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Über den späten Wintereinbruch

Sometimes it snows in April

Schneegestöber im Blütenmeer auf der Alb – und die Meteorologen sprechen schon vom Spätwinter mitten im Frühling.

19.04.2017
  • Matthias Reichert

Der US-amerikanische Sänger Prince, der vor knapp einem Jahr an einer Überdosis Schmerzmitteln gestorben ist, hat den passenden Hit, auch zum eigenen frühen Tod mit nur 57 Jahren, auf dem Album „Parade“ veröffentlicht, 1986 war das und gilt bis heute: „Sometimes it snows in April / Sometimes I feel so bad, so bad / Sometimes I wish life was never ending / And all good things, they say, never last.“

Der Kälteeinbruch treibt die Melancholiker hervor, während die Apfelblüten vor sich hinfrieren. Dick eingemummelt in Mäntel und Mützen flanieren diese Zeitgenossen mit den Sorgenfalten auf den Stirnen durch die Reutlinger Fußgängerzone und schauen nachdenklich zum Himmel hinauf. Sometimes it snows in April, manchmal schneit es im April, kein Weltuntergang, in ein paar Tagen wird es schon wieder wärmer.

Machen wir halt die Heizung wieder an, eigentlich ein Unding im späten April. Sobald der Ofen bullert, wärmen wir die frostigen Hände daran und träumen uns in die Südsee. Wohl dem, der bei diesem Wetter Urlaub hat und vor dem Spätwinter in wärmere Gefilde flüchten kann. Den Osterspaziergang hat dieses Jahr der kalte Wind verweht, bald hängen Eiszapfen von den Schnurbäumen im Bürgerpark: Hier bin ich Mensch, hier geh ich ein. Die Landwirte sorgen sich, dass der späte Frost die Ernte gefährdet, die Straßenmeisterei öffnet die Streusalzlager, und die Winterreifen bleiben vorläufig drauf.

Schnee im April, das morgendliche Gestöber vor dem Fenster erinnert an winterliche Ausflüge mit den Eltern, als die Welt noch ein Abenteuerspielplatz war: Langlaufen auf der verschneiten Alb, Wanderungen durchs Kleine Walsertal, meterhoch die Schneewehen, der Atem gefror, doch das Herz glühte.

Im Internet formieren sich bestimmt bald Shitstorms gegen den Schuldigen an der schnupfenfördernden Malaise anstelle des erträumten Frühlingserwachsens: Johnny heißt das Tief, das den Wintereinbruch über uns gebracht hat. Johnny, du Depp (aber nicht der Schauspieler)!

Ansonsten keine Proteststürme gegen das Schneetreiben. Es gibt Schlimmeres als ein paar kalte Nächte: In der Türkei hat mit dem Verfassungs-Referendum die Eiszeit für die Demokratie begonnen. Der Winterwind weht eisig vom Bosporus, und er dürfte sich länger halten als dieser spätwinterliche Frostausläufer. Leider kein Schnee von gestern …

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19.04.2017, 01:00 Uhr

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