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Streik – „auch für die Leser“

Soli-Botschaft: OB Rosenberger warnte vor schlechterem Journalismus

Streik bei Tageszeitungen: RedakteurInnen und Freie JounalistInnen der SÜDWEST PRESSE Horb, des Schwäbischen Tagblatts Tübingen und des Schwarzwälder Boten Horb haben am Freitag vor dem Haupttor der Gartenschau „Neckarblühen“ über die laufende Tarifauseinandersetzung informiert.

23.07.2011

Von Andreas Ellinger

Horb. Das Ergebnis der Urabstimmung in Baden-Württemberg steht seit Mittwoch fest: Die Gewerkschaften meldeten eine Streik-Bereitschaft von mehr als 98 Prozent. Jetzt könnten die Tageszeitungs-Redakteure unbefristet streiken ? der aktuelle Aufruf ist aber nochmal befristet worden: bis Montag.

In einer „Streikausgabe? der „Wildwest Presse?, die gestern verteilt wurde, erklären die Journalisten, warum sie ihre Arbeit niedergelegt haben: Weil „die Verleger? unter anderem „die Gehälter für Redakteure, die neu eingestellt werden, um 25 Prozent senken? und „allen Redakteuren das Gehalt um fünf Prozent kürzen wollen?.

Diese Forderungen erhebt der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) seit knapp einem Jahr ? die Tarifverhandlungen stecken fest. Nach Beginn der Urabstimmung teilte der BDZV allerdings mit, dass der Niedrigtarif für Berufseinsteiger „betriebswirtschaftlich entbehrlich? sein könnte, wenn das Urlaubsgeld oder die Jahresleistung reduziert werde.

„Wir haben als Öffentlichkeit viel zu spät mitbekommen, was da gerade passiert?, sagte der Horber Oberbürgermeister Peter Rosenberger am Info-Pavillon der Journalisten. Erst seit Horber Redakteure Streik-Zeitungen verteilt hätten, sei in der Stadt bekanntgeworden, dass eine Verschlechterung der Berichterstattung drohe. Er ergriff daher die Initiative und sprach eine Solidaritäts-Botschaft: „Ich wünsche Ihnen, dass Sie mit Ihrem Arbeitskampf so weit kommen, dass die Qualität aufrechterhalten werden kann.? Und: „Ich bin froh, dass es in Horb zwei Tageszeitungen gibt.? Wichtig seien qualifizierte Journalisten, die nicht nur berichten, sondern zusätzlich über Hintergrundwissen verfügen, das in Kommentare einfließe. Der CDU-Stadt- und Kreispolitiker betonte: „Lieber eine kritische Begleitung als gar keine Begleitung.? Die Redakteure baten Rosenberger darum, die Information weiterzutragen, „dass wir auch für unsere Leser streiken ? damit sie eine qualitätvolle Zeitung erhalten?. Sie schenkten ihm ein „Sorgenpaket?, in dem ihre Sorge um die „Zukunft des Journalismus? zum Ausdruck kam ? schriftlich und in Form einer „Zeitung der Zukunft?: einer Packung „fader, willkürlich zusammengewürfelter Buchstabensuppe ohne Pepp und Substanz?.

OB und Bürgermeister, weitere Verwaltungs-Vertreter, SPD-Stadt- und Kreisrat Axel Lipp, Führungskräfte der Polizeidirektion Freudenstadt, ein IG Metaller (der seine Solidarität erklärte) und Passanten haben auf einer „Unterstützerliste? unterschrieben: „Als Leser der SÜDWEST PRESSE Horb betrachte ich die Demontage eines ganzen Berufsstandes mit großer Sorge. Ich unterstütze die Anliegen der streikenden Journalisten.?

Ein Bürger, der unterschrieb, sagte: „Guter Journalismus ? gute Recherche ? erzeugt eine gute Demokratie, weil der Bürger informiert ist und mitreden kann.?

An einer Wäscheleine hingen die Erklärungen von Redakteuren, warum sie ihren Beruf gewählt haben. Ein Beispiel: „Ich bin Journalist, weil Demokratie nicht funktioniert ohne Kontrolle der Macht.?

Dr. Thomas Ducks, der Betriebsratsvorsitzende des Schwarzwälder Boten, schrieb in dem gestern verteilten Streik-Boten: „Der Billigheimer in den Verlagen kann die Anforderungen, die die Gesellschaft zu Recht an die ,vierte Gewalt? als ,Wächter der Demokratie? stellt, nicht erfüllen. […] Niemand streikt wirklich gerne, es sei denn, man bekommt die Pistole auf die Brust. Wir erleben das genauso seit dem 1. März 2011, das war das Datum der Ausgliederung und Tarifflucht beim Schwarzwälder Boten.?

In der Streikausgabe der „Wildwest Presse? heißt es, dass kein Zeitungsverlag in der Region Not leide. „Im Gegenteil: Die Rendite der Zeitungsverlage liegt im Bundesdurchschnitt bei sieben Prozent, bei einigen Großunternehmen sogar deutlich darüber (Springer Verlag 2010: 22 Prozent).?

Info: www.bdzv.de,

www.facebook.com/Streiktagblatt

Der Horber Oberbürgermeister Peter Rosenberger (Dritter von links) richtete eine Solidaritäts-Botschaft an streikende Tageszeitungs-JournalistInnen aus Horb und Tübingen. Links neben ihm: Bürgermeister Jan Zeitler. Bild: Kuball

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Erstellt:
23. Juli 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
23. Juli 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2011, 12:00 Uhr

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