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Kommentar Bundeswehr beim Berufsinformationstag

Soldat – kein Beruf wie jeder andere

Ursula von der Leyen will die Bundeswehr für junge Leute attraktiver machen – mit mehr Sold und weniger Arbeitszeit. Doch ist fraglich, ob sie damit den Kern der Sache trifft. Ihr Vorstoß erinnert mich an den Berufsinformationstag (BIT) vor kurzem im Tübinger Landratsamt. Vor großen Bildtafeln mit Aufschriften wie „militärische Karriere“ oder „Im Team für Deutschland“ entdeckte ich zwei Offiziere der Bundeswehr, die sich mit Schülern unterhielten und Werbebroschüren verteilten.

21.10.2014

Dutzende Firmen, öffentliche Einrichtungen – und eben auch die Bundeswehr – stellten ihre Ausbildungsangebote vor. Hunderte Jugendliche drängten sich durch die engen Gänge, vorbei an den vielen Infotischen. Kaum zu übersehen waren die beiden uniformierten Militärs. Ihr mildes Lächeln wurde von den im Hintergrund befindlichen Bildern von Soldaten in voller Kampfmontur kontrastiert.

Ein etwa 15-jähriger Junge fragte einen der Offiziere, wie groß das Risiko sei, in Afghanistan getötet zu werden. Er räumte ein, dass dieses Risiko durchaus bestehe. „Aber“, fuhr er fort, „du kannst schließlich auch als Dachdecker arbeiten und durch einen Sturz vom Gerüst sterben.“ Auf meine Frage, weshalb sich in den Broschüren keine Hinweise auf die besonderen Berufsrisiken finden, entgegnet der Bundeswehroffizier lakonisch: „natürlich nicht!“. Schließlich handele es sich dabei ja um Werbematerial. Die Bundeswehr ist sichtlich darum bemüht, für junge Menschen attraktiv zu sein. So ist sie nicht nur auf Ausbildungsmessen vertreten, sondern schickt auch Jugendoffiziere an Schulen, wo diese mitunter eigenständig den Unterricht gestalten.

Unlängst warb die Bundeswehr sogar in der Zeitschrift Bravo für ein „Adventure-Camp“ am Strand von Sardinien. Doch sollten Jugendliche den Dienst an der Waffe als etwas Selbstverständliches erleben? Immerhin gehört die Gefahr, getötet zu werden oder andere Menschen töten zu müssen, unweigerlich zum Soldatenberuf.

Die zunehmende öffentliche Präsenz der Bundeswehr muss indes in einem größeren Kontext gesehen werden. Seit der Aussetzung der Wehrpflicht muss die Bundeswehr selbst für Nachwuchs sorgen. Zudem ist das deutsche Militär inzwischen in 18 Auslandseinsätzen aktiv. Gleichwohl steht die Bevölkerung Kriegseinsätzen mehrheitlich kritisch bis ablehnend gegenüber. Daher ist es für die Bundeswehr offenkundig wichtig, ein positives Image zu pflegen.

Solche öffentlichen Auftritte können jedoch einer schleichenden Militarisierung der Gesellschaft und insbesondere der Jugend Vorschub leisten. Denn junge Menschen sind häufig nicht in der Lage, die Tragweite einer Entscheidung für eine militärische Ausbildung zu überblicken. Immerhin kann man bereits mit 17 Jahren eine Ausbildung bei der Bundeswehr beginnen, wie einer der beiden Offiziere freimütig einräumte. PHILIPP KOEBNIK

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21.10.2014, 12:00 Uhr

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