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Reumütig und erleichtert

Sparda-Bankräuber muss für sechseinhalb Jahre ins Gefängnis

Der 40-Jährige, der die Tübinger Spardabank und zwei weitere Banken überfallen hat, muss für sechseinhalb Jahre in Haft. Sein Geständnis und sein deeskalierendes Auftreten hätten strafmildernd gewirkt, sagte Richter Ulrich Klein.

03.10.2010
  • Kathrin Schoch

Stuttgart. Es schien fast ein wenig, als habe Ulrich Klein, der Vorsitzende Richter der 5. Großen Strafkammer, Mitleid mit dem Mann, der am Freitag mit gesenktem Kopf auf der Anklagebank saß und das Urteil abwartete. „Ich glaube, Sie gehören zu denen, die wirklich gemerkt haben, was sie angerichtet haben“, sagte Klein in der Urteilsbegründung.

Für sechs Jahre und sechs Monate muss der 40-Jährige aus dem Kreis Reutlingen ins Gefängnis. Zwischen April 2009 und Juni 2010 hatte er bewaffnet mit einer Schreckschusspistole drei Banken überfallen – die erste in Tübingen – und in zwei Fällen Kunden als Geiseln genommen. Ein weit höheres Strafmaß wäre möglich gewesen, sagte Klein. Staatsanwalt Thomas Schek hatte zuvor acht Jahre gefordert.

Richter wie Staatsanwalt sehen den Mann mit dem jetzt verkündeten Urteil als genug gestraft an: Seine Familie wird es schwer haben, das mit einem Kredit von 300 000 Euro belastete Haus zu halten. Und die jetzt sieben und neun Jahre alten Kinder belaste die Trennung vom Vater sehr, sagte die Ehefrau des Täters aus. Dieser setzte in seinem Schlusswort zu einer erneuten Entschuldigung an, dann brach er in Schluchzen aus.

Richter Klein sprach von „sehr strafmildernden Umständen“: Da ist das freiwillige und umfassende Geständnis des Mannes, ohne das es sehr schwierig geworden wäre, ihm alle drei Überfälle nachzuweisen. Dazu sein ruhiges Auftreten, die ungeladene Waffe und die Tatsache, dass er mit den Geiseln wohl keinen Druck auf die Bankangestellten ausüben wollte. Vielmehr habe er sie als Zeugen nicht entwischen lassen wollen, sagte Klein. Dazu nickte der Mann nachdrücklich. Dass er aus Angst vor einer Kündigung beschloss, die Tübinger Spardabank zu überfallen, konnte der Richter aber nicht verstehen: „Damals war nicht wirklich eine finanzielle Notlage da.“ Das Verhalten des Mannes möge nachvollziehbar sein, „aber es war an der Grenze zur Dummheit“.

Der Staatsanwalt sagte in seinem Plädoyer, da habe sich einer wohl „verlupft“. Der Rahmen für das neue Haus war eng gesteckt, dazu kam die Sorge, das Doppelleben könne auffliegen – „da dreht sich die Spirale weiter, er muss subjektiv weitere Überfälle begehen“. Der Täter habe oft am Scheideweg gestanden und sich immer falsch entschieden. „Das war der denkbar schlechteste Weg, seine Probleme zu lösen.

Das sieht auch der 40-Jährige mittlerweile so: In einem Brief an seinen Anwalt, den der Richter am Tag zuvor verlesen hatte, schrieb er, er sei froh, dass der ganze Spuk ein Ende habe. „Ich habe mich in meine eigene Welt geflüchtet und den Bezug zur Realität verloren.“

Info: Vorsitzender Richter: Ulrich Klein; Beisitzender Richter: Ingo Schumann; Staatsanwalt: Thomas Schek; Schöffen: Manfred Nagel, Brunhild Haisch; Verteidiger: Hans-Christian Wolff.

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03.10.2010, 12:00 Uhr

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