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Sonhos de peixe

Fünf Schülerkritiken zum brasilianischen Film bei der "Semaine de la Critique".

Fünf Schülerkritiken zum brasilianischen Film bei der "Semaine de la Critique".

SONHOS DE PEIXE
Brasilien

Regie: Kirill Mikhanovsky
Mit: José Maria Alves, Rubia Rafaelle

- ab 0 Jahren

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24.11.2015

Das Leben als Fischer anschaulich erzählt

Wohltuende Stille, die Farben der See und die scheinbar grenzenlose Freiheit des Schwebens über eine märchenhafte Unterwasserwelt sind es, die Jusces Arbeit so faszinierend machen. Als Fischer ist die Jagd in dieser Welt mit ihrem unglaublichen Panorama sein Beruf und eine Möglichkeit, den Problemen seines Lebens an Land zu entfliehen.

Kirill Mikhanovsky schafft es in seinem Film „Sonhos de peixe“ nicht nur dieses Panorama zu vermitteln, sondern auch die Härte und die Anstrengungen der Arbeit als brasilianischer Fischer. Einer von ihnen ist der junge Jusce. Sein alltägliches Leben ist genauso Thema des Films wie sein Versuch, die Liebe der gleichaltrigen Ana zu erobern und gegenüber seinem alten Freund Rogerio zu verteidigen. Außerhalb dieser Problematik versucht er sich den Traum eines eigenen Fischerbootes zu erfüllen.

Die realistische Darstellung des Lebens im Fischerdorf wird durch die Wahl der Schauspieler verstärkt: Ein großer Teil von ihnen lebt in den dargestellten Verhältnissen und arbeitet auch außerhalb des Films als Fischer, bzw. Fernsehverkäufer. Die dadurch erreichte Realitätsnähe und dokumentarische Wirkung ist enorm.

Abstrakter entwickelt sich dagegen die Handlung. Um sich Anas Liebe über ihre Lieblingsserie zu versichern, ersteht Jusce den größtmöglichen Fernsehapparat. Dafür nimmt er sogar horrende Schulden in Kauf. Die daraus resultierende Entwicklung ist bizarr.

Um bis zu dieser Entwicklung vorzustoßen, muss der Zuschauer sich jedoch zunächst durch recht lange Szenen über das Leben Jusces und der Dorfgemeinschaft quälen, die kein Verhältnis zwischen Inhalt und Länge besitzen und mit der späteren Entwicklung des Filmes wenig zu tun haben. Hier zeigen sich die Nachteile des großen Detailreichtums und geht die Unterhaltung auf Kosten der dokumentarischen Darstellung verloren.

Es bleibt die Frage, ob nicht doch die Stimmen Recht behalten haben, die bereits vor den Dreharbeiten zum Film gefordert hatten, ihn auf 15 Minuten zu reduzieren...

Manuel Klein, Europagymnasium Wörth

Fortschritt oder Fortbestand - Traum von Veränderungen?

Kirill Mikhanovsky ist ein ruhiger Mensch, er wählt seine Worte mit Bedacht. Der Regisseur steht vor dem Publikum eines vollbesetzten Kinosaals und beantwortet Fragen. Es ist die Weltpremiere seines ersten Films in Spielfilmlänge Sonhos de Peixe. Er wirkt entspannt.

Als Tourist kam der Regisseur 2004 in ein kleines Fischerdorf in Brasilien, in dem die Idee für die Geschichte des Films entstand:

Der junge Fischer Jusce ist mit seinem einfachen Lebensstil zufrieden. Tag für Tag fährt er mit den Männern des Dorfes aufs Meer hinaus um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er träumt davon mit Ana, in die er verliebt ist, alt zu werden, aber Ana will die Welt entdecken. Das eintönige Leben empfindet sie als perspektivlos. Höhepunkt des Tages bildet eine Fernsehserie, die sie zusammen mit ihrer Familie auf einem flackernden Bildschirm anschaut. Diese Sendung ist für sie das Fenster in eine andere Welt, die sie gerne erkunden würde. Um Ana zu gefallen riskiert Jusce seine bisherige Existenz.

Anstatt sein Filmteam an den Drehort zu holen, wirbt Mikhanovsky Einheimische als Schauspielamateure an. Durch die wirklichkeitsnahen Darstellungen entsteht bei dem Zuschauer der Eindruck, als handele es sich weniger um einen Spielfilm, als um eine Dokumentation.

Die Härte des Alltags wird durch genaue Kameraführung eingefangen. Besonders über Detailansichten gelingt dem Regisseur eine realistische Darstellung des Arbeitslebens.

Die Kamera folgt den Bewegungen der Menschen und integriert den Zuschauer so in die Gemeinschaft. Diesen Effekt verstärkt die hervorgehobene Geräuschkulisse. Erklärende Dialoge werden vermieden, Mikhanovsky lässt seine Bilder sprechen.

Gleichzeitig verwendet er Musik geschickt als Szenenübergänge. Die Gegensätzlichkeit im Leben der Menschen wird durch kontrastreiche Musik, nämlich europäische Klassik und brasilianische Klänge, wiedergegeben.

Die Ausgeglichenheit des Regisseurs überträgt sich auf sein Werk, ein Genuss für die Seele!

Kevin Heinken, Amélie Streubel, Anna Ellereit, Sabine Pietruske, Altes Gymnasium Bremen

Ein Traum vom Leben

Das Meer. Ein Fischerdorf an der Küste Brasiliens, ein Leben mit den Elementen. Der junge Jusce lebt vom Fischfang und dem Tauchen nach Rochen. Seine tiefe Liebe zu Ana erfüllt sein Leben, doch ihre Sprunghaftigkeit treibt ihn in den Wahnsinn. Der Film „Sonhos de peixe“ von Kirill Mikhanovsky entführt mit feiner Beobachtungsgabe und Zärtlichkeit in die Welt der Dorfbewohner. Doch in ihr gemeinschaftliches, harmonisches Leben dringen Einflüsse der modernen Kultur, die Sehnsüchte nach bisher unbekannten Lebensformen wecken. Indem Jusce versucht, Anas Träumen von Reichtum und Abwechslung nachzukommen, konkurriert er mit dem glamourösen Rogerio aus der Stadt, der Ana in seinem Wagen ausfährt. Anas Zuneigung zu diesem führt Jusce zu immer verzweifelteren Taten. Er verliert den Bezug zur Realität und zu dem, was ihm im Leben wichtig war. Nur ins Tauchen kann er flüchten, seine Sorgen ablegen.

Auffallend ist die Sinnlichkeit und Ästhetik, die den gesamten Film durchziehen und sich bei der alltäglichen Arbeit, im Tanz oder beim Tauchen im Meer äußern. Die Bilder sind mitten aus dem Leben der Menschen gegriffen, erfüllt von einer mitreißenden Natürlichkeit.

Und doch wirkt der Film wie ein Traum. Die Szenen folgen keinem logischen Verlauf, sondern fließen wie Traumbilder ineinander, ihrem eigenem Rhythmus folgend. Es ist der Rhythmus des Meeres, mit dem die Bewohner des Fischerdorfes verschmelzen.

Die Ruhe und Langsamkeit des Filmes lassen den Zuschauer diese Welt erfahren. In kunstvollen Schnitten gehen die Sequenzen ineinander über – durch Überlagerung von Ton und Bild wird der Zuschauer sanft in die Gedankenwelten und Lebensumstände dieser Menschen entführt - in ein Leben im Hier und Jetzt.

Anna Hanson, Ida Mederos Leber (Lessing-Gymnasium, Frankfurt am Main)


Natürliches Kino mit starken Bildern

Regisseur Kirill Mikhanovsky hat einen schönen Film geschaffen, einen Film, der den Zuschauer mit einem Lächeln auf dem Gesicht nach Hause gehen lässt.

Es geht um Jusce, einen jungen Fischer. Von ihm ausgehend erzählt der Film vom Leben und der Mentalität der Menschen in der von der Fischerei abhängigen Region im Nord-Osten Brasiliens, wo das Boot wichtiger ist als das Auto und das Fernsehen der einzige Weg ist, um etwas von der Welt zu sehen.

Die Handlung selber ist eher banal, aber Spannung und eine verzwickte Geschichte sind nicht das Ziel des Films. Er lebt von den Bildern, den Unterwasseraufnahmen, den Aufnahmen der Boote und des Meeres. Von der Darstellung der Menschen, der Solidarität und der Fröhlichkeit, die trotz Armut überwiegt. „Sonhos de peixe“ ist ein realistischer Film mit dokumentarischem Wert, denn die Szenen, wie zum Beispiel das zu Wasser lassen eines Bootes, sind, auch durch eine nahe Kameraführung, so lebendig wie möglich dargestellt. Der Darsteller von Jusce war Fischer ab seinem zwölften Lebensjahr und besitzt keine schauspielerische Ausbildung. Dies verstärkt die Authentizität des Films zusätzlich.

Der Zuschauer erhält Einblick in einen gesellschaftlichen Mikrokosmos, der ganz anders ist als der uns bekannte, aber in dem die selben zwischenmenschlichen Probleme existieren, materieller Besitz ebenfalls einen hohen Stellenwert hat und in der fremde Menschen – im Film verkörpert durch einen ausgewanderten Deutschen „El Gringo“ – genauso Probleme haben wie bei uns.

Der Film „Sonhos de peixe“ ist zum Lachen und Weinen zugleich und führt bei manchen Menschen zum Ausbruch starker Emotionen: Am Ende der Vorstellung fiel ein Journalist, nachdem er fast unter Tränen seine Ergriffenheit in Worte fasste, dem Hauptdarsteller um den Hals.

Simon Oldenbruch, Gymnasium Gonsenheim

Alles nur aus Liebe

Wo fängt die Liebe an und wo liegen ihre Grenzen? Diese Frage stellt sich der Zuschauer bei dem Film „Sonhos de Peixe“ von Kirill Mikhanovsky.

Der Protagonist Jusce, ein hart arbeitender junger Fischer, widmet sich vollkommen seiner Leidenschaft, dem Tauchen und seiner Liebe zu Ana. Jedoch ist diese Liebe anfangs einseitig - Ana sehnt sich nach der weiten Welt und Jusce kann ihr das nicht bieten, da er sein Leben im Dorf nicht aufgeben will. Nachdem auch Rogério, der Rivale von Jusce, nicht fähig ist, Anas Wünsche zu erfüllen, wird ihr bewusst, dass Jusce ihr etwas viel Bedeutenderes geben kann: aufrichtige Liebe. Durch die bewegte Kameraführung wird das gesamte Szenario eindrucksvoll umgesetzt und der Zuschauer förmlich an den Ort des Geschehens geführt. Aufgrund der emotionsgeladenen Musik, wie der Gesang des kleinen Kindes, fühlt man sich in die Gefühlslage der beteiligten Personen versetzt.

Der Regisseur schafft mit den naturalistischen Aufnahmen, sowohl über als auch unter Wasser, eine beeindruckende Kulisse.

In Mikhanovskys erstem Spielfilm wird deutlich, dass mit ruhigen und sorgfältig ausgewählten Bildern ein ähnlich intensives Erlebnis geboten werden kann, wie für manche in effektgeladenen Filmen.

Madeleine Stein, Anja Seidemann, Rebecca Lepadus und Corinna Mückenheim (Martin-Luther-Gymnasium, Lutherstadt Eisleben)

Spielplan

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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