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Minensucher und Spione

Sonderschau im Naturkundemuseum: „Tiere im Krieg“ – benutzt und missbraucht

Sie tragen Lasten, suchen Minen, betätigen sich als Spione oder sind ganz einfach nur Maskottchen. Wie vielfältig der Einsatz von Tieren im Krieg war und ist, zeigt jetzt eine Sonderschau im Naturkundemuseum.

24.07.2014
  • Uschi Kurz

Reutlingen. Seit der Mensch Kriege führt, nutzt er die besonderen Fähigkeiten von Tieren, um sich im Kampf zu entlasten oder Vorteile gegenüber dem Feind zu verschaffen. Das Naturkundemuseum nimmt den 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs zum Anlass, sich der tierischen Kriegsgeschichte zu widmen. Dass diese bislang in Deutschland wenig erforscht ist, bemerkte Museumsleiterin Barbara Karwatzki bei der Konzeption der Schau. Mit Ausnahme eines Standardwerks von Prof. Rainer Pöppinghege, der auch bei der Eröffnung heute Abend spricht, kommt fast die gesamte Literatur aus dem englischsprachigen Raum.

Dabei gibt es eine immense Arten- und Einsatzvielfalt: Nicht nur große Tiere wie Pferde, Elefanten, Esel oder Delfine wurden gerne in den Krieg geschickt. Auch Geflügel (beispielsweise als Gasmelder), Ratten und sogar Bienen und Glühwürmchen wurden (und werden) für die unterschiedlichsten Aufgaben genutzt. In den Schützengräben im Ersten Weltkrieg etwa wurden Glühwürmchen als Leuchtmittel eingesetzt. Karwatzki: „Zehn Glühwürmchen in einem Glas leuchteten so stark wie eine Straßenlaterne.“

Für acht Abteilungen hat Karwatzki Exponate gesucht und gefunden. „Trag- und Reittiere“, mit denen die tierische Kriegsgeschichte schon vor 4000 Jahren begann, stehen am Anfang des Rundgangs. Dort empfängt ein eindrucksvoller Pferdeharnisch vom Fürsten zu Hohenzollern die Besucher. Weil es sich bei vielen tierischen Kriegsteilnehmern um Haustiere handelt, war es gar nicht so einfach, die Exponate zusammenzubekommen, erklärt Karwatzki. Der Hund ist gleich in mehreren Bereichen vertreten. Die Gans, die nur als Wachtier auftaucht, schnattert im Museum, wenn sich die Besucher/innen ihrer Vitrine nähern.

Eine eigene Abteilung widmet sich den Tieren, die als lebende Bombe eingesetzt wurden: Schweine, Hunde, Katzen, Hühner, Esel. Selbst mit Fledermäusen, erzählt Karwatzki, wurde experimentiert. Mittlerweile sind die technischen Mittel noch perfider: In der Ausstellung werden Bilder von brasilianischen Käfern gezeigt, denen Chips implantiert wurden: Ferngesteuert fliegen sie über Feindesland und betätigen sich als Spione oder lebende Drohne.

Erst werden die Tiere als Vernichtungsmaschinerie missbraucht, dann müssen sie als Sprengstoffschnüffler die Bomben wieder aufspüren. Meeressäuger werden unter Wasser, Ratten an Land erfolgreich zum Minenräumen eingesetzt, selbst Bienen lassen sich auf die Sprengstoffsuche konditionieren. Und dann gibt es noch die Sparte Maskottchen im Krieg. Von den Soldaten geliebt, verhätschelt und manchmal hoch dekoriert. Wie der syrische Braunbär Wojtek, der es nicht nur zum Unteroffizier brachte, sondern sogar zum Wappentier seiner Truppe wurde. 30 tierische Kriegsteilnehmer werden vorgestellt, für mehr hat die Ausstellungsfläche nicht gereicht. Zu allen Beispielen gibt es jeweils ein Exponat – mit einer Ausnahme. Karwatzki: „Der Büffel hat nicht durch die Türe gepasst.“

Sonderschau im Naturkundemuseum: „Tiere im Krieg“ – benutzt und missbraucht
Diese Ratte ist eine sogenannte „Herorat“, eine Heldenratte der Firma Apopo, die in ehemaligen Kriegsgebieten erfolgreich zur Minensuche eingesetzt wird.Bild: apopo

Sonderschau im Naturkundemuseum: „Tiere im Krieg“ – benutzt und missbraucht
Museumsleiterin Barbara Karwatzki mit einem Esel, der auch in aktuellen Krisen noch als Lastenträger herhält.Bild: de Marco

Zur Eröffnung der Sonderausstellung am heutigen Donnerstag, um 19 Uhr im Naturkundemuseum spricht Prof. Rainer Pöppinghege vom Historischen Institut der Universität Paderborn über das Thema: „Hungerleider, Kriegsgefährten, Schlachtenopfer – Tiere im Menschenkrieg“. Pöppinghege hat 2009 das Buch „Tiere im Krieg. Von der Antike bis zur Gegenwart“ veröffentlicht, demnächst erscheint von ihm ein weiterer Band über „Tiere im Ersten Weltkrieg.“ Die Ausstellung „Tiere im Krieg“ ist bis zum 26. Oktober zu sehen und wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet.

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24.07.2014, 12:00 Uhr

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