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Kommentar · Flüchtlinge in Tübingen

Soziale Verantwortung statt Hahnenkämpfe

Im Endspurt des OB-Wahlkampfs haben sich Tübingens grüner OB Boris Palmer und Landrat Joachim Walter gegenseitig ein Bein gestellt, was einem angesichts der aktuellen Flüchtlingsströme auf den ersten Blick zynisch vorkommt.

10.10.2014
  • Christiane Hoyer

Nicht so zu Wahlkampfzeiten. Da kippt man, so scheint es, gerne mal mehr Salz in die Suppe, als dieser gut tut. Zum ersten Mal rührte Palmer selber die Suppe an, als der Gemeinderat am 22. September geschlossen dafür stimmte, auch dann weitere Flüchtlinge aufzunehmen, wenn das Land in Tübingen eine Erstaufnahmestelle einrichtet. Palmers Vermutung, dass der Kreis dabei „eher ans Geld als an Integration denke“, kam im Landratsamt nicht gut an.

Denn Joachim Walter war es, der einen Neubau hinterm Landratsamt für Flüchtlinge angeregt hatte – just auf dem Areal, wo jetzt die mögliche Landeserstaufnahmestelle entstehen soll. Kommende Woche ist dort Spatenstich für eine neue Sammelunterkunft. Walter ist es auch, der als Chef der unteren Verwaltungsbehörde dafür sorgen muss, dass die Flüchtlinge im Kreis Tübingen untergebracht und betreut werden. Zwei Mitarbeiter der Behörde sind seit den neuen Flüchtlingsströmen wie Immobilienmakler im Landkreis unterwegs, um passende Unterkünfte zu finden. Das gehört zu ihrem Job, aber es ist manchmal äußerst mühsam, wie sich beispielsweise bei der Standortsuche in Altingen herausgestellt hat. Denn willkommen sind „die Flüchtlinge“ keineswegs überall. Da gibt es manche Überzeugungsarbeit zu leisten.

Palmers Äußerung provozierte zweimal eine Reaktion des Landrats. Doch da war die Suppe schon versalzen. Beim ersten Mal wies der Landrat Palmers Vermutungen und Unterstellungen scharf zurück. Beim zweiten Mal akzeptierte Walter eine persönliche Aussprache zwischen beiden nicht und legte mit einer Pressemitteilung nach. Palmer wiederum fühlt sich vom Landrat mit CDU-Parteibuch bewusst missverstanden und hat langsam den Eindruck, dass Walter ihm hier mit Absicht die Wahlkampfsuppe verderben will.

Dabei eignet sich gerade das Thema Flüchtlinge am allerwenigsten, um jemandem politisch schaden zu wollen. Beide Streithähne sollten besser zusammenarbeiten, als in der Öffentlichkeit einen Kampf auszutragen, den ohnehin keiner gewinnen kann.

In vielen Ländern der Welt werden Menschen umgebracht, politisch verfolgt und an Europas Grenzen zurückgeschickt. Wer hier ankommt, braucht Hilfe – egal, ob jetzt in einer Landeserstaufnahmestelle und / oder in weiteren Unterkünften. Sowohl Boris Palmer als auch Landrat Joachim Walter haben dazu schon oft ihre soziale Verantwortung zur Integration gezeigt. Das – und nur das – sollten sie jetzt auch weiter tun.

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10.10.2014, 12:00 Uhr

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