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Solarstrom im Keller speichern statt ins Netz einspeisen
Michael Kling von den Rottenburger Stadtwerken (links) und Christoph Hahn von der Hechinger Firma Techmaster zeigen den Wechselrichter (rot) und die eigentliche Batterie (schwarz) im Keller unterm Freibad-Kiosk.Bild: Hahn
Pilotprojekt

Solarstrom im Keller speichern statt ins Netz einspeisen

Die Rottenburger Stadtwerke testen, ob sich Batterien für Privathaushalte lohnen.

30.12.2016
  • Michael Hahn

Martin Beer, der Chef der Stadtwerke, fasst das Dilemma so zusammen: „Die Sonne scheint mittags, aber meistens braucht man den Strom abends.“ Wer also eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach hat, der produziert tagsüber mehr Strom, als er selbst verbraucht. Die meisten privaten Erzeuger speisen diesen Überschuss ins allgemeine Stromnetz ein – und erhalten dafür einen schönen Batzen Geld (dank der Subvention durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz). Wenn dann abends Herd, Spülmaschine und Fernseher laufen, dann kauft man sich den Strom zum niedrigen Preis aus dem Netz zurück – beispielsweise von den Stadtwerken.

Doch die lukrative Einspeise-Vergütung ist auf 20 Jahre befristet. In den nächsten Jahren werden immer mehr Solarzellen-Besitzer aus der Förderung herausfallen. Dann wird es sich kaum noch lohnen, den Strom ins Netz einzuspeisen. Martin Beer: „Der Eigenverbrauch wird interessanter als das Einspeisen.“ Doch dazu muss die Häuslesbesitzerin ihren Strom auch bis zum Abend speichern können.

Ob diese Rechnung aufgeht, das testen die Stadtwerke derzeit in einem firmeneigenen Gebäude: dem Freibad-Kiosk mit der darüber liegenden Bademeister-Wohnung. Auf dem Flachdach stehen 34 Solarmodule, und im Waschkeller hängen zwei reisekoffergroße Kästen: ein Wechselrichter und eine Batterie (Lithium-Ionen) . Seit zwei Monaten sind sie im Betrieb.

Michael Kling, der Vertriebsleiter der Stadtwerke, will nun am Beispiel dieses (nicht repräsentativen) Drei-Personen-Haushalts herausfinden: Wie groß muss eine solche Anlage sein? Wann wird wie viel Strom produziert, gespeichert und verbraucht?

Für November liegen die Daten vor: Die Solar-Anlage hat 156 Kilowattstunden produziert. Davon wurde etwa ein Drittel ins Netz eingespeist, und zwei Drittel wurden im Haus verbraucht, teilweise direkt, teilweise nach Zwischenspeicherung in der Batterie (rund 40 Kilowattstunden). Tröstlich für die Stadtwerke, die ja weiterhin ihren Strom verkaufen wollen: 185 Kilowattstunden musste die Bademeisterfamilie trotz eigener Solaranlage aus dem Netz beziehen – aber der November war eben auch ein trüber Monat.

Mit den gesammelten Erfahrungen will Vertriebsleiter Kling für ein neues Angebot werben: Die Stadtwerke wollen „in ein oder zwei Jahren“ solche Batterien an Häuslesbauer verkaufen oder vermieten, die sich eine Solaranlage aufs Dach montieren lassen. Derzeit kostet eine Anlage rund 15000 Euro (inklusive Montage), aber Batterien werden immer billiger.

Die Betreuung würden dann die Stadtwerke „als Dienstleistung anbieten“, sagt Stadtwerke-Chef Beer. Denn die Anlage muss auch regelmäßig gewartet und (übers Internet) kontrolliert werden. Und die Stromabrechnung mit Einspeisung und Rückkauf wird immer komplizierter.

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30.12.2016, 01:00 Uhr

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