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Mit Lilly Marleen an der Wiesaz

Sommerturnier des Reitvereins Pulvermühle: hinter den Kulissen des Dußlinger Pferdenarren-Events

Mitten im Streuobstparadies: erhöhtes Pferdeäpfel- Aufkommen. Am Wochenende trafen sich dreihundert Reiter und vierhundert Vierbeiner zum Sommerturnier des Dußlinger Reitvereins auf der Pulvermühle.

11.08.2014
  • Jürgen Jonas

Dußlingen. Wild Liberty, ein Hannoveraner, Lilly Marleen, ein Holsteiner, Pirushkaya M, ein Zweibrücker Warmblut. Was haben sie gemeinsam? Sie waren am Wochenende beim Sommerturnier des Dußlinger Reitvereins Pulvermühle, bei ebendieser Pulvermühle an der B27 – gut erreichbar aus allen Richtungen. Das große Gelände ist von viel Grün umgeben, hinter Bäumen und Sträuchern fällt die Straße kaum auf.

Freilandturnier seit 15 Jahren

Zwei Privatställe liegen darauf: Einer davon gehört dem Pferdewirt Achim Schmid, der andere der Dußlinger Familie Raible. Cora Raible stand lange Zeit dem Verein vor. Der Turnierplatz, auf dem die Tiere die Hindernisse überwinden müssen, gehört dem Reitverein, der Wettbewerb ist also ein Zusammenspiel dreier Parteien: der Reitstallbesitzer und des Vereins. Seit fünfzehn Jahren gibt es das Freilandturnier. Viele Jahre lud man auch zum dressursportlichen Osterturnier in die Reithalle ein. Im vergangenen Jahr griff dann die Natur ins Vereinsleben ein, als die Wiesaz Hochwasser führte und den Turnierplatz überschwemmte: Mitglieder halfen, mit Sandsäcken die Flut aufzuhalten.

Am Wochenende herrschte freilich bestes Wetter für den Reitsport. Nicht zu warm, mit leichtem Wind. Samstagsfrüh um acht Uhr begannen die Prüfungen, elf der verschiedenen Klassen standen auf dem Programm. Am Sonntag ging es weiter, bis zum Abend, der mit einer Zwei-Sterne-M-Springprüfung mit Siegerrunde abschloss.

Samstagnachmittag: Turnierleiter Markus Magg sitzt mit einem Funksprechgerät auf einer Bank und beobachtet das Geschehen. Er ist während des Wettbewerbs Daueransprechpartner, ob es um Apfelsaftschorle geht oder darum, dass der Platz stets für die nächsten Reiter bereit ist. Magg, aus der Esslinger Gegen stammend, war viele Jahre selbst Turnierreiter, kennt sich aus in der Welt des Pferdesports. Ein Turnier dieser Größe, sagt er, braucht etwa drei bis vier Monate Vorbereitungszeit, von der Organisation der Verpflegung bis zum Anschreiben der Sponsoren. Ohne ihre Unterstützung wäre die Veranstaltung gar nicht möglich. Eine Firma stellte etwa den LKW, worin der „Richterturm“ sich befindet. Vier Preisrichter muss der Verein anheuern, um das Turnier überhaupt ausrichten zu dürfen. Dauerhaft anwesend muss auch ein Hufschmied sein, der den Tieren im Notfall beistehen kann. Und ein Tierarzt ist auch da. Ebenso wie ein Hilfsdienst.

Im Internet ist (unter reitturniere.de) zeitgleich nachzulesen, wie die Pferde abgeschnitten haben, die elektronische Messung ist auf die Sekunde genau, was die Geschwindigkeit betrifft. Wenn eine Stange fällt, werden Punkte abgezogen. Ebenso wenn das Tier sich dem Sprung verweigert. Geschieht das dreimal, ist das Turnier für diese beiden Teilnehmer beendet. Ebenso darf die erlaubte Zeit nicht überschritten werden. Die Tiere kommen zuerst in die Warmup-Halle, wo sie eine „Abreitephase mit Springen“ bis zu 40 Minuten durchlaufen.

300 Teilnehmer hatten sich in diesem Jahr eingefunden. Sie brachten etwa 400 Pferde mit, manche Reiter versuchen es mit zwei oder mehr Tieren. Sie kommen aus einem Umkreis von etwa 100 Kilometern, aus dem Umland von Stuttgart, aus dem Oberland oder auch vom Bodensee.

Das Turnier wird, wie die anderen auch, wochenlang vorher in Reiterjournalen ausgeschrieben. Wer teilnehmen will, muss die Daten von Pferd und Reiter übermitteln. Preisgelder gibt es auch – natürlich fällt der „Große Preis von Dußlingen“ bei weitem nicht so hoch wie bei den fernsehbekannten Wettbewerben etwa in Aachen. Unter den Teilnehmern sind einige Berufsreiter, die meisten aber Amateure. Alle müssen ein Startgeld bezahlen, der Rest kommt von Sponsoren. Ohne Werbeträger kommt das Turnier nicht über die Runden. Werbung machen zum Beispiel zwei regionale Bankinstitute oder auch ein Sport-BH-Hersteller, der verheißt, wie man „mit großer Oberweite schwerelos reiten“ kann.

Neunmal mehr Mitglieder als 1970

Publikum sitzt im Festzelt oder auf Bierbänken direkt am Turnierfeld. Vereinsmitglieder, junge Mädchen, neugierige Fahrradfahrer, die anhielten, um sich das Treiben anzusehen. Eismann Toni aus Mössingen machte guten Kugelumsatz. Nicht nur die Pferde sind gut versorgt, im Zelt gibt es Salatteller, Putenschnitzel und frisch gezapftes Bier. „Viele Gäste“ wünscht sich Vorsitzender Christoph Raible, seit März im Amt, da wurde ein „harmonischer Vorstand“ gewählt. Die Zusammensetzung der derzeit 170 Mitglieder geht, so Raible, „queerbeet durch die Berufe“. Rechtsanwälte seien dabei, Metzger, Bäcker oder Schlosser. Es ist das erste Turnier, das der neue Vorstand ausrichtet, ein halbes Hundert Helfer kann der Verein aus der eigenen Mitgliedschaft aufbieten, „das ist der harte Kern“. Im Reitstall von Schmid gebe es mittlerweile etliche Jugendliche, die reiten – Jugendarbeit habe der Verein lange vernachlässigt. Für den Nachwuchs gab es jetzt auch einen Reiter-Wettbewerb mit Schritt, Trab und Galopp.

Der Reitverein Pulvermühle wurde 1970 im Café Wagner in Dußlingen gegründet – von Eltern reitbegeisterter Kinder. 25 Jahre war der Dußlinger Zahntechniker Heinz Kurz Vorsitzender. Damals waren es 20 Mitglieder – heute sind esrund neunmal soviele.

Sommerturnier des Reitvereins Pulvermühle: hinter den Kulissen des Dußlinger Pferdenarren-Events

Sommerturnier des Reitvereins Pulvermühle: hinter den Kulissen des Dußlinger Pferdenarren-Events
Ein geselliges Turnier für Profis und Jedermann: Die richtig großen Hüte gibt‘s woanders im Pferdesport.Bilder: Franke

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11.08.2014, 12:00 Uhr

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