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Migration

Spachförderung bietet noch viel Potenzial

Die Wirtschaft könnte von der kulturellen Vielfalt in Stuttgart profitieren.

18.03.2019

Von Caroline Holowiecki

Gari Pavcovic will die Sprachförderung verbessern. Foto: Caroline Holowiecki

Stuttgart. Häberle und Schmid liest man in Stuttgart an vielen Briefkästen, doch ähnlich häufig auch Yilmaz oder Papandreou. Stuttgart ist international. Rund ein Drittel der Bewohner wurde im Ausland geboren, 40 Prozent der Vorschulkinder stammen aus Migrantenfamilien. Menschen aus mehr als 170 Nationen sprechen über 120 Sprachen.

Einwanderer prägen also die Stadt, „doch oft ist ihr Engagement unsichtbar“, stellte Sara Alterio vom Forum der Kulturen, dem Dachverband der Migrantenvereine, im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus klar. Obwohl Mehrsprachigkeit bildungspolitisch verankert ist und schon Grundschüler Englisch pauken, „scheint es, es gibt Sprachen, die mehr gefördert werden als andere“.

Laut Gari Pavkovic, dem Integrationsbeauftragten der Stadt, wird an 86 Schulen zusätzlich muttersprachlicher Unterricht angeboten, allerdings meist nachmittags und durch die Konsulate organisiert. Die meisten Räume hatten 2017 die Generalkonsulate der Türkei (73), Italien (19) und Kroatien (16) angemietet. Laut Dolgor Guntsetseg vom Forum der Kulturen fördern zudem 40 Vereine gezielt den Spracherwerb – in der schwedischen oder der mongolischen Schule, im katalanischen Kindertreff oder im lettischen Kulturverein Saime. Das Kultusministerium bietet indes im Gegensatz zu anderen Bundesländern keinen Unterricht in den Herkunftssprachen in staatlicher Verantwortung an.

Geht es nach Pavkovic, muss mehr passieren, denn „die Menschen bringen ein kulturelles Potenzial mit“. Er plädiert für eine Professionalisierung und eine Förderung in Kitas und Schulen. Laut Dieter Thoma vom Mannheimer Zentrum für Empirische Mehrsprachigkeit ist Unterricht in der Heimatsprache für Kinder wichtig. Sie erhöhe deren Motivation. Zudem erhöhe Mehrsprachigkeit das Denkvermögen.

Die Stadt tut einiges für die sprachliche Barrierefreiheit. Seit Jahrzehnten gibt es mehrsprachige Dolmetscherdienste und Beratungsangebote, vor drei Jahren wurde das Welcome-Center eröffnet. Die Wirtschaft könnte stark von den mehrsprachigen Potenzialen ihrer Bürger profitieren, glaubt Pavkovic, aber „die schwäbische Nützlichkeit hat sich noch nicht umgesetzt in eine Sprachenpolitik“.

Info Die Internationalen Wochen gegen Rassismus finden noch bis 24. März statt. www.heimat-wochen.de/events

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Erstellt:
18. März 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
18. März 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. März 2019, 06:00 Uhr

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