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Photovoltaik

Solarenergie aus Balkonien

Dank kleiner Module können auch Mieter Sonnenenergie beziehen. Was sie über Ertrag, Kosten und Vorschriften wissen sollten.

27.02.2020

Von MAXIMILIAN HALLER

Eine eigene Photovoltaikanlage auf dem Dach? Für Mieter oft unmöglich. Theresa Volk aus Offenhausen hat sich stattdessen für eine Mini-PV entschieden. Noch lehnt diese an der Wand, schon bald soll sie jedoch an der Außenseite des Balkons montiert werden. Foto: Maximilian Haller

Offenhausen. Für manche ist sie eine Geldanlage, für andere ein kleiner Beitrag zur Energiewende. Wieder andere wollen unabhängig von großen Energieversorgern sein. Es gibt unterschiedliche Gründe, in eine Photovoltaikanlage (PV) zu investieren. Für Menschen, die zur Miete wohnen, kommen auf dem Dach installierte Anlagen oft nicht in Frage. Theresa Volk von der Regionalen Energieagentur Ulm hat sich stattdessen für ein Modul für ihren Balkon entschieden. Doch lohnt sich diese steckerfertige Mini-PV genannt?

Wie viel Strom erzeugt eine Mini-Photovoltaikanlage? Im Schnitt erzeugt ein Modul, auf dem 60 Solarzellen befestigt sind, im Jahr rund 250 Kilowattstunden Strom. „Im Winter generiert die Anlage allerdings höchstens 80 Watt – und das auch nur an sonnigen Tagen“, erklärt Volk. Allerdings wird der Ertrag durch Verschattung beeinflusst. Bei Volk wird der untere Teil durch das Geländer ihres Balkons verdeckt, da die Solaranlage momentan an die Wand gelehnt ist. Das soll sich ändern, sobald die Anlage an der Außenseite des Balkons installiert ist. Die Mini-PV erzeugt Gleichstrom, der mit einem Wechselrichter in Wechselstrom umgewandelt wird. Eine Einspeisung an das allgemeine Stromnetz ist bei Mini-PV in der Regel nicht möglich. „Das ist auch gar nicht Sinn und Zweck der Sache“, sagt Volk. Vielmehr gehe es darum, den eigenen Grundverbrauch zu senken. „Wir verbrauchen zu zweit etwa 3000 Kilowattstunden im Jahr; durch die Balkon-Solaranlage senken wir den Verbrauch auf 1000 Kilowattstunden.“ Im Alltag bedeutet das, dass durch die erzeugte Energie die Grundlast in dem Zweipersonenhaushalt abgedeckt werden kann; dazu gehören Kühl- und Gefrierschrank. „Sobald wir aber den Fernseher oder den Abzug im Bad anschalten, reicht der Solarstrom nicht mehr aus.“

Wie hoch sind die Kosten? Im Vergleich zu einer klassischen Solaranlage, die je nach Größe zwischen 5000 und 13 000 EUR kosten kann, liegt die Balkon-Version bei 500 bis 600 EUR. Die Installation der Anlage ist inbegriffen. Nach rund 10 Jahren haben sich die Kosten laut Volk amortisiert. Trotz des vergleichsweise geringen Kaufpreises rät sie, einen Vergleich verschiedener Hersteller und Anbieter einzuholen.

Welche gesetzlichen Regelungen gibt es? Solange der Vermieter beziehungsweise die Wohnungseigentümergemeinschaft kein Okay gibt, darf keine Solaranlage auf dem Dach installiert werden. Da es sich bei einem Modul wie dem von Theresa Volk jedoch nicht um eine bauliche Veränderung der Wohnung handelt, sei auch kein Einverständnis des Vermieters notwendig. „Für Mieter ist eine Balkon-Photovoltaikanlage oft die einzige Option, selber Sonnenenergie zu tanken“, erklärt Tina Schwenk von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Ottmar Wernicke vom Verein Haus und Grund Württemberg empfiehlt dennoch grundsätzlich, auch Mini-PV mit dem Vermieter abzuklären: „Alles was fest verbunden und sichtbar ist, greift in die Substanz des Gebäudes ein.“

Wo gibt es Informationen? Wer installiert die Anlage? Bisher sind Mini-PV viel weniger verbreitet als ihre großen Geschwister. Dementsprechend wenig Infomaterial steht zur Verfügung. „Ich musste mich selber aktiv informieren“, berichtet Volk. Im Bereich Energieberatung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gehen seit vergangenem Jahr jedoch vermehrt Anfragen ein – vor allem seit der im Mai 2018 veröffentlichten Vornorm. Durch sie ist es möglich, PV-Anlagen auch in einen vorhandenen Endstromkreis einzubinden.

„Das Modul sollte man aber auf jeden Fall von einem Elektriker installieren lassen“, findet Theresa Volk. Sie empfehle zudem, Mini-PV direkt über Elektriker oder Anbieter großer PV-Anlagen anzufragen, „und sie nicht einfach irgendwo im Internet zu kaufen“. Wichtig ist zudem, die steckerfertige Anlage nicht an eine Haushaltssteckdose anzuschließen, sondern eine spezielle Energiesteckdose zu nutzen.

Eine kleine bürokratische Hürde gibt es ebenfalls: Die Module müssen bei der Bundesnetzagentur und beim Netzbetreiber angemeldet werden. Theresa Volk hat das in Kauf genommen: „Es ist ja auch kein Riesenaufwand.“

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Erstellt:
27. Februar 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
27. Februar 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2020, 06:00 Uhr

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