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Das Mittwochs-Interview

Sommerbiathletin Judith Wagner über ihre Saison und ihren Sport

Als eine der großen Favoritinnen reist die Felldorferin Judith Wagner zu den Deutschen Meisterschaften der Sommerbiathleten in Oberhof. Im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE rechnete sie nach: Es ist ihre zehnte DM-Teilnahme.

12.09.2012
  • Gerd Braun

SÜDWEST PRESSE: Frau Wagner, wann geht’s los Richtung Oberhof, wo am Wochenende die Deutschen Meisterschaften im Sommerbiathlon stattfinden?

JUDITH WAGNER: Am morgigen Donnerstag. Wir werden morgens losfahren, und am Freitag beginnen die ersten Wettkämpfe – zuerst der Sprint, am Samstag die Verfolgung und am Sonntag dann noch die Staffelwettbewerbe.

Ihre wievielte Teilnahme an einer DM ist das?

Da ich 2002 das erste Mal teilgenommen habe, müsste es dann dieses Jahr die elfte Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft sein.

Sie waren also nie verletzt oder krank? Respekt…

Oh doch, Moment. 2008 war ich verletzt, da hatte ich einen Bänderriss. Also ist es jetzt meine zehnte DM-Teilnahme.

Wissen Sie, wie viele Medaillen Sie auf nationaler Ebene bislang gewonnen haben?

Allein bei Deutschen Meisterschaften, oje… Da kann ich eine genaue Zahl nicht sagen. Im ersten Jahr war ich leider nur Vierte, in den Jahren danach aber habe ich jedes Jahr mindestens eine Medaille gewonnen. Da hat sich schon ganz schön was angesammelt.

Und internationale?

Beim IBU-Cup habe ich schon mal eine Medaille gewonnen. Bei Europa- oder Weltmeisterschaften war es mit Bronze in diesem Jahr jetzt aber meine erste Medaille. Das war schon ein Riesen-Erfolg für mich.

Auf nationaler Ebene sind Sie derzeit die erfolgreichste Sommerbiathletin. Könnte man sagen, dass Sie mehr oder minder die Magdalena Neuner des Sommerbiathlon sind oder ist dieser Vergleich zu gewagt?

Ich würde sagen, dieser Vergleich ist auf jeden Fall etwas zu gewagt. Magdalena Neuner hat in ihrer Karriere nun doch einiges mehr erreicht als ich – da kann ich nicht ganz mithalten. Ich arbeite natürlich weiter an mir, aber ein Vergleich mit ihr wäre gewiss zu hoch gegriffen.

Wie wär’s denn mit Biathlon im Winter? Der Verband sucht gerade bei den Frauen dringend Athletinnen.

Nun, ich komme ja aus der Leichtathletik, vom Laufen her. Das heißt, mit Winter und Langlauf habe ich eigentlich gar nichts am Hut. Das wäre wohl ein bisschen schwierig, mir in absehbarer Zeit die Technik beizubringen, die beim Langlauf ja doch eine große Rolle spielt. Außerdem sind hier in der Region die Schneeverhältnisse nicht ganz so großartig. Ich werde von daher lieber beim Sommerbiathlon bleiben.

Einige Winterbiathletinnen haben Sie ja schon bei großen Wettbewerben im Sommer kennengelernt. Geht die Tendenz beim Sommerbiathlon die weiter nach oben oder stagniert’s da ein bisschen?

Das ist schwierig zu sagen. Meinen Beobachtungen nach zieht‘s auf nationaler Ebene immer noch an. Gerade jetzt bei den Deutschen Meisterschaften gibt‘s wieder einen neuen Teilnehmerrekord. Aber international ist es einigermaßen gleichbleibend. Gerade die Nationen wie Russland, Slowakei, Tschechien oder die Ukraine sind da ziemlich stark vertreten. Aber das ist nun schon ein paar Jahre lang einigermaßen gleichbleibend.

Wie steht’s um die Förderung – gibt’s da im Sommerbiathlon auch Modelle für Spitzensport oder steht die Sportart einfach zu dicht am Rand?

Nein, Fördermodelle gibt es für uns leider keine, dazu sind wir wohl doch zu sehr Randsportart.

Was übt auf Sie denn den besonderen Reiz am Sommerbiathlon aus?

Grundsätzlich liegt der Reiz darin, dass gegenüber dem reinen Laufen viel mehr Spannung in den Wettkämpfen steckt. Das Schießen entscheidet eben doch immer wieder die Wettkämpfe.

Kribbelt es bei Ihnen noch immer vor dem Schießen oder ist das inzwischen totale Routine?

Nein, das Kribbeln ist auf jeden Fall noch da, und das gehört auch mit dazu – diese gewisse Aufregung, das Adrenalin…

Haben Sie sich schon mal Trainings- und Wettkampftipps bei den Winter-Kolleginnen geholt? Gerade die Crux mit dem richtigen Puls beim Schießen ist ja eine kleine Wissenschaft für sich.

Grundsätzlich muss da jeder für sich herausfinden, was sein optimaler Pulswert für das Schießen ist. Natürlich hole ich mir bei den sehr guten Athleten in unserem Kader immer wieder Tipps, aber tatsächlich muss jeder seine eigenen Erfahrungen machen.

Okay, dann zurück zur DM jetzt in Oberhof: Sind Sie gut vorbereitet?

Ich denke schon, beziehungsweise ich hoffe. Nach der EM haben wir das Training etwas zurückgeschraubt, auch um den Kopf etwas frei zu bekommen; aber jetzt haben wir nochmal richtig gut trainiert, da sollte also eigentlich nichts schiefgehen.

Ist gerade nach dem Gewinn der EM-Bronzemedaille im slowakischen Osrblie die Motivation für eine DM voll da?

Wie schon gesagt, wir haben im Training ja genau deshalb gezielt etwas den Druck rausgenommen. An der Motivation läge es jetzt nicht, wenn‘s in Oberhof nicht so richtig klappen sollte.

Ist ein solcher Erfolg auf EM- oder WM-Ebene wiederholbar?

Ich hoffe es. Silber und Gold fehlen mir noch, da arbeite ich natürlich drauf hin. In diesem Jahr ist mir ja nach Platz vier im vergangenen Jahr eine Steigerung gelungen, und vielleicht kann ich das ja noch weiter fortsetzen.

Ihre Schießleistung dort war mit jeweils nur einem Fehler sehr gut. Ist das Ihre besondere Stärke?

Es gibt immer noch starke Schwankungen in meinen Schießleistungen; insgesamt aber kann ich feststellen, dass sich diese in den vergangenen Jahren doch sehr verbessert haben – auch dank der guten Trainingsbedingungen in Wachendorf, wo seit geraumer Zeit eine separate Eingangstür zur Schießbahn die Möglichkeiten erheblich verbessert hat.

Was steht nach der DM als nächstes auf dem Plan?

Ich werde hier in der Region noch ein paar Läufe bestreiten, aber die Sommerbiathlon-Saison endet mit der Deutschen Meisterschaft. Pause und Erholung sind dann angesagt, und dann geht‘s wieder los mit dem Training für die nächste Saison.

Beim Starzachlauf werden Sie ja ganz sicher auch wieder dabei sein ...

Na klar! Beim Heimlauf möchte man natürlich nochmal glänzen und am liebsten gewinnen.

Und was kommt 2013?

2013 – da ist natürlich auch wieder die EM, die, wenn ich mich recht erinnere, in Lettland stattfinden soll. Das ist das große Ziel. Ansonsten möchte ich mich weiter in der Spitze etablieren und wenn möglich wieder eine Medaille gewinnen.

Letzte Frage: Ihr Freund ist bekanntlich Marco Quiskamp, der beim VfL Nagold Fußball spielt und sich am Wochenende beim Fußball verletzt hat. Wie geht‘s ihm denn?

Eigentlich geht‘s ihm schon wieder ganz gut. Der Arzt hat festgestellt, dass nichts schlimmeres kaputt ist. Ich hoffe, dass er am Wochenende wieder spielen kann.

Sommerbiathletin Judith Wagner über ihre Saison und ihren Sport
Judith Wagner: „Gold und Silber fehlen mir noch.“

Judith Wagner ist 24 Jahre alt und betreibt Sommerbiathlon seit 2002. Die Felldorferin feierte mit der EM-Bronzemedaille in Osrblie (Slowakei) vor wenigen Wochen den größten Erfolg ihrer Karriere. Die Polizeikommissarin startet für den SSV Starzach, für den sie nun auch bei den Deutschen Meisterschaften in Oberhof wieder auf Medaillenjagd geht, und zwar bevorzugt in der KK-Klasse, in der auch die internationalen Wettbewerbe ausgetragen werden.

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12.09.2012, 12:00 Uhr

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