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) jährlich 3,6 Mio. Tonnen Sojabohnen und bis zu 1,5 Mio. Tonnen Sojaschrot ein. Die größten Lieferantenländer sind Brasilien, die USA und Argentinien.

"Deutschland muss mehr Soja anbauen, um die Versorgung der Nutztiere mit Futter zu sichern", erklärt Sojanetzwerk-Berater Jürgen Unsleber, der Landwirte zum Anbau der Pflanzen informiert. "China kauft den Weltmarkt leer." Zwei Drittel des weltweit gehandelten Sojas werden laut LfL nach China geliefert. Bisher habe man sich in Deutschland auf die Importe vom amerikanischen Kontinent verlassen, erklärt Unsleber. Nun merke Europa, dass auch hier mehr Soja angebaut werden muss.

Derzeit liegt der Soja-Selbstversorgungsgrad der EU nach Angaben der LfL bei rund 3 Prozent. Für deutsche Äcker biete der Anbau von Soja nach Ansicht Unsleber Vorteile: "Die Sojapflanzen sammeln Stickstoff aus der Luft. Zusätzlicher Dünger ist deshalb kaum nötig."

Es gibt allerdings auch Kritik am Sojaanbau. Werden etwa Wälder in Südamerika für den Anbau von Tierfutter wie Soja abgeholzt, wird Kohlendioxid aus Bäumen und Böden freigesetzt. Erst vor kurzem kritisierte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter bei einem Besuch in Brasilien außerdem den umfangreichen Pestizideinsatz. Brasilien sei deswegen kein verlässlicher Partner. Es würden toxische Pestizide wie Glyphosat im großen Stil eingesetzt. Oft könnten in der Region nur noch gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen. Hofreiter forderte ein Zertifizierungssystem für Tierfutter, ähnlich wie bei Bio-Treibstoff.

Soja-Anbau boomt, muss aber noch ausgeweitet werden - China kauft Markt leer
Deutschland baut zu wenig Soja an. Foto: Fotolia

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14.11.2015, 12:00 Uhr

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