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Die Stadt braucht Visionen

Soltys setzt im OB-Wahlkampf auf „Konsens und Integrieren“

Tübingen ist in ihren Augen „keine einfache, keine fertige Stadt“, aber genau das reizt sie an dem Posten, den die hiesigen Wähler am 19. Oktober zu vergeben haben. Beatrice Soltys will Oberbürgermeisterin werden, um dann in einem „breiten bürgerschaftlichen Prozess“ mit „ganzheitlicher Sicht“ zu klären, wo die Stadt in 10 bis 15 Jahren stehen soll. Denn Tübingen brauche „Visionen und Ziele – da fehlt‘s noch“.

29.07.2014
  • Sepp Wais

Tübingen. Fürs erste ist die 48-jährige Architektin aber noch damit beschäftigt, Kontakte in Tübingen zu knüpfen, mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen, sich bei Vereinen und Institutionen vorzustellen und dabei herauszufinden, „wie die Tübinger gestrickt sind und wo sie der Schuh drückt“. Viel mehr ist derzeit nicht drin, schließlich wird sie ja auch noch als Baubürgermeisterin in Fellbach gebraucht. Das wird sich erst nach den Ferien ändern, wenn sie Urlaub macht, um sich voll auf den Wahlkampf zu konzentrieren.

Soltys setzt im OB-Wahlkampf auf „Konsens und Integrieren“
Gestern stellte sich die OB-Kandidatin Beatrice Soltys in der TAGBLATT-Redaktion vor: „Ich werde mich nicht auf parteipolitisches Gerangel einlassen.“

Wenn es nach ihr geht, wird es ein ziemlich friedlicher Wahlkampf: „Ich habe nicht vor, Boris Palmer anzugreifen – ich stehe für Konsens und Integrieren.“ Sie will „als Person Vertrauen vermitteln“. Und das Gefühl, dass ihr Tübingen „wirklich am Herzen liegt“ und dass sie „dafür die Ärmel aufkrempelt und anpackt“. Und noch eine Klarstellung ist ihr wichtig: „Ich trete als unabhängige Kandidatin an, ich habe kein Parteibuch und werde mich nicht auf parteipolitisches Gerangel einlassen.“

Damit wehrt sich Soltys gegen das Gerücht, sie sei von der CDU angeheuert worden: „Es gibt Leute, die mich in die Ecke stellen wollen, aber das wird nicht richtiger, wenn man es ständig wiederholt.“ Soltys würde gern mit allen Rathaus-Parteien ins Gespräch kommen – und ist nun etwas enttäuscht, dass sich die SPD bereits ziemlich auf Palmer festgelegt hat: „Ich weiß nicht, warum die mich nicht haben wollen – aber ich akzeptiere das, ich stehe für mich.“

Aber nicht allein: „Ich habe schon jetzt ein Team mit 15 bis 20 Leuten, die mich aktiv im Wahlkampf unterstützen.“ So zum Beispiel bei der Suche nach einem Wahlkampf-Büro, das demnächst im leer stehenden Brillen-Laden „Lunette“ in der Neuen Straße eingerichtet wird. Oder auch beim Aufbau einer eigenen Web-Site, die heute unter www.beatrice-soltys.de eröffnet werden soll.

Ein detailliertes Programm kann Soltys derzeit noch nicht bieten. Das wird sie erst vorlegen, wenn für sie der „echte Wahlkampf“ beginnt, also Anfang September. Eines, so verspricht sie, wird man darin nicht finden: „Ich mache grundsätzlich keine Versprechungen – das werden Sie bei mir nicht erleben, dass ich im Wahlkampf was zugesagt und dann nach acht Jahren nicht eingehalten habe.“

Bei ihren ersten Besuchen in Tübingen ist sie zwar schon auf so manches Defizit oder Ärgernis gestoßen – fertige Lösungen hat Soltys aber noch nicht im Gepäck. Vor dem Ziel ist ihr erstmal der Weg wichtig. Und der beginnt bei ihr – egal ob es um einen Konzertsaal oder um ein „stadträumliches Konzept“ für die Mühlstraße geht – stets mit einer „breiten Bürgerbeteiligung“. Dabei sollen die vielfältigen Wünsche und Anregungen aufgegriffen werden, um daraus dann Prioritäten abzuleiten. Schließlich müsse das Ganze in einen „professionell aufgesetzten Entscheidungsprozess“ münden, an dessen Ende ein Gesamtkonzept stehe, das „sauber umgesetzt und messbar evaluiert werden kann“.

Mit diesem Prozedere hätte sich Soltys zufolge die nächste Bausünde in Tübingen wohl vermeiden lassen. Gemeint ist das geplante Ibis-Hotel an der Blauen Brücke: „Als ich das Bild in der Zeitung gesehen habe, bin ich erschrocken – so eine gewaltige Baumasse hätte ich nicht vor die wunderbare Silhouette der Altstadt gesetzt.“ Schon gar nicht mit diesem Hotel-Konzept, wo doch Tübingen eher ein Tagungshotel für 300 bis 500 Gäste brauche.

Deutliche Defizite sieht Soltys auch bei der Attraktivität von Tübingen als Handelsstandort: „Ob man auf die Kaufkraftbindungsquote schaut oder auf den Zentralitätsfaktor – die Zahlen sind nicht gut.“ Dass gerade in der Altstadt in letzter Zeit einiges getan wurde, lässt sie nicht gelten: „Ich sehe nicht, dass Palmer da was macht – die Zahlen sprechen dagegen.“ Auch hier brauche man ein „ganzheitliches Konzept“, das insbesondere „den Autofahrern, die bislang im großen Bogen um Tübingen herumfahren“, mehr (Park-)Platz im Zentrum bietet.

Noch zwei Themen, bei denen sich Soltys klar von Palmer abgrenzt: Bei der Innenverdichtung ist Tübingen ihrer Ansicht nach „an einer Grenze angekommen“, die man nicht überschreiten sollte. Und bei der Regiostadtbahn sei es „höchste Zeit, dass man den Bürgern zeigt, wie das aussieht, wenn der Zug durch die Stadt fährt – es ist unglaublich wichtig, dass das öffentlich diskutiert wird.“

  • 1966 in Güstrow geboren, aufgewachsen in Rostock
  • >1983 – 1986 Maurerlehre mit Abitur, danach Übersiedlung in die BRD
  • >1988 Abitur in Stuttgart
  • >1988 – 1995 Studium Architektur und Städtebau an der Uni Stuttgart
  • >1996 – 1999 Architektin im Hochbauamt der Stadt Heilbronn
  • >2000 – 2008 stellvertretende Leiterin
  • >des Fachbereichs Hochbau und Gebäudewirtschaft in Ludwigsburg
  • >seit Mai 2008 Baubürgermeisterin in Fellbach
  • >Beatrice Soltys ist geschieden und hat einen erwachsenen Sohn
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29.07.2014, 12:00 Uhr

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